(Stutt­gart)  Weist das Arbeits­ge­richt den kla­gen­den Arbeit­neh­mer gemäß dem Wort­laut des § 6 Satz 1 KSchG dar­auf hin, dass er sich im Ver­fah­ren über sei­ne recht­zei­tig erho­be­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter Instanz zur Begrün­dung der Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung auch auf inner­halb der Kla­ge­frist nicht gel­tend gemach­te Grün­de beru­fen kann, so hat es sei­ner Pflicht aus § 6 Satz 2 KSchG genügt.

Beruft sich der Arbeit­neh­mer trotz eines sol­chen Hin­wei­ses erst spä­ter auf wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de, kön­nen die­se im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren grund­sätz­lich nicht mehr berück­sich­tigt wer­den.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 18.01.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: 6 AZR 407/10. 

Am 1. Juni 2009 wur­de über das Ver­mö­gen der Arbeit­ge­be­rin der Klä­ge­rin das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Am 24. Juni 2009 einig­te sich der beklag­te Insol­venz­ver­wal­ter mit dem Betriebs­rat auf einen Inter­es­sen­aus­gleich mit Namens­lis­te. Im Inter­es­sen­aus­gleich erklär­te der Betriebs­rat, recht­zei­tig und umfas­send gemäß § 17 KSchG unter­rich­tet wor­den zu sein. Die­sen Inter­es­sen­aus­gleich lei­te­te der Insol­venz­ver­wal­ter statt einer Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats der Agen­tur für Arbeit zu. Zu die­sem Zeit­punkt war das Ori­gi­nal des Inter­es­sen­aus­gleichs nur vom Betriebs­rat unter­zeich­net. Mit Schrei­ben vom 25. Juni 2009 kün­dig­te der Insol­venz­ver­wal­ter das Arbeits­ver­hält­nis der Klä­ge­rin zum 30. Sep­tem­ber 2009.

Die Klä­ge­rin begehrt mit ihrer Kla­ge die Fest­stel­lung der Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung. Das Arbeits­ge­richt hat die Klä­ge­rin in der Ladung zur Güte­ver­hand­lung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass „nur bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in der ers­ten Instanz auch wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de gel­tend gemacht wer­den kön­nen“. Die Rügen eines Ver­sto­ßes gegen § 17 KSchG und § 102 Abs. 1 BetrVG hat die Klä­ge­rin erst­mals in zwei­ter Instanz erho­ben.
Arbeits­ge­richt und Lan­des­ar­beits­ge­richt haben die Kla­ge abge­wie­sen. 

Die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te vor dem Sechs­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­nen Erfolg, so von Bre­dow. 

Das Arbeits­ge­richt hat durch Wie­der­ga­be des Geset­zes­wort­lau­tes des § 6 Satz 1 KSchG sei­ner Hin­weis­pflicht auf die ver­län­ger­te Anru­fungs­frist genügt. Daher hat­te der Senat nicht zu ent­schei­den, ob die Kün­di­gung wegen unzu­rei­chen­der Anhö­rung des Betriebs­rats gemäß § 102 Abs. 1 Satz 3 BetrVG unwirk­sam war. Ob ein Ver­stoß gegen § 17 KSchG zur Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung führt und damit § 6 KSchG unter­fällt, konn­te der Senat offen las­sen. Der Beklag­te hat sei­ne Pflich­ten aus § 17 KSchG nicht ver­letzt. Der Inter­es­sen­aus­gleich hat gem. § 125 Abs. 2 InsO die nach § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG erfor­der­li­che Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats ersetzt, obwohl zum dama­li­gen Zeit­punkt das Ori­gi­nal nur vom Betriebs­rat unter­zeich­net war und damit nicht dem Schrift­form­er­for­der­nis des § 112 Abs. 1 BetrVG genüg­te. 

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

 

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeits­recht
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