(Stutt­gart) Mit einem eher außer­ge­wöhn­li­chen Fall muss­te sich das Bun­des­ar­beits­ge­richt am 16.12.2010 aus­ein­an­der­set­zen, hat­te es doch über den Anspruch von Opern­chor­mit­glie­dern auf Son­der­ver­gü­tung für par­ti­t­ur­ge­rech­te Duo- und Quar­tett­auf­trit­te in einer Auf­füh­rung der Oper „Ido­me­neo“ von W. A. Mozart zu ent­schei­den.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf ein Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 16. Dezem­ber 2010 — 6 AZR 487/09.

Nach § 79 Abs. 1 Nor­mal­ver­trag Büh­ne (NV Büh­ne), bei dem es sich um einen Tarif­ver­trag für Solo­mit­glie­der, Büh­nen­tech­ni­ker, Opern­chor- und Tanz­grup­pen­mit­glie­der han­delt, sind mit der Opern­chor­mit­glie­dern gezahl­ten Ver­gü­tung u.a. kur­ze solis­ti­sche Sprech- und/oder Gesangs­leis­tun­gen abge­gol­ten. Für die Über­nah­me klei­ne­rer Par­ti­en ist gemäß § 79 Abs. 2 Buchst. a NV Büh­ne dage­gen eine ange­mes­se­ne Son­der­ver­gü­tung zu zah­len. Eine son­der­ver­gü­tungs­pflich­ti­ge „klei­ne­re Par­tie“ liegt vor, wenn das Opern­chor­mit­glied aus dem Opern­chor­kol­lek­tiv her­aus­tritt. Das setzt vor­aus, dass es eine nach der kon­kre­ten Insze­nie­rung und nach ihrem Umfang eigen­stän­di­ge Leis­tung erbringt.

Vier Klä­ger haben an Auf­füh­run­gen der Mozart-Oper Ido­me­neo mit­ge­wirkt. Sie haben dabei Duet­te und Quar­tet­te im Rah­men einer Chor­num­mer gesun­gen, bei denen jede Stim­me par­ti­t­ur­ge­recht nur ein­zeln durch eine Klä­ge­rin oder einen Klä­ger besetzt war. Für die­se Mit­wir­kung begeh­ren sie jeweils zwi­schen 40,00 Euro und 120,00 Euro. Sie haben dafür, wie nach § 53 NV Büh­ne vor­ge­se­hen, zunächst die Büh­nen­schieds­ge­richts­bar­keit ange­ru­fen. Das Büh­nen­ober­schieds­ge­richt hat die Schieds­kla­ge abge­wie­sen.

Wie in den Vor­in­stan­zen ist die auf Auf­he­bung des Schieds­spru­ches des Büh­nen­ober­schieds­ge­richts gerich­te­te Kla­ge auch  beim BAG ohne Erfolg geblie­ben, so von Bre­dow.

Das Büh­nen­ober­schieds­ge­richt hat die Gesangs­leis­tun­gen der Klä­ger bei der Auf­füh­rung von „Ido­me­neo“ zutref­fend als nicht son­der­ver­gü­tungs­pflich­ti­ge kur­ze solis­ti­sche Gesangs­leis­tung ange­se­hen. Der blo­ße Umstand, dass unstrei­tig bei allen streit­be­fan­ge­nen Gesangs­leis­tun­gen die Stimm­grup­pen par­ti­t­ur­ge­recht nur ein­zeln besetzt gewe­sen sind, löst noch kei­ne Son­der­ver­gü­tungs­pflicht aus. Das Büh­nen­ober­schieds­ge­richt hat in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se man­gels abwei­chen­der sze­ni­scher Aspek­te auf die den musi­ka­li­schen Wil­len des Kom­po­nis­ten ver­kör­pern­de Par­ti­tur abge­stellt, die solis­ti­schen Leis­tun­gen der Klä­ger als kurz bewer­tet und sie noch als Teil der Chor­leis­tung ange­se­hen. Es hat dabei nach­voll­zieh­bar die musi­ka­li­sche Ein­bin­dung der Duet­te und des Quar­tetts in den Chor­auf­tritt als maß­geb­lich ange­se­hen.

Hin­sicht­lich der von vier Klä­gern gel­tend gemach­ten beson­de­ren Ver­gü­tung für die Kon­zert­auf­füh­rung der Lyri­schen Sui­te „Leben in unse­rer Zeit“ von Edmund Nick nach § 79 Abs. 2 Buch­sta­be a) bzw. Abs. 3 NV Büh­ne hat der Sechs­te Senat die Revi­si­on eben­falls zurück­ge­wie­sen. Das Büh­nen­ober­schieds­ge­richt hat inso­weit ohne Rechts­feh­ler ange­nom­men, das Män­ner­quar­tett in Nr. 5 die­ser Lyri­schen Sui­te habe kei­ne klei­ne­re Par­tie, son­dern nur eine kur­ze solis­ti­sche Gesangs­leis­tung im Rah­men der kon­zer­tan­ten Auf­füh­rung eines musi­ka­li­schen Büh­nen­wer­kes dar­ge­stellt.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeits­recht
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