(Stutt­gart) Die Beför­de­rung eines Rich­ters oder Beam­ten in ein höhe­res Amt kann von einem unter­le­ge­nen Mit­be­wer­ber vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten mit Erfolg ange­foch­ten wer­den, wenn der Dienst­herr den aus­ge­wähl­ten Bewer­ber unter Ver­let­zung des Grund­rechts des Mit­be­wer­bers auf wir­kungs­vol­len Rechts­schutz ernannt hat. Der Grund­satz der Ämter­sta­bi­li­tät steht dem nicht ent­ge­gen. Die Kla­ge hat Erfolg, wenn die Bewer­ber­aus­wahl Rech­te des Mit­be­wer­bers ver­letzt. 

Dies, so der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VdAA  — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, hat am 04.11.2010 das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt (BVerwG)  in Leip­zig ent­schie­den, Az.: BVerwG 2 C 16.09.

In dem zu ent­schei­den­den Ver­fah­ren hat­ten sich der Klä­ger als Prä­si­dent eines Land­ge­richts und der Bei­ge­la­de­ne als dama­li­ger Prä­si­dent des Lan­des­so­zi­al­ge­richts um das höher ein­ge­stuf­te Amt des Prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts bewor­ben. Der Jus­tiz­mi­nis­ter ent­schied sich für den Bei­ge­la­de­nen.

Der Antrag des Klä­gers, dem Beklag­ten die Ernen­nung des Bei­ge­la­de­nen zum Prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts durch einst­wei­li­ge Anord­nung zu unter­sa­gen, blieb in bei­den ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Instan­zen erfolg­los. Der Klä­ger hat­te dem Beklag­ten mit­ge­teilt, er wer­de bei nach­tei­li­gem Aus­gang des Ver­fah­rens das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anru­fen. Unmit­tel­bar nach Ein­gang der Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts im Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um hän­dig­te der Jus­tiz­mi­nis­ter dem Bei­ge­la­de­nen die Ernen­nungs­ur­kun­de aus.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat der in den Vor­in­stan­zen erfolg­lo­sen Kla­ge statt­ge­ge­ben, betont Klar­mann.

Es hat die Ernen­nung des Bei­ge­la­de­nen mit Wir­kung ab Zustel­lung des Urteils auf­ge­ho­ben und den Beklag­ten ver­pflich­tet, das Amt des Prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts auf­grund eines neu­en Aus­wahl­ver­fah­rens zu ver­ge­ben. Dem lie­gen fol­gen­de Erwä­gun­gen zugrun­de:

Ernennt der Dienst­herr den aus­ge­wähl­ten Bewer­ber, bevor unter­le­ge­ne Bewer­ber die Mög­lich­kei­ten der gericht­li­chen Nach­prü­fung aus­ge­schöpft haben, so ver­letzt er deren Grund­recht auf wir­kungs­vol­len Rechts­schutz. Bei der­ar­ti­ger Rechts­schutz­ver­ei­te­lung kön­nen die Rech­te der unter­le­ge­nen Bewer­ber auf gericht­li­che Nach­prü­fung der Bewer­ber­aus­wahl nur durch eine Kla­ge gegen die Ernen­nung gewahrt wer­den. Daher muss in Fäl­len die­ser Art der Grund­satz der Ämter­sta­bi­li­tät, nach dem die Ver­ga­be eines Amtes rechts­be­stän­dig ist, zurück­ste­hen.

Die hier getrof­fe­ne Aus­wahl­ent­schei­dung des Beklag­ten hat das grund­recht­lich gewähr­leis­te­te Recht des Klä­gers auf eine sach­ge­rech­te, allein an Leis­tungs­ge­sichts­punk­ten ori­en­tier­te Ent­schei­dung über sei­ne Bewer­bung ver­letzt. Ins­be­son­de­re hat der Beklag­te die Aus­wahl des Bei­ge­la­de­nen auf nicht trag­fä­hi­ge Erkennt­nis­se gestützt. Er durf­te dem Bei­ge­la­de­nen nicht bereits auf­grund sta­tis­ti­scher Anga­ben über die Arbeits­er­geb­nis­se der Sozi­al­ge­richts­bar­keit des Lan­des in des­sen Amts­zeit und auf­grund der Ein­drü­cke des Jus­tiz­mi­nis­ters bei den Tagun­gen der Ober­prä­si­den­ten den Vor­zug geben.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die neue Recht­spre­chung, wonach Ernen­nun­gen nicht mehr ohne jede Aus­nah­me rechts­be­stän­dig sind, bereits im vor­lie­gen­den Fall ange­wandt. Das Ver­trau­en des Bei­ge­la­de­nen in die Rechts­be­stän­dig­keit sei­ner Ernen­nung ist nach Abwä­gung der gegen­läu­fi­gen Inter­es­sen nicht schutz­wür­dig. Zwar hat der Bei­ge­la­de­ne auf­grund des rechts­wid­ri­gen Ver­hal­tens des Beklag­ten erheb­li­che Nach­tei­le zu tra­gen. Sei­nen Anspruch auf amts­an­ge­mes­se­ne Beschäf­ti­gung kann der Beklag­te nicht mehr erfül­len, weil die ein­zi­ge Stel­le des Prä­si­den­ten des Lan­des­so­zi­al­ge­richts bereits ander­wei­tig besetzt ist. Jedoch ist der Beklag­te auf­grund sei­ner Für­sor­ge­pflicht gehal­ten, die Fol­gen für den Bei­ge­la­de­nen so weit als mög­lich aus­zu­glei­chen. Er kann den Bei­ge­la­de­nen mit des­sen Zustim­mung in ein ande­res gleich­wer­ti­ges Amt ver­set­zen. Der Bei­ge­la­de­ne kann sich erneut um das Amt des Prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts bewer­ben

Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten sowie in Zwei­fels­fäl­len um Rechts­rat nach­zu­su­chen, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Jens Klar­mann
Rechts­an­walt
Fach­an­walt für Arbeits­recht
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