(Stutt­gart) Im Fal­le einer schwer­wie­gen­den Ver­let­zung der arbeits­ver­trag­li­chen Pflich­ten kommt auch bei einem von der Arbeits­pflicht bis zum ver­ein­bar­ten Been­di­gungs­ter­min frei­ge­stell­ten Arbeit­neh­mer eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung in Betracht.

Dar­auf ver­weist  der Neu-Isen­bur­ger Fach­an­walt für Arbeits­recht Dr. Micha­el Mey­er, Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Betriebsverfassungsrecht/Mitbestimmung” des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) vom 07.12.2011 zu sei­nem Urteil vom 29. August 2011 – Az.: 7 Sa 248/11. mit wel­chem das LAG ein vor­her­ge­hen­des Urteil des Arbeits­ge­richts Frank­furt am Main abge­än­dert hat.

Der 36- jäh­ri­ge, ver­hei­ra­te­te Klä­ger des Rechts­streits war seit Okto­ber 2008 bei sei­ner Arbeit­ge­be­rin, einer Bank aus Düs­sel­dorf, als Fir­men­kun­den­be­treu­er tätig, seit April 2009 mit Pro­ku­ra. Am 16. Juni 2010 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en die Been­di­gung ihres Arbeits­ver­hält­nis­ses zum 31. Dezem­ber 2010 und die Frei­stel­lung des Klä­gers ab 1. Juli 2010 bis 31. Dezem­ber 2010 bei Fort­zah­lung der Bezü­ge.

Am 29./30. Juni 2010 über­mit­tel­te der Klä­ger ins­ge­samt 94 E-mails mit  ca. 622 MB in 1660 Datei­an­hän­gen an sein pri­va­tes E-Mail Post­fach bei gmx.de. Dabei han­del­te es sich über­wie­gend um Daten, die dem Bank­ge­heim­nis unter­lie­gen, dar­un­ter Daten der vom Klä­ger betreu­ten Kun­den; Doku­men­te, in denen die einem Unter­neh­men ein­ge­räum­ten Kre­dit­li­ni­en und in Anspruch genom­me­nen Kre­di­te auf­ge­lis­tet wer­den; Risi­ko­ana­ly­sen für diver­se Unter­neh­men, Kre­dit­ver­trä­ge u.ä. Hier­von erfuhr die Beklag­te am 7. Juli 2010 durch ihre Daten­schutz­kom­mis­si­on. Am 20. Juli 2010 kün­dig­te die Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis mit dem Klä­ger frist­los.

Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge hat­te vor dem Arbeits­ge­richt Erfolg. Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Urteil jedoch abge­än­dert und die Kla­ge abge­wie­sen, betont Dr. Mey­er.

Es ist der Ansicht gewe­sen, der Klä­ger habe eine schwer­wie­gen­de Ver­trags­ver­let­zung began­gen, die die frist­lo­se Kün­di­gung auch in einem tat­säch­lich nicht mehr voll­zo­gen Arbeits­ver­hält­nis recht­fer­ti­ge. Zwar kom­me es zur Begrün­dung einer frist­lo­sen Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses regel­mä­ßig auf die Pro­gno­se zukünf­ti­gen Ver­hal­tens an. Hier ste­he die feh­len­de Wie­der­ho­lungs­ge­fahr aber nicht ent­ge­gen. Der Klä­ger habe das in ihn gesetz­te Ver­trau­en sei­ner Arbeit­ge­be­rin durch die Mit­nah­me geheim zu hal­ten­der Bank­da­ten so schwer erschüt­tert, dass ihr das Fest­hal­ten an dem Arbeits­ver­hält­nis und die Fort­zah­lung der Bezü­ge bis Dezem­ber 2010 nicht mehr zumut­bar sei­en. Das Fehl­ver­hal­ten des Klä­gers habe ein nahe­zu gleich gro­ßes Gewicht wie eine straf­ba­re Hand­lung zulas­ten des Arbeit­ge­bers.

Die Ein­las­sung des Klä­gers, er habe die Daten auf sei­nem Rech­ner nicht an Drit­te wei­ter­ge­ben wol­len und sie wäh­rend der Zeit der Frei­stel­lung nur zu Trai­nings­zwe­cken ver­wen­den wol­len, wer­te­te das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt als unbe­acht­li­che Schutz­be­haup­tung.

Dr. Mey­er emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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