(Stutt­gart) Die vom Arbeit­ge­ber ein­zu­hal­ten­de gesetz­li­che Kün­di­gungs­frist des § 622 Abs. 1 BGB beträgt vier Wochen zum Fünf­zehn­ten oder Ende eines Kalen­der­mo­nats und ver­län­gert sich gemäß § 622 Abs. 2 Satz 1 BGB bei län­ge­rer Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit in meh­re­ren Stu­fen. Die­se Staf­fe­lung der Kün­di­gungs­fris­ten ver­letzt das Ver­bot der mit­tel­ba­ren Alters­dis­kri­mi­nie­rung nicht.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 18.09.2014 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 6 AZR 636/13.

Die Beklag­te betreibt eine Golf­sport­an­la­ge und beschäf­tigt nicht mehr als zehn Arbeit­neh­mer. Das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz fand auf das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en dar­um kei­ne Anwen­dung. Die 1983 gebo­re­ne Klä­ge­rin war seit Juli 2008 als Aus­hil­fe bei der Beklag­ten beschäf­tigt. Mit Schrei­ben vom 20. Dezem­ber 2011 kün­dig­te die Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis unter Ein­hal­tung der Kün­di­gungs­frist des § 622 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BGB zum 31. Janu­ar 2012. Die Klä­ge­rin zieht die prin­zi­pi­el­le Wirk­sam­keit die­ser Kün­di­gung nicht in Zwei­fel. Sie ist jedoch der Auf­fas­sung, die Staf­fe­lung der Kün­di­gungs­fris­ten unter Berück­sich­ti­gung der Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit begüns­ti­ge älte­re Arbeit­neh­mer, weil lang­jäh­rig beschäf­tig­te Arbeit­neh­mer natur­ge­mäß älter sei­en. Jün­ge­re Arbeit­neh­mer wie sie wür­den dage­gen benach­tei­ligt. Dar­in lie­ge eine von der Richt­li­nie 2000/78/EG des Rates vom 27. Novem­ber 2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf (RL 2000/78/EG) unter­sag­te mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Alters. Dies habe zur Fol­ge, dass die in § 622 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 BGB vor­ge­se­he­ne längst mög­li­che Kün­di­gungs­frist von sie­ben Mona­ten zum Ende eines Kalen­der­mo­nats für alle Arbeit­neh­mer unab­hän­gig von der tat­säch­li­chen Dau­er der Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit gel­ten müs­se. Dar­um habe das Arbeits­ver­hält­nis erst mit dem 31. Juli 2012 geen­det.

Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te vor dem Sechs­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­nen Erfolg. Zwar führt die Dif­fe­ren­zie­rung der Kün­di­gungs­frist nach der Dau­er der Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit zu einer mit­tel­ba­ren Benach­tei­li­gung jün­ge­rer Arbeit­neh­mer. Die Ver­län­ge­rung der Kün­di­gungs­fris­ten durch § 622 Abs. 2 Satz 1 BGB ver­folgt jedoch das recht­mä­ßi­ge Ziel, län­ger beschäf­tig­ten und damit betriebs­treu­en, typi­scher­wei­se älte­ren Arbeit­neh­mern durch län­ge­re Kün­di­gungs­fris­ten einen ver­bes­ser­ten Kün­di­gungs­schutz zu gewäh­ren. Zur Errei­chung die­ses Ziels ist die Ver­län­ge­rung auch in ihrer kon­kre­ten Staf­fe­lung ange­mes­sen und erfor­der­lich iSd. Art. 2 Abs. 2 Buchst. b Ziff. i) RL 2000/78/EG. Dar­um liegt kei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Alters vor.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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