(Stutt­gart) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf hat am 01. Juli 2010 fest­ge­stellt, dass die Kün­di­gung eines Abtei­lungs­arz­tes (Chef­arzt) eines Kran­ken­hau­ses in kirch­li­cher Trä­ger­schaft wegen des­sen erneu­ter Ehe­schlie­ßung im kon­kre­ten Ein­zel­fall unwirk­sam ist.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Beson­de­re Arten von Arbeits­ver­hält­nis­sen“ des VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf das Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Düs­sel­dorf vom 01. Juli 20105 Sa 996/09.

Die Arbeit­ge­be­rin hat­te das Arbeits­ver­hält­nis auf Grund der zwei­ten Ehe­schlie­ßung am 30.03.2009 zum 30.09.2009 gekün­digt. Der dem Arbeits­ver­hält­nis zugrun­de­lie­gen­de Arbeits­ver­trag bedingt die Ein­hal­tung der katho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re.

Der Klä­ger und sei­ne ers­te Ehe­frau leb­ten seit dem Jah­re 2005 getrennt. Nach­dem die­se ers­te Ehe im März 2008 welt­lich geschie­den wor­den war, schloss der Klä­ger im August 2008 stan­des­amt­lich sei­ne zwei­te Ehe. Anfang 2009 lei­te­te er betref­fend die ers­te Ehe ein kirch­li­ches, der­zeit noch nicht abge­schlos­se­nes Annu­lie­rungs­ver­fah­ren ein. Das Arbeits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf kam in der heu­ti­gen Beru­fungs­ver­hand­lung zu dem Ergeb­nis, dass das ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­te Selbst­be­stim­mungs­recht der katho­li­schen Kir­che durch die staat­li­chen Arbeits­ge­rich­te zu ach­ten ist, so von Bre­dow.

Die erneu­te Ehe­schlie­ßung ist danach an sich ein Pflicht­ver­stoß und als Kün­di­gungs­grund geeig­net. Zugleich müs­sen die Gerich­te im Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­ren grund­le­gen­de staat­li­che Rechts­sät­ze beach­ten. Die erken­nen­de Kam­mer sah den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz als ver­letzt an, weil das Kran­ken­haus mit pro­tes­tan­ti­schen und katho­li­schen Mit­ar­bei­tern glei­che Arbeits­ver­trä­ge abge­schlos­sen hat­te. Bei pro­tes­tan­ti­schen Mit­ar­bei­tern griff sie bei einer erneu­ten Ehe­schlie­ßung aber nicht zum Mit­tel der Kün­di­gung. Zudem kam die Kam­mer nach der Beweis­auf­nah­me zu dem Ergeb­nis, dass die Arbeit­ge­be­rin bereits seit 2006 von dem ehe­ähn­li­chen Ver­hält­nis des Arz­tes wuss­te und kei­ne arbeits­recht­li­chen Maß­nah­men ergriff. Nach dem Arbeits­ver­trag war bereits dies ein Pflicht­ver­stoß. Es ist unver­hält­nis­mä­ßig, wenn das Kran­ken­haus bei län­ge­rer Kennt­nis von der ehe­ähn­li­chen Gemein­schaft im Fal­le der erneu­ten Hei­rat des Arz­tes sofort zum Mit­tel der Kün­di­gung greift. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Revi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt zuge­las­sen.

Von Bre­dow emp­fahl, diesv. zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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