(Stutt­gart)  Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm hat soeben ent­schie­den, dass die ordent­li­che Kün­di­gung einer Gemein­de­re­fe­ren­tin nach Ent­zug der bischöf­li­chen Beauf­tra­gung wirk­sam ist.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm vom 18.07.2012 zu sei­nem Urteil vom glei­chen Tage, Az. 10 Sa 890/12.

Zugrun­de liegt fol­gen­der Sach­ver­halt:

Die Klä­ge­rin ist seit dem 01.02.2000 als Gemein­de­re­fe­ren­tin bei dem Beklag­ten Erz­bis­tum tätig und ihr wur­de die bischöf­li­che Beauf­tra­gung ver­lie­hen. In den Jah­ren 2008/2009 strit­ten die Par­tei­en über das Bestehen einer Resi­denz­pflicht der Klä­ge­rin. Das Ver­fah­ren ging für die Klä­ge­rin erfolg­los aus. Die von der Klä­ge­rin im Rah­men des geführ­ten Rechts­streits getä­tig­ten Äuße­run­gen ins­be­son­de­re im Rah­men der von ihr her­bei­ge­führ­ten Medi­en­be­richt­erstat­tung nahm das Bis­tum zum Anlass, der Klä­ge­rin mit Dekret vom 16.03.2010 die kano­ni­sche Beauf­tra­gung als Gemein­de­re­fe­ren­tin zu ent­zie­hen. Die Beschwer­de der Klä­ge­rin hier­ge­gen wur­de vom apos­to­li­schen Stuhl mit Dekret vom 16.10.2010 zurück­ge­wie­sen. Bereits im Juli 2010 teil­te das beklag­te Erz­bis­tum der Klä­ge­rin mit, dass sie fort­an nicht mehr als Gemein­de­re­fe­ren­tin ein­ge­setzt wer­de und bot der Klä­ge­rin ande­re Tätig­kei­ten an. Die­se Tätig­kei­ten lehn­te die Klä­ge­rin ab und stell­te die Arbeits­leis­tung ein. Mit Schrei­ben vom 02.12.2010 und 22.12.2010 sprach das Erz­bis­tum der Klä­ge­rin außer­or­dent­li­che Ände­rungs­kün­di­gun­gen aus und bot ihr zugleich die Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses zu geän­der­ten Bedin­gun­gen als Sekre­tä­rin an. Spä­ter wur­de auch eine hilfs­wei­se ordent­li­che Ände­rungs­kün­di­gung mit dem glei­chen Ziel aus­ge­spro­chen. Die­se Kün­di­gun­gen greift die Klä­ge­rin im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren an, nach­dem sie die Ände­rungs­an­ge­bo­te abge­lehnt hat­te.

Die Klä­ge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kün­di­gun­gen sei­en teils aus for­ma­len Grün­den, aber auch des­we­gen unwirk­sam, weil das Erz­bis­tum sich nicht auf den Ent­zug der kano­ni­schen Beauf­tra­gung beru­fen dür­fe. Zum einen benö­ti­ge eine Gemein­de­re­fe­ren­tin die­se Beauf­tra­gung nicht, zum ande­ren kön­ne sich das beklag­te Erz­bis­tum nicht durch einen inner­kirch­li­chen Akt einen Kün­di­gungs­grund selbst schaf­fen. Im Übri­gen sei das Ände­rungs­an­ge­bot unwirk­sam, da es unnö­tig weit in die Rech­te der Klä­ge­rin ein­grei­fe, denn die Stel­lung als Sekre­tä­rin in Voll­zeit bedeu­te eine Hal­bie­rung ihrer Ein­künf­te.

Mit Urteil vom 23.11.2011 (2 Ca 561/11) hat das Arbeits­ge­richt Pader­born der Kla­ge nur teil­wei­se statt gege­ben. Es hat die außer­or­dent­li­chen Kün­di­gun­gen für unver­hält­nis­mä­ßig und damit für unwirk­sam, die frist­ge­rech­te Kün­di­gung zum 30.06.2011 jedoch für wirk­sam gehal­ten.

Die gegen die Wirk­sam­keit der ordent­li­chen Kün­di­gung gerich­te­te Kla­ge blieb nun ohne Erfolg, so Henn. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen.

Die Kün­di­gung des Erz­bis­tums ist durch in der Per­son der Klä­ge­rin lie­gen­de Grün­de gerecht­fer­tigt. Durch den Ent­zug der bischöf­li­chen Beauf­tra­gung fehlt der Klä­ge­rin eine per­sön­li­che Eigen­schaft, die für die Aus­übung ihrer Tätig­keit als Gemein­de­re­fe­ren­tin unver­zicht­bar ist. Als inner­kirch­li­cher Akt kann der Ent­zug der Beauf­tra­gung durch den Bischof eben­so wenig von den staat­li­chen Gerich­ten über­prüft wer­den wie die Aus­le­gung des kano­ni­schen Rechts (codex juris cano­ni­ci). Daher ist die Aus­le­gung des Erz­bis­tums, dass auch Gemein­de­re­fe­ren­ten der beson­de­ren Beauf­tra­gung durch den Bischof bedür­fen, vom Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht zu über­prü­fen.

Die 10. Kam­mer hat die Revi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt zuge­las­sen.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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