(Stutt­gart) Bezie­her der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de (“Hartz-IV”) müs­sen sich die staat­li­che Abwrack­prä­mie für Alt­wa­gen als Ein­kom­men leis­tungs­min­dernd auf ihre Hartz-IV-Leis­tun­gen anrech­nen las­sen.

Das, so der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, hat am 03.07.2009 das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len (LSG NRW) im vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren eines Hartz-IV-Emp­fän­gers aus Bochum ent­schie­den. (Az.: L 20 B 59/09 AS ER und L 20 B 66/09 AS).

Der Hartz-IV-Emp­fän­ger war gegen die tele­fo­ni­sche Aus­kunft der zustän­di­gen ARGE, er müs­se sich die Abwrack­prä­mie anrech­nen las­sen, vor das Sozi­al­ge­richt gezo­gen und unter­le­gen. Nach Ansicht der Esse­ner Rich­ter stellt die Abwrack­prä­mie Ein­kom­men i.S.v. § 11 Abs. 1 des zwei­ten Sozi­al­ge­setz­buchs (SGB II) dar und ist des­halb bei der Berech­nung der Leis­tun­gen nach dem SGB II leis­tungs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen, betont Henn.

Ins­be­son­de­re fal­le die Prä­mie nicht unter die Aus­nah­me­vor­schrift des § 11 Abs. 3 Nr. 1a SGB II (zweck­be­stimm­te Ein­nah­men). Es sei schon nicht klar, ob die Abwrack­prä­mie, wie es die Vor­schrift ver­lan­ge, nicht zumin­dest auch der Erfül­lung grund­le­gen­der Be­darfe und damit dem­sel­ben Zweck wie Leistun­gen nach dem SGB II die­ne. Jeden­falls beein­flus­se die Gewäh­rung der Umwelt­prä­mie die Lage ihres Emp­fän­gers so güns­tig im Sin­ne des § 11 Abs. 3 Nr. 1a SGB II, dass dane­ben Leis­tun­gen nach dem SGB II nicht gerecht­fer­tigt wären. Die Prä­mie ver­schaf­fe dem Leis­tungs­be­zie­her erheb­li­che Geld­mit­tel in mehr­fa­cher Höhe einer monat­li­chen Regel­leis­tung für ein (wenn auch län­ger­le­bi­ges und höher­wer­ti­ges) Ver­brauchs­gut und damit für den pri­va­ten Kon­sum. Dem dien­ten jedoch auch die Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen.

Eben­so wenig sei die Umwelt­prä­mie als Ersatz für ein nach § 12 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 SGB II als ange­mes­se­nes Kraft­fahr­zeug geschütz­tes Ver­mö­gen anrech­nungs­frei gestellt. Der Hilfeemp­fänger dür­fe nur ein vor­han­de­nes, ange­mes­se­nes Kraft­fahr­zeug be­halten. Das schüt­ze jedoch nicht alle mit der Anschaf­fung eines neu­en Fahr­zeuges ver­bun­de­nen Mit­tel vor einer Anrech­nung.

Nach Ansicht des LSG NRW ist die Umwelt­prä­mie auch nicht mit der Eigen­heim­zu­la­ge zu ver­glei­chen, die nicht auf die Leis­tun­gen nach dem SGB II ange­rech­net wird. Denn an­ders als bei der Anschaf­fung eines PKW die­ne die Eigen­heim­zu­la­ge der lang­fris­ti­gen — in der Regel so gut wie lebens­lan­gen — Absi­che­rung des ver­fas­sungs­recht­lich beson­ders geschütz­ten Grund­be­dürf­nis­ses des Woh­nens. Damit wider­spra­chen die Esse­ner Rich­ter einem ent­spre­chen­den Beschluss des Sozi­al­ge­richts Mag­de­burg.

Auf eine Gleich­be­hand­lung mit Emp­fän­gern der Abwrack­prä­mie. die kei­ne Hartz-IV-Bezie­her sei­en, kön­ne sich der Antrag­stel­ler nicht beru­fen, weil er erheb­li­che, für­sor­ge­glei­che Leistun­gen bezie­he. Bereits dafür habe die All­ge­mein­heit über die Ent­rich­tung von Steu­ern aufzu­kommen.

Der Beschluss ist rechts­kräf­tig.

Henn emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.    

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