(Stutt­gart) Arbeit­neh­mer, die am letz­ten Tag ihres Arbeits­ver­hält­nis­ses von einem Arzt krank­ge­schrie­ben wer­den, erhal­ten ab dem Fol­ge­tag Kran­ken­geld, auch wenn mit dem Arbeits­ver­hält­nis die Ver­si­che­rung mit Anspruch auf Kran­ken­geld endet.

Dar­auf ver­weist der Lör­ra­cher Fach­an­walt für Arbeits- und Sozi­al­recht Bodo Kuhn, Mit­glied des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len (LSG NRW) vom 24.10.2011 zu sei­nem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil vom 14.7.2011 – Az.: L 16 KR 73/10.

Damit, so Kuhn, hat das Gericht der von den (frü­he­ren) Spit­zen­ver­bän­den der Kran­ken­ver­si­che­rung ver­tre­te­nen Auf­fas­sung wider­spro­chen. Die­se hat­ten gemeint, Kran­ken­geld erhal­te nur der­je­ni­ge, der zum Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Kran­ken­geld­an­spruchs noch mit Anspruch auf Kran­ken­geld ver­si­chert sei. Da nach der gesetz­li­chen Rege­lung ein Anspruch auf Kran­ken­geld erst nach dem Tag der ärzt­li­chen Fest­stel­lung der Arbeits­un­fä­hig­keit ent­ste­he und eine Ver­si­che­rung mit Kran­ken­geld­an­spruch nur wäh­rend der ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung bestehe, kön­ne eine erst am letz­ten Tag der Beschäf­ti­gung fest­ge­stell­te Arbeits­un­fä­hig­keit nicht zu einem Kran­ken­geld­an­spruch füh­ren. Dem­ge­gen­über hält es das LSG NRW für aus­rei­chend, wenn die Arbeits­un­fä­hig­keit zu einem Zeit­punkt fest­ge­stellt wor­den ist, an dem noch die Ver­si­che­rung mit Kran­ken­geld­an­spruch bestan­den hat und sich dann der Kran­ken­geld­an­spruch naht­los an das been­de­te Arbeits­ver­hält­nis anschließt.

Dar­über hin­aus hat das LSG ent­schie­den, so Kuhn, dass die Kran­ken­kas­se den Ver­si­cher­ten dar­auf hin­wei­sen muss, dass er bei fort­be­stehen­der Arbeits­un­fä­hig­keit spä­tes­tens am letz­ten Tag des Zeit­raums, für den der Arzt Arbeits­un­fä­hig­keit beschei­nigt hat, die wei­ter bestehen­de Arbeits­un­fä­hig­keit durch den Arzt fest­stel­len las­sen muss. Ver­säumt die Kas­se die­sen Hin­weis, ist es unschäd­lich, wenn der Ver­si­cher­te erst einen Tag spä­ter den Arzt auf­sucht und des­halb kein lücken­lo­ser Kran­ken­geld­an­spruch besteht.

Wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Rechts­sa­che hat das LSG NRW die Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt zuge­las­sen. Die Revi­si­on ist auch ein­ge­legt wor­den (Akten­zei­chen des Bun­des­so­zi­al­ge­richts B 1 KR 19/11 R), das Urteil ist daher noch nicht rechts­kräf­tig.

Kuhn emp­fahl, die Ent­schei­dung und den Fort­gang zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

 

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