(Stutt­gart) Vie­le Arbeits­ver­trä­ge sehen Rege­lun­gen vor, die mit der Zah­lung der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung eine pau­scha­le Abgel­tung von Über­stun­den vor­se­hen. In der Ver­gan­gen­heit stell­te dies meist kein Pro­blem dar.

Seit der Schuld­rechts­re­form im Jah­re 2004, so der der Bre­mer Fach­an­walt für Arbeits­recht Klaus-Die­ter Fran­zen, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Bre­men“ des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, wer­den aller­dings auch Arbeits­ver­trä­ge als „All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen“ ange­se­hen, die der Kon­trol­le der Gerich­te unter­lie­gen. Seit­her muss­te sich das Bun­des­ar­beits­ar­beits­ge­richt (BAG) immer mal wie­der mit Fra­gen zur Abgel­tung von Über­stun­den befas­sen. 

In dem jüngst ent­schie­de­nen Fall (BAG vom 16. Mai.2012, Az.: 5 AZR 331/11) ging es um einen Arbeit­neh­mer, der kei­nen schrift­li­chen Arbeits­ver­trag geschlos­sen hat­te. Der Arbeit­ge­ber zahl­te eine Über­stun­den­ver­gü­tung erst ab der 21. Über­stun­de im Monat, dann aber mit einem Zuschlag von 25 %. Der Arbeit­neh­mer ver­lang­te mit sei­ner Kla­ge Ver­gü­tung für die ers­ten 20 Über­stun­den. Die Fir­ma ver­wei­ger­te die Ver­gü­tung von Über­stun­den mit der Begrün­dung, bei der Ein­stel­lung sei münd­lich ver­ab­re­det wor­den, dass in der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung die ers­ten 20 Über­stun­den im Monat „mit drin“ sei­en. 

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt wies die Kla­ge des Arbeit­neh­mers ab, so Fran­zen. 

Es hielt die münd­lich ver­ein­bar­te Rege­lung über die Abgel­tung („mit drin“) für wirk­sam. Abgel­tungs­klau­seln für Über­stun­den sind nach Auf­fas­sung der Erfur­ter Rich­ter in der Pra­xis nicht unge­wöhn­lich. Die Klau­sel sei auch klar und ver­ständ­lich. Denn aus der Rege­lung sei ersicht­lich, wel­che Arbeits­leis­tun­gen in wel­chem zeit­li­chen Umfang erfasst wer­den soll. Da der Umfang von bis zu 20 Über­stun­den ange­ge­ben sei, wis­se der Arbeit­neh­mer, wel­che Leis­tung er für die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung maxi­mal erbrin­gen müs­se. 

Grund­sätz­lich, so rät Fach­an­walt Fran­zen, soll­ten kei­ne Ver­ein­ba­run­gen geschlos­sen wer­den, die die pau­scha­le Abgel­tung aller ange­fal­le­nen oder erfor­der­li­chen Über­stun­den vor­se­hen. Eine sol­che Rege­lung ist in den meis­ten Fäl­len intrans­pa­rent und des­halb unwirk­sam (BAG vom 1. Sep­tem­ber 2010, Az.: 5 AZR 517/09). Eine Aus­nah­me gilt nur für den Fall, dass der Arbeit­neh­mer eine Ver­gü­tung erzielt, die ober­halb der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung liegt (BAG, vom 21. Sep­tem­ber 2011, Az.: 5 AZR 629/10). Dage­gen ist eine Klau­sel über die Abgel­tung einer bestimm­ten Zahl von Über­stun­den ist bis zur Gren­ze der Sit­ten­wid­rig­keit wirk­sam (BAG vom 22. Febru­ar 2012, Az.: 5 AZR 765/10). 

Fran­zen emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

 

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