Bun­des­ar­beits­ge­richt Beschluß vom 19.8.2008, 5 AZB 75/08

Tenor
1. Die Rechts­be­schwer­de der Klä­ge­rin gegen den Beschluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Baden-Würt­tem­berg vom 10. Juli 2008 — 11 Ta 26/08 — wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Klä­ge­rin hat die Kos­ten des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens zu tra­gen.

3. Der Wert des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens wird auf 2.186,89 Euro fest­ge­setzt.

Grün­de

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I. Die Par­tei­en strei­ten über Ansprü­che der Klä­ge­rin auf Rück­zah­lung von Arbeit­ge­ber­zu­schüs­sen zur pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung und vor­ab über die Zuläs­sig­keit des Rechts­wegs.
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Der Beklag­te war bei der Klä­ge­rin bis Okto­ber 2006 beschäf­tigt. Die Klä­ge­rin zahl­te in die­ser Zeit Zuschüs­se zur pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung des Beklag­ten. Mit Bescheid vom 21. Novem­ber 2007 stell­te die Ren­ten­ver­si­che­rungs­an­stalt fest, dass der Beklag­te nicht ver­si­che­rungs­frei war, weil sein Ein­kom­men die Jah­res­ent­gelt­gren­ze nicht über­schritt. Die Klä­ge­rin for­dert Rück­zah­lung geleis­te­ter Arbeit­ge­ber­zu­schüs­se.
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Das Arbeits­ge­richt hat den Rechts­weg zu den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen für unzu­läs­sig erklärt und den Rechts­streit an das Sozi­al­ge­richt Frei­burg ver­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die sofor­ti­ge Beschwer­de der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zuge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de hält die Klä­ge­rin am Rechts­weg zu den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen fest.
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II. Die Rechts­be­schwer­de ist unbe­grün­det. Zustän­dig ist das Sozi­al­ge­richt Frei­burg gemäß § 51 SGG.
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Der Rechts­weg zu den Gerich­ten für Arbeits­sa­chen ist nicht gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a ArbGG gege­ben. Die Par­tei­en strei­ten nicht über eine bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­keit.
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Ob es sich um eine bür­ger­li­che oder eine öffent­lich-recht­li­che Strei­tig­keit han­delt, bestimmt sich nach der Natur des Rechts­ver­hält­nis­ses, aus dem der Kla­ge­an­spruch her­ge­lei­tet wird (Gemein­sa­mer Senat der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des 10. April 1986 — GmS-OGB 1/85 — BGHZ 97, 312; BAG 10. Sep­tem­ber 1985 — 1 AZR 262/84 — BAGE 49, 303, 307) . Der Anspruch auf den Arbeit­ge­ber­zu­schuss hat sei­ne Grund­la­ge in § 257 SGB V und damit im Recht der Sozi­al­ver­si­che­rung. § 257 SGB V geht vom Beschäf­tig­ten­be­griff bei der Fest­stel­lung der Zuschuss­be­rech­ti­gung aus und ver­weist damit hin­sicht­lich der Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen auf § 7 SGB IV. Die Beschäf­ti­gung ist zwar regel­mä­ßig Aus­fluss eines Arbeits­ver­hält­nis­ses, unter­liegt jedoch eige­nen sozi­al­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen. Hier­an ändert auch nichts, dass sich Berech­tig­ter und Ver­pflich­te­ter des Anspruchs gleich­ran­gig gegen­über­ste­hen und ein Über- und Unter­ord­nungs­ver­hält­nis nicht vor­liegt. Dem­entspre­chend sind für Kla­gen auf Zah­lung des Arbeit­ge­ber­zu­schus­ses zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung die Gerich­te für Arbeits­sa­chen nicht zustän­dig (so schon zu § 405 RVO: Gemein­sa­mer Senat der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des 4. Juni 1974 — GmS-OGB 2/73 — AP RVO § 405 Nr. 3; zu § 257 SGB V: BAG 21. Janu­ar 2003 — 9 AZR 695/01 — BAGE 104, 289; Senat 1. Juni 1999 — 5 AZB 34/98 — AP SGB V § 257 Nr. 1 = EzA ArbGG 1979 § 2 Nr. 45; anders dage­gen wenn der Anspruch auf den Zuschuss auf arbeits­ver­trag­li­che Anspruchs­grund­la­gen gestützt wird: LSG Hes­sen 11. März 1993 — L 1 KR 671/90 -) .
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Ent­spre­chen­des gilt, wenn der Arbeit­ge­ber Zuschüs­se zur Kran­ken­ver­si­che­rung geleis­tet hat und die Par­tei­en im Nach­hin­ein dar­über strei­ten, ob hier­für die Vor­aus­set­zun­gen des § 257 SGB V vor­la­gen. Auch dann ist die Natur des Rechts­ver­hält­nis­ses öffent­lich-recht­li­cher Art. Fra­gen über die Rück­ge­wäh­rung von Leis­tun­gen, die sozi­al­recht­lich gere­gelt sind, sind ohne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer arbeits­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen grund­sätz­lich dem­sel­ben Rechts­ver­hält­nis zuzu­ord­nen, wie die Ansprü­che selbst (vgl. auch Senat 27. Janu­ar 1982 — 5 AZR 777/79 -) . Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ge­rin ist Streit­ge­gen­stand und Haupt­fra­ge auch nicht die Rück­for­de­rung über­zahl­ter Ver­gü­tung, son­dern die Rück­for­de­rung über­zahl­ter Zuschüs­se zur Kran­ken­ver­si­che­rung.
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Das von der Klä­ge­rin ange­zo­ge­ne Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 12. Novem­ber 2002 (- XI ZB 5/02 — NJW 2003, 433) steht dem nicht ent­ge­gen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat einen steu­er­recht­li­chen Erstat­tungs­an­spruch gemäß § 37 Abs. 2 AO, für des­sen Ver­fol­gung die Finanz­ge­rich­te zustän­dig sei­en, dem­je­ni­gen zuge­bil­ligt, auf des­sen Rech­nung die Zah­lung bewirkt wor­den und der Betei­lig­ter eines Steu­er­rechts­ver­hält­nis­ses sei. Nach § 257 SGB V ist allein der Arbeit­neh­mer anspruchs­be­rech­tigt und der Arbeit­ge­ber zah­lungs­ver­pflich­tet. Damit ist die Klä­ge­rin unmit­tel­bar Betei­lig­te des sozi­al­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses.
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Uner­heb­lich für die Beur­tei­lung des Rechts­wegs ist schließ­lich, ob der Bescheid des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gers vom 21. Novem­ber 2007 bestands­kräf­tig ist.
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III. Die Klä­ge­rin hat gemäß § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens zu tra­gen.
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IV. Die Wert­fest­set­zung beruht auf § 63 GKG.

Mül­ler-Glö­ge, Mikosch, Laux