(Stutt­gart) Die durch § 125 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 InsO im Insol­venz­ver­fah­ren eröff­ne­te Mög­lich­keit der Schaf­fung einer aus­ge­wo­ge­nen Per­so­nal­struk­tur durch Bil­dung von Alters­grup­pen ver­letzt das uni­ons­recht­li­che Ver­bot der Alters­dis­kri­mi­nie­rung nicht.

Sie ist durch das legi­ti­me Ziel der Sanie­rung eines insol­ven­ten Unter­neh­mens gerecht­fer­tigt. Die Arbeits­ge­rich­te haben aber zu prü­fen, ob die Alters­grup­pen­bil­dung im kon­kre­ten Inter­es­sen­aus­gleich gemäß § 10 AGG gerecht­fer­tigt ist. Der kün­di­gen­de Insol­venz­ver­wal­ter ist dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig für die sanie­rungs­be­ding­te Erfor­der­lich­keit der Alters­grup­pen­bil­dung.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) Köln vom 19.12.2013 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 6 AZR 790/12.

Der 1960 gebo­re­ne Klä­ger war bei der Schuld­ne­rin seit 1998 als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ter beschäf­tigt. Am 1. April 2011 wur­de über das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und der Beklag­te zu 1. zum Insol­venz­ver­wal­ter bestellt. Die­ser schloss am sel­ben Tag mit dem Betriebs­rat einen Inter­es­sen­aus­gleich mit Namens­lis­te, auf der sich auch der Name des Klä­gers befin­det. Die Sozi­al­aus­wahl wur­de nach Alters­grup­pen vor­ge­nom­men. In der von Kün­di­gun­gen aus­ge­nom­me­nen Alters­grup­pe 1 waren alle bis zu 44-jäh­ri­gen Arbeit­neh­mer zusam­men­ge­fasst. Das Durch­schnitts­al­ter aller Arbeit­neh­mer lag bei 51 Jah­ren. Mit Schrei­ben vom 1. April 2011 kün­dig­te der Beklag­te zu 1. das Arbeits­ver­hält­nis mit dem Klä­ger zum 31. Juli 2011. Am 5. April 2011 ging der Betrieb auf die Beklag­te zu 2. über. Mit sei­ner Kla­ge wen­det sich der Klä­ger gegen die Kün­di­gung und ver­langt sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung bei der Beklag­ten zu 2. Er meint, die Sozi­al­aus­wahl sei grob feh­ler­haft.

Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge abge­wie­sen. Auf die Revi­si­on des Klä­gers hat der Sechs­te Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben, so von Bre­dow, und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Die Dar­le­gun­gen der Beklag­ten las­sen nicht erken­nen, dass die Schaf­fung einer aus­ge­wo­ge­nen Per­so­nal­struk­tur durch die vor­ge­nom­me­ne Alters­grup­pen­bil­dung sanie­rungs­be­dingt erfor­der­lich war. Den Par­tei­en ist Gele­gen­heit zur Ergän­zung ihres Vor­trags zu geben, denn bei einer Sozi­al­aus­wahl ohne Alters­grup­pen­bil­dung wäre die Aus­wahl bezo­gen auf den Klä­ger grob feh­ler­haft.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht  Ihnen zur Ver­fü­gung:

Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeits­recht
VDAA-Vize­prä­si­dent
Domer­nicht v. Bre­dow Wöl­ke
Bis­marck­stra­ße 34
50672 Köln
Tele­fon: 0221/283040
Tele­fax: 0221/2830416
Email: v.bredow@dvbw-legal.de
www.dvbw-legal.de