(Stutt­gart) Lang­zeit­ar­beits­lo­sen kann das Arbeits­lo­sen­geld II wegen Ver­sto­ßes gegen die Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­rung nur nach kon­kre­ter Beleh­rung über die Rechts­fol­gen gekürzt wer­den.

Dies, so der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VdAA  — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, ent­schied das Sozi­al­ge­richt (SG) Dort­mund in einem am 03.02.2010 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss vom 05.01.2009, Az.: S 22 AS 369/09 ER.

Das Sozi­al­ge­richt Dort­mund ord­ne­te in einem Eil­ver­fah­ren die auf­schie­ben­de Wir­kung des Wider­spruchs gegen einen Sank­ti­ons­be­scheid an, mit dem die Leis­tun­gen für einen 52-jäh­ri­gen Hartz-IV-Emp­fän­ger aus Dort­mund um monat­lich 107,70 EUR gekürzt wer­den soll­ten. Das Job­Cen­ter ARGE Dort­mund kann die Sank­ti­on nun bis zu einer Klä­rung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren nicht voll­zie­hen.

Das Gericht hat­te ernst­li­che Zwei­fel im Hin­blick auf die Recht­mä­ßig­keit des Sank­ti­ons­be­schei­des, betont Klar­mann.

Die vor der Sank­tio­nie­rung erfolg­te Rechts­fol­gen­be­leh­rung sei nicht hin­rei­chend gewe­sen. Die­se müs­se kon­kret, ver­ständ­lich, rich­tig und voll­stän­dig sein. Weder die stan­dar­di­siert in der Ein­glie­de­rungs­ver­ein­ba­rung ent­hal­te­ne schrift­li­che noch die von der ARGE im Ver­fah­ren gel­tend gemach­te „umfas­sen­de” münd­li­che Beleh­rung erfül­le die­se Vor­aus­set­zun­gen. Die einem Merk­blatt ähn­li­che schrift­li­che Beleh­rung erstre­cke sich über eine Sei­te mit elf Zif­fern, die eine Zusam­men­stel­lung von ver­schie­de­nen Pflicht­ver­let­zun­gen und mög­li­chen Rechts­fol­gen ent­hal­te. Eine kon­kre­te Zuord­nung der Beleh­rung auf den Ein­zel­fall feh­le bei einer der­ar­ti­gen schrift­li­chen Beleh­rung. Nicht aus­rei­chend sei wei­ter der Ver­weis auf frü­he­re Beleh­run­gen oder eine mög­li­che Kennt­nis der Rechts­la­ge sei­tens des Antrag­stel­lers. Soweit sich die ARGE auf eine kon­kre­te münd­li­che Beleh­rung beru­fe, müs­se die­se — auch inhalt­lich — hin­rei­chend doku­men­tiert sein; der Ver­weis auf eine „umfas­sen­de” Erläu­te­rung las­se nicht den Rück­schluss auf eine kon­kre­te Beleh­rung zu.

Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil  zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.    

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