Auch im Bereich des Flug­ver­kehrs und der Flug­si­che­rung sind Arbeits­kämp­fe nicht grund­sätz­lich rechts­wid­rig.

LArbG Baden-Würt­tem­berg Urteil vom 31.3.2009, 2 SaGa 1/09; frü­her 2 Ta 5/09

Sym­pa­thie­streik; Unter­stüt­zungs­streik; Arbeits­kampf im Flug­si­che­rungs­be­reich

Leit­sät­ze

Auch im Bereich des Flug­ver­kehrs und der Flug­si­che­rung sind Arbeits­kämp­fe nicht grund­sätz­lich rechts­wid­rig.

Die­ser Grund­satz gilt auch für gewerk­schaft­li­che Streiks, die der Unter­stüt­zung eines Haupt­ar­beits­kamp­fes die­nen.

Die Zuläs­sig­keit eines Unter­stüt­zungs­streiks rich­tet sich — wie bei ande­ren Arbeits­kampf­maß­nah­men — nach dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit.

Tenor

Die sofor­ti­ge Beschwer­de der Antrag­stel­le­rin gegen den Beschluss des Arbeits­ge­richts Stutt­gart – Kam­mern Lud­wigs­burg — vom 02.03.2009 (12 Ga 4/09) wird auf deren Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Tat­be­stand

1

Gegen­stand des Ver­fah­rens ist ein Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung zur Unter­sa­gung von Arbeits­kampf­maß­nah­men.
2

Die Antrag­stel­le­rin ist im Bereich der Flug­si­che­rung durch § 1 der Ver­ord­nung zur Beauf­tra­gung eines Flug­si­che­rungs­un­ter­neh­mens vom 11. Novem­ber 1992 bun­des­weit als allei­ni­ge Flug­si­che­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on damit beauf­tragt, die siche­re, geord­ne­te und flüs­si­ge Abwick­lung des Luft­ver­kehrs zu gewähr­leis­ten. Sie übt für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die in § 27 c Abs. 2 LuftVG auf­ge­führ­ten Flug­si­che­rungs­auf­ga­ben aus und hat die Sicher­heit des Luft­ver­kehrs in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu gewähr­leis­ten. Nach § 27c Abs. 2 Nr. 1 lit. a LuftVG gehört hier­zu die Flug­ver­kehrs­kon­trol­le zur Über­wa­chung und Len­kung der Bewe­gun­gen im Luft­raum und auf den Roll­flä­chen von Flug­plät­zen ein­schließ­lich der Über­prü­fung, War­nung und Umlei­tung von Luft­fahr­zeu­gen im Luft­raum.
3

Bei der Antrags­geg­ne­rin han­delt es sich um einen am 15.09.2003 in das Ver­eins­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein mit Sitz in Frank­furt am Main. Ihr Orga­ni­sa­ti­ons­ge­biet erstreckt sich gemäß § 3 der Sat­zung vom 09.07.2003 in der Fas­sung vom 27.09.2008 auf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und den Bereich der Euro­päi­schen Uni­on. Laut § 4 der Sat­zung umfasst der Orga­ni­sa­ti­ons­be­reich der Antrags­geg­ne­rin alle Betrie­be und Unter­neh­men, in wel­chen die Über­wa­chung und Len­kung von Luft­fahr­zeu­gen in der Luft oder auf dem Boden zur siche­ren, geord­ne­ten und flüs­si­gen Abwick­lung des Ver­kehrs erfolgt oder mit die­ser Auf­ga­be in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang ste­hen­de pla­ne­ri­sche, infor­ma­to­ri­sche, tech­ni­sche und qua­li­fi­zie­ren­de Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen erbracht wer­den. Bei der Antrags­geg­ne­rin sind ins­be­son­de­re die Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen der Antrag­stel­le­rin und auch die Vor­feld­lot­sen der Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH orga­ni­siert.
4

Die Betrei­be­rin des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens, die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH (im Fol­gen­den: FSG) beschäf­tigt ins­ge­samt über 1.000 Arbeit­neh­mer und Arbeit­neh­me­rin­nen. Davon sind ca. 22 Mit­ar­bei­ter als soge­nann­te Vor­feld­lot­sen (Apron-Con­trol­ler) tätig, die den rol­len­den Ver­kehr von Luft­fahr­zeu­gen am Boden steu­ern und über­wa­chen. Der Zustän­dig­keits­be­reich die­ser Vor­feld­lot­sen, das Vor­feld, ist der Bereich zwi­schen dem Taxi­way, der zur Pis­te (Start- und Lan­de­bahn) führt und zum Kon­troll­be­reich des Platz­lot­sen im Tower der Antrag­stel­le­rin gehört, und den Park­po­si­tio­nen, von und zu denen die Pas­sa­gie­re über einen Flug­steig (Gate) oder mit­tels eines Fahr­zeug­trans­fers zu den Flug­zeu­gen gebracht wer­den. Die Über­ga­be-/Über­nah­me­punk­te zur Defi­ni­ti­on der Ver­ant­wort­lich­kei­ten sind zwi­schen der Antrag­stel­le­rin und der FSG durch Betriebs­ab­spra­chen im Ein­zel­nen gere­gelt. Dage­gen obliegt die Steue­rung und Über­wa­chung des flie­gen­den Ver­kehrs, ins­be­son­de­re der An- und Abflü­ge, den Beschäf­tig­ten der Antrag­stel­le­rin im Tower, vor allem den Flug­lot­sen.
5

1995 schlos­sen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und die Antrag­stel­le­rin die Neu­fas­sung einer am 23.12.1992 getrof­fe­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung ab, deren § 6 (Not­dienst­ver­ein­ba­rung) fol­gen­der­ma­ßen lau­tet:
6

Die DFS wird … mit den Tarif­part­nern ver­ein­ba­ren, dass im Fal­le arbeits­recht­li­cher Aus­ein­an­der­set­zun­gen die fol­gen­den Flü­ge nicht behin­dert wer­den:
7

- Not- und Kata­stro­phen­ein­sät­ze (ein­schließ­lich huma­ni­tä­rer Flü­ge),
- Regie­rungs­flü­ge,
- Flug­be­trieb der Streit­kräf­te.
8

In Umset­zung die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung schlos­sen die Par­tei­en am 26.07.2006 für den Fall des Arbeits­kamp­fes eine Not­dienst­ver­ein­ba­rung über die Ein­rich­tung von Not­diens­ten.
9

§ 2 Abs. 2 lau­tet:
10

Die GdF sichert der DFS zu, dass sie im Fal­le eines Arbeits­kamp­fes Not­dien­st­ar­bei­ten durch­füh­ren wird. Not­dien­st­ar­bei­ten sind Arbei­ten, die not­wen­dig sind
11


b) zur siche­ren Durch­füh­rung
von Not- und Kata­stro­phen­flü­gen ein­schließ­lich huma­ni­tä­rer Flü­ge,
von Regie­rungs­flü­gen,
des Flug­be­triebs der Streit­kräf­te und
25 % des plan­mä­ßi­gen Luft­ver­kehrs, der in dem vom Arbeits­kampf betroffenem/n Sektor/en/TWR übli­cher­wei­se pro Stun­de durch­ge­führt wird.
12

§ 3 lau­tet:
13

Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung der Not­dien­st­ar­bei­ten
14

(1) Um die vor­ge­nann­ten Not­dien­st­ar­bei­ten sicher­stel­len zu kön­nen, beträgt die Ankün­di­gungs­frist für Arbeits­kampf­maß­nah­men 24 Stun­den. Mit der Ankün­di­gung benennt die GdF zugleich eine zen­tra­le Arbeits­kampf­lei­tung sowie gege­be­nen­falls ört­li­che Arbeits­kampf­lei­tun­gen und stellt deren sofor­ti­ge und stän­di­ge Erreich­bar­keit sicher.

15

Am 15.08.2008 traf die Antrag­stel­le­rin mit der FSG eine Ver­ein­ba­rung über Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen bei „Not­dienst-Vor­feld­kon­trol­le“. Ziff. 1.1 des Anhangs zu die­ser Ver­ein­ba­rung sieht eine Über­tra­gung der Tätig­kei­ten der Vor­feld­kon­trol­le am Flug­ha­fen Stutt­gart an die Platz­kon­trol­le im Rah­men einer Not­fall­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Antrag­stel­le­rin und der FSG vor. Eine sol­che Not­fall­ver­ein­ba­rung für die Vor­feld­kon­trol­le wur­de zwi­schen der Antrag­stel­le­rin und der FSG am 01.10.2008 abge­schlos­sen. Gemäß Zif­fer 1.2 die­ser Not­fall­ver­ein­ba­rung wur­den die im Anhang zur Not­fall­ver­ein­ba­rung vom 15.08.2008 fest­ge­leg­ten Ver­fah­ren in Kraft gesetzt. Gemäß Zif­fer 1.3 die­ser Not­fall­ver­ein­ba­rung ist der Zeit­punkt, ab dem die Ver­fah­ren gemäß der Not­fall­ver­ein­ba­rung ange­wen­det wer­den, in Abspra­che zwi­schen der Cen­ter­lei­te­rin Ver­kehrs­len­kung oder deren Ver­tre­ter und der Lei­te­rin Tower Stutt­gart und deren Ver­tre­ter fest zu legen.
16

Ende 2008 wur­de die FSG von der Antrags­geg­ne­rin zu Ver­hand­lun­gen über die Arbeits­be­din­gun­gen der bei der FSG beschäf­tig­ten Vor­feld­lot­sen auf­ge­for­dert. U.a. will die Antrags­geg­ne­rin im Rah­men einer stu­fen­wei­sen Erhö­hung der Ver­gü­tung für die Vor­feld­lot­sen eine Stei­ge­rung von ca. 30 % in 4 Jah­ren errei­chen. In einer soge­nann­ten Pro­zess­ver­ein­ba­rung ver­ein­bar­ten die FSG und die Antrags­geg­ne­rin am 10.11.2008 eine abge­stuf­te Ver­hand­lung der ein­zel­nen For­de­rungs­ge­gen­stän­de. Dar­in heißt es unter Punkt II. 4. a, dass hin­sicht­lich aller Ver­gü­tungs­fra­gen Frie­dens­pflicht bis zum 28.02.2009 besteht.
17

Die Antrag­stel­le­rin bot der FSG an, zum 01.04.2009 die Tätig­kei­ten der Vor­feld­lot­sen im Wege eines Out­sour­cings mit eige­nem Per­so­nal, d.h. ohne Über­nah­me von Arbeit­neh­mern der FSG zu über­neh­men. Einen sol­chen Ver­trag schlos­sen die Antrag­stel­le­rin und die FSG wäh­rend der Tarif­aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der Antrags­geg­ne­rin und der FSG, jeden­falls vor der münd­li­chen Ver­hand­lung im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren. Nach die­sem Ver­trag wird die Vor­feld­kon­trol­le ab dem 01.04.2009 nicht mehr von der FSG, son­dern von der Antrag­stel­le­rin mit eige­nem Per­so­nal im Tower des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens erle­digt. Des­halb hat die FSG meh­re­ren der 22 Vor­feld­lot­sen eine Kün­di­gung aus­ge­spro­chen. Ein Teil die­ser Arbeit­neh­mer wird von der FSG in der Ver­kehrs­zen­tra­le wei­ter­be­schäf­tigt.
18

Am 26.02.2009 ver­öf­fent­lich­te die Antrags­geg­ne­rin eine Inter­net­mel­dung mit unter ande­rem fol­gen­den Inhalt:
19

Flug­ha­fen Stutt­gart — Kei­ne Eini­gung im Streit über Vor­feld­kon­trol­le — GdF droht mit Streik­maß­nah­men
20

Die Tarif­kom­mis­si­on der Gewerk­schaft der Flug­si­che­rung (GdF) hat die Tarif­ver­hand­lun­gen für den Bereich Vor­feld­kon­trol­le der Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH (FSG) für geschei­tert erklärt. In einer Son­der­sit­zung am 24. Febru­ar 2009 hat der GdF-Bun­des­vor­stand sei­ne Zustim­mung zu den jetzt nicht mehr zu umge­hen­den Arbeits­kampf­maß­nah­men gege­ben. Die­se kön­nen nach Ablauf der Frie­dens­pflicht ab dem 01. März 2009 ein­ge­lei­tet wer­den.
21

Soll­te die Deut­sche Flug­si­che­rung GmbH (DFS) ver­su­chen, im Rah­men sog. Not­fall­maß­nah­men die Auf­ga­ben der Vor­feld­kon­trol­le von ihrem Per­so­nal, also den am Flug­ha­fen täti­gen Flug­lot­sen, durch­zu­füh­ren zu las­sen, bewer­tet die GdF dies als Bruch der Neu­tra­li­tät. Dann käme es auch in die­sem Bereich — betrof­fen wäre dabei vor allem der End­an­flug sowie der ers­te Teil des Abflugs — zu ent­spre­chen­den Streik­aus­wei­tun­gen. (…)“
22

Mit E-Mail vom 02.03.2009, 05.04 Uhr, kün­dig­te die Antrags­geg­ne­rin der FSG Arbeits­kampf­maß­nah­men wie folgt an:
23

(…) wie in unse­rem Schrei­ben vom 27.02.2009 ange­kün­digt, tei­len wir Ihnen mit, dass die GdF ihre Mit­glie­der der Verkehrszentrale/Vorfeldkontrolle am Flug­ha­fen Stutt­gart vom 03. März 2009 ab 05:30 Uhr zu einem befris­te­ten Arbeits­kampf auf­ruft. Der Arbeits­kampf wird bis zum 06. März 2009, 20:30 Uhr andau­ern.
24

Die ange­kün­dig­ten Not­diens­te wer­den zum oben genann­ten Zeit­punkt zur Ver­fü­gung ste­hen.
25

Ab sofort sind die Ihnen schon bekann­ten Per­so­nen der zen­tra­len Streik­lei­tung sowie die nach­ste­hend benann­ten Kol­le­gen der ört­li­chen Streik­lei­tung für Rück­fra­gen erreich­bar. (…)“
26

Am 05.03.2009 ver­öf­fent­lich­te die Antrags­geg­ne­rin auf ihrer Inter­net-Start­sei­te fol­gen­de
27

Über­schrift:
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Flug­ha­fen Stutt­gart am Ende sei­ner Mög­lich­kei­ten zur Streik­ab­wehr — Deut­sche Flug­si­che­rung greift unter­stüt­zend ein und bricht damit eige­ne Neu­tra­li­täts­zu­sa­ge — Streit wird nun auf DFS aus­ge­wei­tet“
29

In die­ser Inter­net­sei­te wirft die Antrags­geg­ne­rin der Antrag­stel­le­rin vor, Auf­ga­ben der Vor­feld­kon­trol­le für meh­re­re Stun­den von den Flug­lot­sen im Tower des Flug­ha­fens über­nom­men zu haben. Die Antrags­geg­ne­rin habe bereits im Vor­feld die­ses Kon­flikts ange­kün­digt, in die­sem Fal­le auch die DFS-Arbeits­plät­ze, die den Ver­kehr am Stutt­gar­ter Flug­ha­fen sowie die An- und Abflü­ge dort­hin kon­trol­lie­ren, im Rah­men eines Soli­da­ri­täts­streiks lahm­zu­le­gen. Dies sei ab sofort mög­lich, den Beginn und die Dau­er der Maß­nah­men wür­den geson­dert bekannt gege­ben.
30

Am 06.03.2009 beschloss die Antrags­geg­ne­rin, den Streik der Vor­feld­lot­sen am Stutt­gar­ter Flug­ha­fen unbe­fris­tet zu ver­län­gern. Am sel­ben Tag fand ein Gespräch zwi­schen den Par­tei­en statt, in dem die Antrag­stel­le­rin äußer­te, gegen­über ihren Tower­lot­sen ange­ord­net zu haben, kei­ner­lei Vor­feld­diens­te zu über­neh­men, um die Neu­tra­li­tät zu wah­ren. Dar­auf­hin fand bei der Antrags­geg­ne­rin eine Son­der­sit­zung am 09.03.2009 über das wei­te­re Vor­ge­hen statt. In der münd­li­chen Ver­hand­lung am 19.03.2009 teil­te die Antrags­geg­ne­rin mit, dass sie der­zeit nicht von einer Ver­let­zung der Neu­tra­li­täts­pflicht der Antrag­stel­le­rin aus­geht und des­halb bis zum 31.03.2009 kei­ne Arbeits­kampf­maß­nah­men bei der Antrag­stel­le­rin geplant sei­en, wenn die­se — wei­ter­hin — neu­tral blei­be. Die Über­nah­me der Vor­feld­kon­trol­le durch die Antrag­stel­le­rin ab dem 01.04.2009 wer­te die Antrags­geg­ne­rin aller­dings als Ver­let­zung der Neu­tra­li­täts­pflicht. In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat die Antrags­geg­ne­rin wei­ter geäu­ßert, dass ein Unter­stüt­zungs­streik bei der Antrag­stel­le­rin ab dem 01.04.2009 sehr wahr­schein­lich sei. Es gebe aller­dings kei­nen Auto­ma­tis­mus. Über kon­kre­te Streik­maß­nah­men wer­de erst ent­schie­den.
31

Mit ihrer beim Arbeits­ge­richt am 02.03.2009 ein­ge­reich­ten Antrags­schrift begehr­te die Antrag­stel­le­rin den Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung — wegen beson­de­rer Dring­lich­keit ohne münd­li­che Ver­hand­lung — auf Unter­sa­gung von Arbeits­kampf­maß­nah­men. Mit Beschluss vom 02.03.2009 wies das Arbeits­ge­richt den Antrag ohne münd­li­che Ver­hand­lung zurück.
32

Gegen die­sen der Antrag­stel­le­rin am 03.03.2009 zuge­stell­ten Beschluss rich­tet sich die am 05.03.2009 ein­ge­leg­te und begrün­de­te sofor­ti­ge Beschwer­de der Antrag­stel­le­rin.
33

Die Antrag­stel­le­rin ver­tritt die Ansicht, dass ein Streik der Flug­lot­sen auf­grund der hoheit­li­chen, son­der­po­li­zei­li­chen Tätig­keit der Antrag­stel­le­rin grund­sätz­lich rechts­wid­rig ist. Ein Arbeits­kampf­ver­bot der Flug­lot­sen fol­ge aus Art. 33 Abs. 5 GG, dem ein funk­tio­na­ler Beam­ten­be­griff zugrun­de zu legen sei. Des­halb unter­lä­gen alle Arbeits­kampf­maß­nah­men, die sich auf die son­der­po­li­zei­li­che Wahr­neh­mung von Flug­si­che­rungs­auf­ga­ben bezie­hen, unmit­tel­bar dem Streik­ver­bot des Art. 33 Abs. 5 GG. Eine Unter­sa­gung des Arbeits­kamp­fes wür­de in kei­ner Wei­se das Streik­recht der Arbeit­neh­mer der Antrag­stel­le­rin ins­ge­samt in Fra­ge stel­len. Dort sei­en vie­le Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt, die kei­ne son­der­po­li­zei­li­che Tätig­keit aus­üben. Selbst wenn man ein Arbeits­kampf­ver­bot aus Art. 33 Abs. 5 GG nicht her­lei­ten wol­le, wäre ein Streik der Flug­lot­sen der Antrag­stel­le­rin auf­grund des Ver­sto­ßes gegen die höher­ran­gi­gen kol­li­die­ren­den Ver­fas­sungs­rech­te, näm­lich Leben und Gesund­heit ande­rer, unver­hält­nis­mä­ßig und damit rechts­wid­rig. Selbst­ver­ständ­lich füh­re ein Streik von Flug­lot­sen nicht zu einer kon­kre­ten Gefähr­dung von Leib und Leben der Pas­sa­gie­re und Bediens­te­ten sowie der Anwoh­ner von Luft­ver­kehrs­stra­ßen. Ein streik­be­ding­ter weit­ge­hen­der Aus­fall des Towers Stutt­gart habe aber zur Fol­ge, dass der für Stutt­gart bestimm­te Luft­ver­kehr umge­lei­tet wer­den müs­se. Eine sol­che Umlei­tung mache zusätz­li­che Flug­ma­nö­ver not­wen­dig. Sol­che zusätz­li­chen Flug­ma­nö­ver erhöh­ten das Risi­ko von Unfäl­len. Des­halb stei­ge die abs­trak­te Gefähr­dung von Leib und Leben der Pas­sa­gie­re, der Bediens­te­ten und der Anwoh­ner von Luft­ver­kehrs­stra­ßen durch die ange­kün­dig­ten Unter­stüt­zungs­streik­maß­nah­men. Ein Unter­stüt­zungs­streik habe auch extre­me finan­zi­el­le Fol­gen. Der täg­li­che Scha­den bei der Antrag­stel­le­rin, der FSG und den Flug­ge­sell­schaf­ten belau­fe sich auf mehr als 2 Mil­lio­nen Euro. Dem­ge­gen­über ver­fol­ge die Antrags­geg­ne­rin im Haupt­ar­beits­kampf ledig­lich ein Streik­ziel, das zur Ver­bes­se­rung der Ver­gü­tung von 22 Mit­ar­bei­tern in 4 Jah­ren im Umfang von ca. 600.000,00 Euro füh­ren soll. Auch aus die­sem Grund sei der Unter­stüt­zungs­ar­beits­kampf unver­hält­nis­mä­ßig. Ver­hält­nis­mä­ßig sei ein Sym­pa­thie­ar­beits­kampf nur dann, wenn sich die­ser dar­auf beschrän­ke, dem Geg­ner im Haupt­ar­beits­kampf die zuge­sag­te oder für mög­lich gehal­te­ne Unter­stüt­zung zu neh­men. Schließ­lich ist die Antrag­stel­le­rin der Auf­fas­sung, dass vor­lie­gend auch ein Ver­fü­gungs­grund gege­ben sei. Wegen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Antrag­stel­le­rin wird auf deren Schrift­sät­ze vom 05.03.2009 und 18.03.2009 ver­wie­sen.
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Die Antrag­stel­le­rin hat zuletzt bean­tragt:
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I. Der Beschluss des Arbeits­ge­richts Stutt­gart vom 02.03.2009, Az. 12 Ga 4/09, wird auf­ge­ho­ben.
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II. Der Antrags­geg­ne­rin wird es zur Ver­mei­dung eines Ord­nungs­gel­des in Höhe von bis zu EUR 250.000,00 in jedem Ein­zel­fall, ersatz­wei­se für den Fall, dass die­ses nicht bei­ge­trie­ben wer­den kann, eine Ord­nungs­haft von bis zu 6 Mona­ten, vor­zu­neh­men am Bun­des­vor­sit­zen­den, unter­sagt,

1. eine etwai­ge Urab­stim­mung zur Vor­be­rei­tung eines Arbeits­kamp­fes bei der Antrag­stel­le­rin durch­zu­füh­ren, soweit die­ser Arbeits­kampf zum Ziel hat, Ver­gü­tungs­for­de­run­gen durch­zu­set­zen, die die Antrags­geg­ne­rin für die Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer der Vor­feld­kon­trol­le gegen die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH erhebt;
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2. ihre am oder für den Stand­ort Stutt­gart täti­gen Mit­glie­der zur Betei­li­gung an Arbeits­kampf­maß­nah­men bei der Antrag­stel­le­rin auf­zu­ru­fen mit dem Ziel Ver­gü­tungs­for­de­run­gen, die die Antrags­geg­ne­rin für die Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer der Vor­feld­kon­trol­le gegen die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH erhebt, durch­zu­set­zen, soweit die­se Arbeits­kampf­maß­nah­men über die blo­ße Ver­wei­ge­rung der Über­nah­me der Vor­feld­kon­trol­le hin­aus­ge­hen;
39

3. ihre am oder für den Stand­ort Stutt­gart täti­gen Mit­glie­der, die als Flug­lot­sen, Seni­or-Flug­lot­sen oder Super­vi­sor im Flug­ver­kehrs­kon­troll­dienst oder als Flug­da­ten­be­ar­bei­ter oder Seni­or-Flug­da­ten­be­ar­bei­ter in der Flug­da­ten­be­ar­bei­tung bzw. als Platz­ko­or­di­na­tor oder als FS-Tech­ni­ker, Seni­or-FS-Tech­ni­ker, Sys­tem­tech­ni­ker, FS-Inge­nieur oder Seni­or-FS-Inge­nieur in der Flug­si­che­rungs­tech­nik, bei der Antrag­stel­le­rin ein­ge­setzt sind, zur Betei­li­gung an Arbeits­kampf­maß­nah­men bei der Antrag­stel­le­rin auf­zu­ru­fen mit dem Ziel, Ver­gü­tungs­for­de­run­gen, die die Antrags­geg­ne­rin für die Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer der Vor­feld­kon­trol­le gegen die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH erhebt, durch­zu­set­zen, soweit die­se Arbeits­kampf­maß­nah­men über die blo­ße Ver­wei­ge­rung der Über­nah­me der Vor­feld­kon­trol­le hin­aus­ge­hen;
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4. Arbeits­kampf­maß­nah­men bei der Antrag­stel­le­rin durch­zu­füh­ren, die zu einer Ein­schrän­kung der Tätig­kei­ten der­je­ni­gen Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer füh­ren, die bei der Antrag­stel­le­rin als Flug­lot­sen, Seni­or-Flug­lot­sen oder Super­vi­sor im Flug­ver­kehrs­kon­troll­dienst oder als Flug­da­ten­be­ar­bei­ter oder Seni­or-Flug­da­ten­be­ar­bei­ter in der Flug­da­ten­be­ar­bei­tung bzw. als Platz­ko­or­di­na­tor oder als FS-Tech­ni­ker, Seni­or-FS-Tech­ni­ker, Sys­tem­tech­ni­ker, FS-Inge­nieur oder Seni­or-FS-Inge­nieur in der Flug­si­che­rungs­tech­nik, am oder für den Stand­ort Stutt­gart ein­ge­setzt sind, soweit mit den Arbeits­kampf­maß­nah­men das Ziel ver­folgt wird, Ver­gü­tungs­for­de­run­gen, die die Antrags­geg­ne­rin für die Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer der Vor­feld­kon­trol­le gegen die Flug­ha­fen Stutt­gart GmbH erhebt, durch­zu­set­zen, soweit die­se Arbeits­kampf­maß­nah­men über die blo­ße Ver­wei­ge­rung der Über­nah­me der Vor­feld­kon­trol­le hin­aus­ge­hen.
41

Die Antrags­geg­ne­rin bean­tragt,

die Beschwer­de zurück­zu­wei­sen.
43

Sie ver­tei­digt den ange­foch­te­nen Beschluss und bringt ins­be­son­de­re vor, dass Arbeits­kampf­maß­nah­men im Rah­men von einst­wei­li­gen Ver­fü­gun­gen allen­falls dann unter­sagt wer­den dür­fen, wenn sie offen­sicht­lich unge­eig­net oder unver­hält­nis­mä­ßig sind. Unter Berück­sich­ti­gung die­ses Bewer­tungs­maß­sta­bes sei­en vor­lie­gend weder ein Ver­fü­gungs­an­spruch noch ein Ver­fü­gungs­grund gege­ben. Den Flug­lot­sen der Antrag­stel­le­rin kön­ne nicht aus grund­sätz­li­chen Erwä­gun­gen ein Streik­recht abge­spro­chen wer­den. Die Auf­fas­sung der Antrag­stel­le­rin ste­he nicht in Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes. Durch einen Arbeits­kampf wer­de Leib und Leben ande­rer auch nicht abs­trakt gefähr­det. Der Antrag­stel­le­rin wer­de mit einer Ankün­di­gungs­frist von 24 Stun­den bekannt gege­ben, wel­che Sek­to­ren geschlos­sen wer­den. Des­halb habe die Antrag­stel­le­rin genü­gend Zeit, dar­auf auf eine Wei­se zu reagie­ren, die zusätz­li­che Gefah­ren für den Luft­ver­kehr aus­schlie­ßen. Letzt­end­lich fän­den kei­ne gefähr­li­chen Flü­ge statt, son­dern es fie­len Flü­ge vom und zum Flug­ha­fen Stutt­gart aus. Der von der Antrag­stel­le­rin behaup­te­te dro­hen­de wirt­schaft­li­che Scha­den bei ihr, der FSG und bei wei­te­ren Drit­ten, der der Höhe nach bestrit­ten wer­de, füh­re nicht zu einer Exis­tenz­ge­fähr­dung oder Exis­tenz­ver­nich­tung die­ser und sei des­halb nicht unver­hält­nis­mä­ßig. Im Übri­gen dür­fe kei­ne Tarif­zen­sur in dem Sin­ne statt­fin­den, dass etwai­ge wirt­schaft­li­che Nach­tei­le Drit­ter zu den Streik­for­de­run­gen und den Streik­fol­gen in ein Ver­hält­nis gesetzt wer­den. Wegen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Antrags­geg­ne­rin wird auf deren Schrift­satz vom 16.03.2009 ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­grün­de

A.
44

Über die sofor­ti­ge Beschwer­de der Antrag­stel­le­rin hat­te die Kam­mer durch Urteil zu ent­schei­den.
45

Nach­dem der Vor­sit­zen­de der erken­nen­den Kam­mer aus Grün­den der Sach­ver­halts­auf­klä­rung einen Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung anbe­raumt hat­te, wur­de die sofor­ti­ge Beschwer­de in das Urteils­ver­fah­ren über­ge­lei­tet (Musielak, ZPO, 5. Auf­la­ge, § 922 Rdnr. 10 b). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ent­schei­det in die­sem Fall nach münd­li­cher Ver­hand­lung vor der Kam­mer durch Urteil (Zöl­ler-Voll­kom­mer, ZPO, 27. Auf­la­ge, § 922 Rdnr. 14; Ger­mel­mann-Ger­mel­mann, ArbGG, 6. Auf­la­ge, § 62 Rdnr. 87).
46

Aus die­sen Grün­den war auch nicht das Abhil­fe­ver­fah­ren gemäß § 572 Abs. 1 ZPO durch­zu­füh­ren, das im Übri­gen auch wegen der Eil­be­dürf­tig­keit nicht gebo­ten gewe­sen wäre (vgl. Zöl­ler-Heß­ler, a.a.O., § 572 Rdnr. 4).
B.
I.
47

Die gemäß §§ 62 Abs. 1 Satz 1 ArbGG, 936, 922 Abs. 1 Satz 1, 567 Abs. 1 Nr. 2 ZPO statt­haf­te sofor­ti­ge Beschwer­de der Antrag­stel­le­rin ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den (§ 569 ZPO). Im Übri­gen sind Beden­ken an der Zuläs­sig­keit der sofor­ti­gen Beschwer­de nicht ver­an­lasst.
II.
48

Die sofor­ti­ge Beschwer­de der Antrag­stel­le­rin hat in der Sache kei­nen Erfolg. Das Arbeits­ge­richt hat den zuläs­si­gen Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung zu Recht zurück­ge­wie­sen. Die Antrag­stel­le­rin hat der­zeit kei­nen Anspruch auf Unter­sa­gung von Arbeits­kampf­maß­nah­men.
49

1. Der Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung im Arbeits­kampf ist nach all­ge­mei­ner Ansicht grund­sätz­lich zuläs­sig (in der Lite­ra­tur z. B. Kis­sel, Arbeits­kampf­recht, § 65 Rdnr. 9 m.w.N.; in der Recht­spre­chung z. B. zuletzt Säch­si­sches LAG 02.11.2007 — 7 SaGa 19/07 — NZA 2008, 59, Rdnr. 91). Bei einer Unter­las­sungs­ver­fü­gung, wie im vor­lie­gen­den Fall, ist der Ver­fü­gungs­an­spruch ein Unter­las­sungs­an­spruch, der sich ent­we­der aus der tarif­ver­trag­li­chen Frie­dens­pflicht, dem Recht auf Durch­füh­rung eines Arbeits­kamp­fes aus Art. 9 Abs. 3 GG unter Berück­sich­ti­gung der durch die Recht­spre­chung gezo­ge­nen Gren­zen sowie die Rege­lun­gen der §§ 823 Abs. 1 BGB und 1004 BGB (Ein­griff in den ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb) erge­ben kann. Vor­aus­set­zung für den Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung ist, dass die Rechts­wid­rig­keit des Arbeits­kamp­fes oder der ein­zel­nen Arbeits­kampf­maß­nah­men dar­ge­legt und glaub­haft gemacht wird. Dabei ist in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur sehr umstrit­ten, ob die Rechts­wid­rig­keit der (bevor­ste­hen­den) Arbeits­kampf­maß­nah­men ein­deu­tig oder offen­kun­dig sein muss (für eine offen­kun­di­ge Rechts­wid­rig­keit der Arbeits­kampf­maß­nah­men: Säch­si­sches LAG 02.11.2007 — 7 SaGa 19/07 — a.a.O., Rdnr. 93; LAG Köln 19.03.2007 — 12 Ta 41/07 — LAGE Art. 9 GG Arbeits­kampf Nr. 77; Zeu­ner RdA 1971, 7; für die „ein­fa­che“ Rechts­wid­rig­keit der Arbeits­kampf­maß­nah­men: Hes­si­sches LAG 22.07.2004 — 9 SaGa 593/04 — AP Nr. 168 zu Art. 9 GG Arbeits­kampf; Kis­sel, a.a.O., § 65 Rdnr. 28; Otto, Arbeits­kampf und Schlich­tungs­recht, § 19 Rdnr. 31; Ger­mel­mann-Ger­mel­mann, ArbGG, 6. Auf­la­ge, § 62 Rdnr. 113 jeweils m.w.N.). Neben dem Ver­fü­gungs­an­spruch setzt der Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung als Ver­fü­gungs­grund vor­aus, dass die Gefahr des end­gül­ti­gen Rechts­ver­lus­tes besteht. Hier ist eine Inter­es­sen­ab­wä­gung der betei­lig­ten Par­tei­en vor­zu­neh­men, in die sämt­li­che in Betracht kom­men­den mate­ri­ell-recht­li­chen und voll­stre­ckungs­recht­li­chen Erwä­gun­gen sowie die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen für bei­de Par­tei­en ein­zu­be­zie­hen sind (LAG Köln 14.06.1996 — 4 Sa 177/96 — LAGE, Art. 9 GG Arbeits­kampf Nr. 63; Ger­mel­mann, a.a.O., Rdnr. 114 m.w.N.). Hier­bei kann neben der Ein­deu­tig­keit der Sach- und Rechts­la­ge auch von Bedeu­tung sein, dass ein Scha­den­er­satz­an­spruch gemäß § 945 ZPO bei einem Erfolg des Ver­fü­gungs­geg­ners im Haupt­pro­zess nicht in der Lage ist, die ent­stan­de­nen Nach­tei­le aus­zu­glei­chen. Auch muss bei der Ent­schei­dungs­fin­dung berück­sich­tigt wer­den, wel­chen Umfang die gestell­ten Anträ­ge haben. Anträ­ge, die den Arbeits­kampf ins­ge­samt ver­hin­dern sol­len, grei­fen in die grund­ge­setz­lich geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen des Ver­fü­gungs­geg­ners so stark ein, dass der Kern­be­reich des Grund­rechts aus Art. 9 Abs. 3 GG gefähr­det sein kann. Weni­ger stark wird ein­ge­grif­fen, wenn ledig­lich die Rechts­wid­rig­keit ein­zel­ner Kampf­hand­lun­gen im Rah­men der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung gel­tend gemacht wird. Wegen des zeit­lich begrenz­ten Rah­mens von Arbeits­kampf­maß­nah­men führt in der Regel ihre Unter­sa­gung auch zu einer end­gül­ti­gen Ent­schei­dung. Dies gebie­tet, dass Ein­schrän­kun­gen der Kampf­mög­lich­kei­ten der Par­tei­en im Arbeits­kampf durch einst­wei­li­ge Ver­fü­gung nur in ganz sel­te­nen Fäl­len vor­ge­nom­men wer­den. Da es gera­de Wesen des Arbeits­kamp­fes ist, durch Aus­übung wirt­schaft­li­chen Drucks auf den jewei­li­gen Geg­ner ein­zu­wir­ken, kann noch nicht jede Schä­di­gung, die durch Kampf­maß­nah­men ein­tritt, den Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung recht­fer­ti­gen. Viel­mehr müs­sen schon erheb­li­che und unver­hält­nis­mä­ßi­ge wirt­schaft­li­che oder sons­ti­ge Schä­den durch die rechts­wid­ri­ge Kampf­maß­nah­me ein­tre­ten, die das Ein­grei­fen durch das Gericht not­wen­dig erschei­nen las­sen (Ger­mel­mann, a.a.O., Rdnr. 114).
50

2. Bei Anwen­dung die­ser Rechts­grund­sät­ze zum Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung bei Arbeits­kampf­maß­nah­men ist die erken­nen­de Kam­mer wie das Arbeits­ge­richt der Auf­fas­sung, dass beim vor­lie­gen­den Lebens­sach­ver­halt bereits ein Ver­fü­gungs­an­spruch nicht ersicht­lich ist.
51

2.1 Wie der ange­foch­te­ne Beschluss rich­ti­ger­wei­se fest­stellt, ergibt sich ein Unter­las­sungs­an­spruch nicht aus einer Ver­let­zung der Frie­dens­pflicht. Die im Haupt­ar­beits­kampf zwi­schen der Antrags­geg­ne­rin und der FSG bestehen­de Frie­dens­pflicht ist bezüg­lich der Ver­gü­tungs­fra­gen mit Ablauf des 28.02.2009 abge­lau­fen.
52

Auch die gegen­über der Antrag­stel­le­rin bestehen­de Frie­dens­pflicht wird nicht ver­letzt. Durch den ledig­lich zur Unter­stüt­zung eines Haupt­ar­beits­kamp­fes geführ­ten Streik wer­den in der Regel nicht die für die Strei­ken­den gel­ten­den Tarif­ver­trä­ge in Fra­ge gestellt, son­dern ande­re Strei­ken­de bei ihrer For­de­rung nach dem Abschluss eines Tarif­ver­tra­ges über tarif­lich nicht gere­gel­te Gegen­stän­de unter­stützt (BAG 19.06.2007 — 1 AZR 396/06 — AP Nr. 173 zu Art. 9 GG Arbeits­kampf, Rdnr. 30).
53

2.2 Ein Unter­las­sungs­an­spruch ergibt sich auch weder aus § 1004 BGB i.V.m. § 823 Abs. 1 BGB unter dem Gesichts­punkt eines rechts­wid­ri­gen Ein­griffs in den ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb der Antrag­stel­le­rin noch aus § 1004 BGB i.V.m. § 27 c Abs. 2 Nr. 1 lit. a LuftVG im Hin­blick auf die Sicher­heit des Luft­ver­kehrs und auf den Roll­flä­chen des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens.
54

2.2.1 Ent­ge­gen der Rechts­an­sicht der Antrag­stel­le­rin sind Arbeits­kämp­fe und Arbeits­kampf­maß­nah­men im Bereich des Luft­ver­kehrs nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Die­se Fest­stel­lung gilt auch für die hoheit­li­che, son­der­po­li­zei­li­che Auf­ga­be der Flug­si­che­rung in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, mit der aus­schließ­lich die Antrag­stel­le­rin beauf­tragt wor­den ist.
55

Nach all­ge­mei­ner Ansicht sind Arbeits­kämp­fe in kei­nem Bereich, also auch nicht im Bereich des Luft­ver­kehrs, grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen. Ange­sichts der aus Art. 9 Abs. 3 GG her­ge­lei­te­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Garan­tie des Arbeits­kampf­mit­tels Streik (BVerfG 02.03.1993 — 1 BvR 1213/85 — BVerfGE 88, 103, Grün­de C II. 1., Rdnr. 43) kann ein völ­li­ger Aus­schluss des Streiks in bestimm­ten Wirt­schafts­be­rei­chen nicht als zuläs­sig ange­se­hen wer­den. Die durch einen Arbeits­kampf beein­träch­tig­ten Rech­te Drit­ter sind viel­mehr durch Not­dienst und Erhal­tungs­ar­bei­ten zu wah­ren, und kön­nen es nach aller Erfah­rung auch. Mit ihnen kann ein ange­mes­se­ner Aus­gleich gefun­den wer­den. Eine Situa­ti­on, in der der gesam­te Arbeits­kampf der­art in ande­re Rech­te ein­greift, dass auch mit dem umfas­sends­ten Not­dienst kei­ne Abhil­fe geschaf­fen wer­den kann und die beein­träch­tig­ten Güter ein­deu­tig das Recht aus Art. 9 Abs. 3 GG über­wie­gen, ist nicht vor­stell­bar (Kis­sel, Arbeits­kampf­recht, § 28 Rdnr. 26, so auch Däub­ler-Bie­back, Arbeits­kampf­recht, 2. Auf­la­ge, S. 367). Das von Gamill­scheg (Kol­lek­ti­ves Arbeits­recht I, Sei­te 1178) gewähl­te Extrem­bei­spiel des Kern­kraft­werks wür­de das Unvor­stell­ba­re vor­aus­set­zen, dass gezielt ein Arbeits­kampf aus­schließ­lich gegen die not­wen­di­ge Über­wa­chung der Anla­ge geführt wird. Eine sol­che — theo­re­tisch denk­ba­re — Gren­ze hat mit der geschicht­li­chen Ent­wick­lung des Arbeits­kamp­fes in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, der deut­schen Gewerk­schafts­struk­tur und vor allem mit dem vor­lie­gen­den Sach­ver­halt nichts zu tun.
56

Des­halb kön­nen auch im Bereich des Flug­ver­kehrs und ins­be­son­de­re auch im Bereich der Flug­si­che­rung grund­sätz­lich Arbeits­kämp­fe geführt wer­den. Davon geht — soweit ersicht­lich — auch die ganz über­wie­gen­de Ansicht aus (Hes­si­sches LAG 22.07.2004 — 9 SaGa 593/04 — a.a.O.; LAG Rhein­land-Pfalz 14.06.2007 — 11 Sa 208/07 — LAG Art. 9 GG Arbeits­kampf Nr. 78; Löwisch, Beson­de­re Gren­ze der Streik­frei­heit in der Luft­fahrt?, ZFA 1988, 137, 150; Rüt­hers, Son­der­pro­ble­me der Rechts­mä­ßig­keit von Arbeits­kämp­fen im Luft­ver­kehr, ZFA 1987, 1, 42; Rieb­le, Gut­ach­ten für die Antrag­stel­le­rin [Bl. 316 ff. der zweit­in­stanz­li­chen Akte, Sei­te 8]; a.A.: Hein­ze, Streik­recht der deut­schen Flug­lot­sen als Ange­stell­te der pri­va­ti­sier­ten Flug­si­che­rung, Fest­schrift 50 Jah­re Bun­des­ar­beits­ge­richt, Sei­te 493, 504).
57

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG 02.03.1993 — 1 BvR 1213/85 — a.a.O.) hat fest­ge­stellt, dass die Koali­ti­ons­frei­heit auch den Arbeit­neh­mern im öffent­li­chen Dienst gewähr­leis­tet ist, und zwar unab­hän­gig davon, ob sie hoheit­li­che oder ande­re Auf­ga­ben erfül­len. Art. 33 Abs. 4 GG steht dem nicht ent­ge­gen. Er sichert die Kon­ti­nui­tät hoheit­li­cher Funk­ti­on des Staa­tes, indem er als Regel vor­sieht, dass ihre Aus­übung Beam­ten über­tra­gen wird, ver­bie­tet jedoch nicht gene­rell, dafür auch Arbeit­neh­mer ein­zu­set­zen. Da die­sen die beson­de­ren Rech­te der Beam­ten nicht zuste­hen, blei­ben sie dar­auf ange­wie­sen, ihre Arbeits­be­din­gun­gen auf der Ebe­ne von Tarif­ver­trä­gen aus­zu­han­deln. Wegen ihrer Unter­le­gen­heit sind sie dabei auch auf das Druck­mit­tel des Arbeits­kamp­fes ange­wie­sen. Soweit der Staat von der Mög­lich­keit Gebrauch macht, Arbeits­kräf­te auf pri­vat­recht­li­cher Basis als Arbeit­neh­mer zu beschäf­ti­gen, unter­liegt er dem Arbeits­recht, des­sen not­wen­di­ger Bestand­teil eine kol­lek­ti­ve Inter­es­sen­wahr­neh­mung ist (BVerfG, a.a.O., Rdnr. 44).
58

Auch die Auf­fas­sung der Antrag­stel­le­rin, dass die bei ihr beschäf­tig­ten Flug­lot­sen nicht nur hoheit­li­che, son­dern auch son­der­po­li­zei­li­che Auf­ga­ben wahr­neh­men, führt nicht zu der Rechts­fol­ge, dass ein Streik in der Flug­si­che­rung gene­rell rechts­wid­rig ist. Davon geht auch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht aus. Sie hat näm­lich, ver­tre­ten durch den Bun­des­mi­nis­ter für Ver­kehr, 1992 mit der Antrag­stel­le­rin eine Ver­ein­ba­rung mit dem Ziel geschlos­sen, dass im Fal­le arbeits­recht­li­cher Aus­ein­an­der­set­zun­gen wich­ti­ge Flü­ge nicht behin­dert wer­den. Eine sol­che Ver­ein­ba­rung hät­te die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht abge­schlos­sen, wenn von vorn­her­ein ein Streik­ver­bot der Flug­lot­sen besteht. Gera­de die Umset­zung die­ser zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Antrag­stel­le­rin 1992 geschlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung durch die Par­tei­en des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens, die 2006 eine Not­dienst­ver­ein­ba­rung für den Fall des Arbeits­kamp­fes geschlos­sen haben, zeigt, dass die Par­tei­en mit der beson­de­ren Ein­griffs­emp­find­lich­keit des Luft­ver­kehrs ver­ant­wor­tungs­voll umge­hen kön­nen. Sie garan­tie­ren in die­ser Not­dienst­ver­ein­ba­rung nicht nur die siche­re Durch­füh­rung der in der Rah­men­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Antrag­stel­le­rin und der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor­ge­ge­be­nen wich­ti­gen Flü­ge, son­dern dar­über hin­aus 25 % des plan­mä­ßi­gen Luft­ver­kehrs. Not­dien­st­ar­bei­ten wer­den sicher­ge­stellt. Die Arbeits­kampf­maß­nah­men wer­den mit einer Ankün­di­gungs­frist von 24 Stun­den bekannt gege­ben. Dies alles zeigt, dass die Par­tei­en wil­lens und in der Lage sind, die Sicher­heit des Luft­ver­kehrs auch wäh­rend eines Arbeits­kamp­fes zu gewähr­leis­ten.
59

2.2.2 Ein Unter­las­sungs­an­spruch ergibt sich auch nicht dar­aus, dass die Antrags­geg­ne­rin bei der Antrag­stel­le­rin einen soge­nann­ten Unter­stüt­zungs­streik ange­kün­digt hat. Im Rah­men des vor­lie­gen­den einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­rens ist der­zeit eine Rechts­wid­rig­keit die­ses poten­zi­el­len Unter­stüt­zungs­ar­beits­kamp­fes nicht erkenn­bar.
60

2.2.2.1 Bei der Bewer­tung des in Aus­sicht gestell­ten Unter­stüt­zungs­streiks bei der Antrag­stel­le­rin geht die erken­nen­de Kam­mer von der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus (BAG 19.06.2007 — 1 AZR 396/06 — AP Nr. 173 zu Art. 9 GG Arbeits­kampf). Zum einen ist das Beru­fungs­ge­richt von der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts weit­ge­hend über­zeugt. Zum ande­ren soll­te gera­de im Ver­fah­ren der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung, wo eine Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht erreicht wer­den kann, im Inter­es­se der Rechts­si­cher­heit, des Ver­trau­ens­schut­zes und der Ein­heit der Rechts­ord­nung eine Abwei­chung von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung nicht erfol­gen (Wal­ker, Einst­wei­li­ger Rechts­schutz, Rdnr. 717).
61

Nach die­ser Rechts­spre­chung unter­fällt auch ein Streik, den eine Gewerk­schaft zur Unter­stüt­zung eines auf den Abschluss eines Tarif­ver­tra­ges gerich­te­ten Streiks aus­ruft, grund­sätz­lich dem Grund­rechts­schutz des Art. 9 Abs. 3 GG. Zen­tra­ler und ange­mes­se­ner Maß­stab für die Beur­tei­lung der unter­schied­li­chen Erschei­nungs­for­men des Arbeits­kamp­fes, auch des Unter­stüt­zungs­ar­beits­kamp­fes, ist der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im wei­te­ren Sinn. Der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit eig­net sich als Maß­stab für die recht­li­che Beur­tei­lung von Arbeits­kampf­maß­nah­men des­halb, weil durch die Aus­übung der ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Betä­ti­gungs­frei­heit regel­mä­ßig in eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen des unmit­tel­ba­ren Kampf­geg­ners oder von Drit­ten ein­ge­grif­fen wird. Es bedarf daher einer Abwä­gung kol­li­die­ren­der Rechts­po­si­tio­nen. Das Abwä­gungs­pos­tu­lat der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit erfor­dert stets sei­ne Wür­di­gung, ob ein Kampf­mit­tel zur Errei­chung eines recht­mä­ßi­gen Kampf­ziels geeig­net und erfor­der­lich und bezo­gen auf das Kampf­ziel ange­mes­sen (pro­por­tio­nal bzw. ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sinn) ein­ge­setzt wor­den ist.
62

Geeig­net ist ein Kampf­mit­tel, wenn durch sei­nen Ein­satz die Durch­set­zung des Kampf­ziels geför­dert wer­den kann. Dabei kommt den einen Arbeits­kampf füh­ren­den Koali­tio­nen eine Ein­schät­zungprä­ro­ga­ti­ve zu. Sie haben einen Beur­tei­lungs­spiel­raum bei der Fra­ge, ob eine Arbeits­kampf­maß­nah­me geeig­net ist, Druck auf den sozia­len Gegen­spie­ler aus­zu­üben.
63

Erfor­der­lich ist ein Kampf­mit­tel, wenn mil­de­re Mit­tel zur Errei­chung des ange­streb­ten Ziels nach der Beur­tei­lung der den Arbeits­kampf füh­ren­den Koali­ti­on nicht zur Ver­fü­gung ste­hen. Auch inso­weit umfasst deren Betä­ti­gungs­frei­heit grund­sätz­lich die Ein­schät­zung, ob sie zur Errei­chung des ver­folg­ten Ziels das gewähl­te Mit­tel für erfor­der­lich oder ande­re Mit­tel für aus­rei­chend erach­tet. Die Gren­ze bil­det auch hier der Rechts­miss­brauch.
64

Ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sinn (pro­por­tio­nal) ist ein Arbeits­kampf­mit­tel, das sich unter hin­rei­chen­der Wür­di­gung der grund­recht­lich gewähr­leis­te­ten Betä­ti­gungs­frei­heit zur Errei­chung des ange­streb­ten Kampf­ziels unter Berück­sich­ti­gung der Rechts­po­si­tio­nen der von der Kampf­maß­nah­me unmit­tel­bar oder mit­tel­bar Betrof­fe­nen als ange­mes­sen dar­stellt. Inso­weit steht einer Arbeits­kampf­par­tei kei­ne Ein­schät­zungs­prägo­ga­ti­ve zu, geht es doch hier­bei nicht um eine tat­säch­li­che Ein­schät­zung, son­dern um eine recht­li­che Abwä­gung. Aller­dings ist bei die­ser stets zu beach­ten, dass es gera­de das Wesen einer Arbeits­kampf­maß­nah­me ist, durch Zufü­gung wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le Druck zur Errei­chung eines legi­ti­men Ziels aus­zu­üben. Unver­hält­nis­mä­ßig ist ein Arbeits­kampf­mit­tel daher erst, wenn es sich auch unter Berück­sich­ti­gung die­ses Zusam­men­hangs als unan­ge­mes­se­ne Beein­träch­ti­gung gegen­läu­fi­ger, eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter Rechts­po­si­tio­nen dar­stellt (BAG 19.06.2007 aaO).
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Unver­hält­nis­mä­ßig ist ein Arbeits­kampf dann, wenn er auf die Ver­nich­tung des Geg­ners abstellt (BAG GS 21.04.1971 — GS 1/68 — AP Nr. 43 zu Art. 9 GG Arbeits­kampf, Teil III A 2 b). Unver­hält­nis­mä­ßig ist ein Arbeits­kampf auch dann, wenn er die wirt­schaft­lich Exis­tenz des Geg­ners gefähr­det. Dies ist dann der Fall, wenn die gegen ein Unter­neh­men gerich­te­ten Arbeits­kampf­maß­nah­men nach den Umstän­den dazu füh­ren oder füh­ren kön­nen, dass es aus dem Markt aus­schei­den muss (Kis­sel Arbeits­kampf­recht aaO § 29 Rdnr. 24 ff. m.w.N.). Der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz im enge­ren Sinn for­dert auch, dass der Arbeits­kampf nicht außer Ver­hält­nis zu dem ange­streb­ten Ziel ste­hen darf (BAG 11.05.1993 — 1 AZR 649/92 — AP Nr. 63 zu § 1 Fei­er­tags­lohn­zah­lungsG, Grün­de II 1). Bei der Abwä­gung der zwei kol­li­die­ren­den Inter­es­sen unter dem Aspekt der Pro­por­tio­na­li­tät ist die eine Sei­te, näm­lich der beim Arbeits­kampf­geg­ner ent­ste­hen­de Druck und Scha­den, rela­tiv ein­deu­tig zu ermit­teln. Die Schwie­rig­keit liegt in der Fixie­rung der ande­ren Inter­es­sen­sei­te des Abwä­gungs­er­for­der­nis­ses des mit dem Arbeits­kampf ange­streb­ten Ziels. Dabei ist all­ge­mei­ne Ansicht, dass bei der Bestim­mung die­ses Ziels nicht auf den Inhalt der Tarif­for­de­rung abge­stellt wer­den kann. Inhalt­li­che Tarif­kon­trol­le und Kon­trol­le des Inhalts der Tarif­for­de­rung und auch deren Bewer­tung und Gewich­tung im Pro­por­tio­nal­ver­gleich sind unzu­läs­sig: Sonst bestün­de die Gefahr, über den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit eine der Tarif­au­to­no­mie wider­spre­chen­de Tarif­zen­sur aus­zu­üben (BVerG 26.06.1991 — 1 BvR 779/85 — AP Nr. 117 zu Art. 9 GG Arbeits­kampf, Grün­de C I 3 b cc; Kis­sel Arbeits­kampf­recht aaO § 29 Rdnr. 34 m.w.N.). Denn es ist ohne Ver­let­zung des Kern­stücks koali­ti­ons­ge­mä­ßer Selbst­be­stim­mung nicht der Ent­schei­dung durch Außen­ste­hen­de zugäng­lich, ob eine bestimm­te Lohn­er­hö­hung not­wen­dig, ange­mes­sen oder ver­nünf­tig ist. Genau­so wenig kann ein Arbeits­kampf des­halb als Ver­let­zung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zips ange­se­hen wer­den, weil er ange­sichts einer sehr nied­ri­gen For­de­rung im Ver­hält­nis zu den der Gegen­sei­te ent­ste­hen­den Schä­den unpro­por­tio­nal oder eine hohe For­de­rung im Inter­es­se der Arbeit­neh­mer nicht erfor­der­lich ist (Kis­sel aaO Rdnr. 34, 36).
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Nach dem Gebot der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ist ein Unter­stüt­zungs­kampf rechts­wid­rig, wenn er zur Unter­stüt­zung des Haupt­ar­beits­kamp­fes offen­sicht­lich unge­eig­net, nicht erfor­der­lich oder unter Berück­sich­ti­gung der schüt­zens­wer­ten Inter­es­sen der betrof­fe­nen Drit­ten unan­ge­mes­sen ist. Der Bezugs­punkt, der die Prü­fung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes bestimmt, ist dabei die sich aus dem Cha­rak­ter und der Funk­ti­on des Unter­stüt­zungs­streiks erge­ben­de Bezie­hung zum Haupt­ar­beits­kampf. Er ermög­licht die im Inter­es­se der Rechts­si­cher­heit gebo­te­ne, für eine funk­ti­ons­fä­hi­ge Arbeits­kampf­ord­nung erfor­der­li­che Kon­kre­ti­sie­rung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zips. Dabei hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt für die gegen­ein­an­der abzu­wä­gen­den Rechts­po­si­tio­nen bei einem Unter­stüt­zungs­streik ver­schie­de­ne Prüf­kri­te­ri­en ent­wi­ckelt (BAG 19.06.2007 aaO, Rdnr. 44 ff.):
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- Rechts­mä­ßig­keit des Haupt­ar­beits­kamp­fes
- Nähe oder Fer­ne des Unter­stüt­zungs­streiks gegen­über dem Haupt­ar­beits­kampf
- wirt­schaft­li­che Ver­floch­ten­heit der Adres­sa­ten des Haupt­ar­beits­kamp­fes und des Unter­stüt­zungs­streiks
- Neu­tra­li­tät oder Ein­mi­schung des Arbeit­ge­bers des Unter­stüt­zungs­streiks
- Iden­ti­tät der Gewerk­schaft
- Dau­er und Umfang des Unter­stüt­zungs­streiks
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2.2.2.2 Bei Anwen­dung der vor­ge­nann­ten Recht­spre­chung und der Abwä­gung der kol­li­die­ren­den Rechts­po­si­tio­nen der Par­tei­en und von Drit­ten steht für die Kam­mer zunächst fest, dass sich eine Rechts­wid­rig­keit des poten­zi­el­len Unter­stüt­zungs­streiks bei der Antrag­stel­le­rin nicht aus einer dro­hen­den Ver­let­zung höher­ran­gi­ger Rechts­gü­ter ergibt. Zwar ist die Antrag­stel­le­rin der Auf­fas­sung, dass bei einem Unter­stüt­zungs­streik bei der Antrag­stel­le­rin zusätz­li­che Flug­ma­nö­ver not­wen­dig wer­den wür­den und sich dadurch das Risi­ko von Unfäl­len erhö­he. Des­halb stei­ge die abs­trak­te Gefähr­dung von Leben und Gesund­heit der Pas­sa­gie­re, der Bediens­te­ten und der Anwoh­ner von Luft­ver­kehrs­stra­ßen. Eine sol­che abs­trak­te Gefähr­dung der Flug­gäs­te, der Bediens­te­ten des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens und der Anwoh­ner von Luft­ver­kehrs­stra­ßen, also Mil­lio­nen von Men­schen, ist für die erken­nen­de Kam­mer, auch wenn sie die­se Behaup­tung sehr ernst nimmt, nicht im Ansatz erkenn­bar. Auf­grund der zwi­schen den Par­tei­en in der Not­dienst­ver­ein­ba­rung aus­ge­han­del­ten Ankün­di­gungs­frist von 24 Stun­den weiß die Antrag­stel­le­rin recht­zei­tig, zu wel­chem Zeit­punkt die Flug­lot­sen im Tower des Stutt­gar­ter Flug­ha­fens nicht mehr ihre Diens­te leis­ten wer­den. Da kein Flug län­ger als 24 Stun­den dau­ert, schei­det die Situa­ti­on aus, dass ein gestar­te­tes Flug­zeug umge­lei­tet wer­den oder War­te­schlei­fen dre­hen muss. Viel­mehr wer­den in die­sem Fall Flü­ge von und nach Stutt­gart nicht mehr star­ten bzw. lan­den. Bei einem Streik der Flug­lot­sen im Stutt­gar­ter Flug­ha­fen wer­den Flü­ge aus­fal­len, aber kei­ne risi­ko­rei­che­ren Flü­ge statt­fin­den. Es ist für das Gericht nicht nach­voll­zieh­bar, wie die abs­trak­te Gefahr für die o.g. Rechts­gü­ter stei­gen kann, wenn bis zu 75 % der Flü­ge vom bzw. zum Stutt­gar­ter Flug­ha­fen nicht mehr statt­fin­den. Selbst wenn es ein­zel­ne Flü­ge geben soll­te, die auf­grund von Streik­maß­nah­men zu zusätz­li­chen Flug­ma­nö­vern gezwun­gen wer­den, kann die abs­trak­te Gefahr für die o.g. Rechts­gü­ter ins­ge­samt, also wenn man auch die aus­ge­fal­le­nen Flü­ge mit ein­be­zieht, nicht höher sein, als wenn alle Flü­ge nor­mal statt­fin­den. Denn jeg­li­cher (Flug)Verkehr birgt abs­trak­te Gefah­ren in sich.
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Des­halb ver­bleibt als abzu­wä­gen­de Rechts­po­si­ti­on der Antrag­stel­le­rin und von Drit­ten der bei einem Unter­stüt­zungs­kampf zu erwar­ten­de wirt­schaft­li­che Scha­den, den die Antrag­stel­le­rin mit min­des­tens 2 Mil­lio­nen Euro täg­lich bezif­fert. Die­ser poten­zi­el­le Scha­den setzt sich ins­be­son­de­re aus den Min­der­ein­nah­men der Antrag­stel­le­rin und vor allem aus dem Umsatz­aus­fall bei der FSG und bei den den Stutt­gar­ter Flug­ha­fen anflie­gen­den Flug­ge­sell­schaf­ten zusam­men. In der Antrags­schrift hat die Antrag­stel­le­rin den zu erwar­ten­den Scha­den noch mit einem „Viel­fa­chen der Mehr­kos­ten für die Luft­han­sa mit ca. 50 Mil­lio­nen DM pro Streik­tag“ (dabei wird auf einen Tarif­kon­flikt der Deut­schen Luft­han­sa im Jah­re 2001 abge­stellt) ange­ge­ben. Die Antrags­geg­ne­rin hat bei­de Scha­dens­be­rech­nun­gen als unsub­stan­zi­iert und rech­ne­risch nicht nach­voll­zieh­bar bestrit­ten. Der zu erwar­ten­de Scha­den bei der Antrag­stel­le­rin im Fal­le eines Unter­stüt­zungs­streiks ist der­zeit weit­ge­hend spe­ku­la­tiv. Die Antrags­geg­ne­rin hat im Beru­fungs­ter­min ange­ge­ben, dass im Streik­fall nie beab­sich­tigt sei, einen Streik über 24 Stun­den (abzüg­lich des Nacht­flug­ver­bo­tes) oder gar „rund um die Uhr“ zu füh­ren, son­dern dass allen­falls „erheb­li­che Nadel­sti­che“ im Umfang bis zu 6 Stun­den beab­sich­tigt sei­en. Die zu erwar­ten­de, der­zeit völ­lig spe­ku­la­ti­ve Scha­dens­hö­he, kann bei Anwen­dung der o.g. Rechts­grund­sät­ze, ent­ge­gen der Rechts­an­sicht der Antrag­stel­le­rin, auch nicht in ein Ver­hält­nis zu den Tarif­for­de­run­gen des Haupt­ar­beits­kamp­fes gesetzt wer­den. Zwar wer­den im Haupt­ar­beits­kampf für eine klei­ne Grup­pe von Arbeit­neh­mern, ver­gli­chen mit ande­ren Tarif­aus­ein­an­der­set­zun­gen in der der­zei­ti­gen deut­schen Tarif­land­schaft, rela­tiv hohe Ver­gü­tungs­for­de­run­gen erho­ben. Ein Gericht ist aber weder befugt noch in der Lage über die Ange­mes­sen­heit von Ver­gü­tungs­for­de­run­gen in Tarif­aus­ein­an­der­set­zun­gen zu befin­den.
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Der von der Antrag­stel­le­rin vor­ge­nom­me­ne Ver­gleich des Streik­zie­les im Haupt­ar­beits­kampf und der zu erwar­ten­de Scha­den im Unter­stüt­zungs­ar­beits­kampf wür­de zu dem merk­wür­di­gen Ergeb­nis füh­ren: je höher die Lohn­for­de­rung im Haupt­ar­beits­kampf (und damit die begehr­te Lohn­sum­me) um so eher ist ein Unter­stüt­zungs­kampf zuläs­sig; bei mode­ra­ten Lohn­for­de­run­gen ist ein Unter­stüt­zungs­streik schon aus die­sem Grund unver­hält­nis­mä­ßig.
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Für die erken­nen­de Kam­mer steht des­halb fest, dass der­zeit auch auf­grund eines bei einem Unter­stüt­zungs­streik zu erwar­ten­den Scha­dens bei der Antrag­stel­le­rin und bei Drit­ten nicht erkenn­bar ist, dass der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz ver­letzt wird.
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Wenn man die vom BAG im Urteil vom 19.06.2007 (aaO) ent­wi­ckel­ten Prüf­kri­te­ri­en für die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit eines Unter­stüt­zungs­streiks auf den vor­lie­gen­den Lebens­sach­ver­halt anwen­det, ist fest­zu­stel­len, dass auch kei­nes der nicht abschlie­ßend genann­ten Kri­te­ri­en, die gegen eine Unver­hält­nis­mä­ßig­keit des Unter­stüt­zungs­streiks spre­chen, vor­lie­gend erfüllt ist.
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(1) Auch die Antrag­stel­le­rin behaup­tet nicht, dass der Haupt­ar­beits­kampf zwi­schen der Antrags­geg­ne­rin und der FSG rechts­wid­rig ist.
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(2) Es besteht eine enge Ver­bin­dung zwi­schen dem Haupt­ar­beits­kampf und einem mög­li­chen Unter­stüt­zungs­streik. Bei­de Arbeits­kämp­fe wür­den sich auf dem Stutt­gar­ter Flug­ha­fen abspie­len. Die Vor­feld­lot­sen und die Flug­lot­sen sind gemein­sam für die Sicher­heit des Flug­ver­kehrs auf dem Stutt­gar­ter Flug­ha­fen ver­ant­wort­lich. Sie arbei­ten eng zusam­men.
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(3) Es besteht eine enge wirt­schaft­li­che Ver­floch­ten­heit zwi­schen der Antrag­stel­le­rin und der FSG. Die Antrag­stel­le­rin erbringt für die FSG wich­ti­ge Dienst­leis­tun­gen. Die Antrag­stel­le­rin wird ab dem 01.04.2009 einen Teil der seit­he­ri­gen Auf­ga­ben der FSG über­neh­men (Vor­feld­kon­trol­le).
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(4) Die Gewerk­schaft des Haupt­ar­beits­kamp­fes und des mög­li­chen Unter­stüt­zungs­streiks ist iden­tisch.
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(5) Die Antrag­stel­le­rin ver­hält sich auf­grund der Ver­trags­la­ge nicht distan­ziert — neu­tral zum Haupt­ar­beits­kampf. Die Antrag­stel­le­rin und die FSG haben Not­fall­ver­ein­ba­run­gen abge­schlos­sen, wonach die Antrag­stel­le­rin für die FSG Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen auf dem Vor­feld der FSG bei einem Aus­fall der Vor­feld­kon­trol­le zu erbrin­gen hat. Die­se Ver­pflich­tung gilt grund­sätz­lich auch für Zei­ten eines Arbeits­kamp­fes bei der FSG. Ab dem 01.04.2009 wird die Antrag­stel­le­rin die Vor­feld­kon­trol­le von der FSG über­neh­men und dafür eine Ver­gü­tung erhal­ten.
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(6) Der­zeit kann auch nicht davon gespro­chen wer­den, dass der Unter­stüt­zungs­streik in den Vor­der­grund tritt. Das Aus­maß des mög­li­chen Unter­stüt­zungs­streiks ist der­zeit nicht vor­aus­zu­se­hen. Des­halb kann auch kei­ne Aus­sa­ge getrof­fen wer­den, ob sich der gesam­te Arbeits­kampf signi­fi­kant auf den Unter­stüt­zungs­streik ver­la­gert.
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Obwohl die vor­ge­nann­ten Kri­te­ri­en nicht kumu­la­tiv erfüllt sein müs­sen, ist für den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt fest­zu­hal­ten, dass die­se alle erfüllt sind und des­halb nichts gegen eine Unver­hält­nis­mä­ßig­keit des mög­li­chen Unter­stüt­zungs­streiks spricht.
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2.3 Es kann dahin­ge­stellt blei­ben, ob beim vor­lie­gen­den Sach­ver­halt über­haupt ein Ver­fü­gungs­grund besteht, nach­dem von der Antrags­geg­ne­rin zuletzt im Beru­fungs­ter­min ein Unter­stüt­zungs­streik nach dem 31.03.2009 als „sehr wahr­schein­lich“ in Aus­sicht gestellt wor­den ist. Jeden­falls ist im Rah­men des Prü­fungs­maß­sta­bes der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung der­zeit ein Ver­fü­gungs­an­spruch auf Unter­sa­gung des Unter­stüt­zungs­streiks nicht erkenn­bar, schon gar nicht offen­sicht­lich erkenn­bar.
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Zur Klar­stel­lung möch­te die Kam­mer aber auf Fol­gen­des hin­wei­sen:
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Dem den Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung zurück­wei­sen­den Urteil kommt nur ein­ge­schränk­te mate­ri­el­le Rechts­kraft zu (vgl. zum Umfang der mate­ri­el­len Rechts­kraft im einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren: Münch­ner Kom­men­tar-Hein­ze, ZPO, 2. Auf­la­ge, Vor § 916 Rdnr. 49, 52). Die Wie­der­ho­lung des Gesuchs um einst­wei­li­gen Rechts­schutz ist zuläs­sig, wenn das neue Gesuch umfas­send auf im ers­ten Ver­fah­ren nicht vor­ge­tra­ge­ne neue Tat­sa­chen gestützt wird (Mün­che­ner Kom­men­tar aaO Rdnr. 53). Falls die Antrags­geg­ne­rin bei der Antrag­stel­le­rin einen mög­li­chen Unter­stüt­zungs­streik mit unver­hält­nis­mä­ßi­gen Mit­teln füh­ren oder es zu Streik­ex­zes­sen kom­men soll­te, kann die Antrag­stel­le­rin dar­auf einen neu­en Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung zur Unter­sa­gung die­ser dann unver­hält­nis­mä­ßi­gen Streik­maß­nah­men stüt­zen.
C.
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Da somit die sofor­ti­ge Beschwer­de der Antrag­stel­le­rin kei­nen Erfolg haben konn­te, hat sie die Kos­ten ihres erfolg­lo­sen Rechts­mit­tels gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG i.V.m. § 97 Abs. 1 ZPO zu tra­gen.