Die Par­tei­en strei­ten über Urlaubs­ab­gel­tung und rest­li­che Ver­gü­tung für Okto­ber 2006. Der Klä­ger war auf­grund eines befris­te­ten Arbeits­ver­trags bei der Beklag­ten in der Zeit vom 15. März 2006 bis zum 31. Okto­ber 2006 als Omni­bus­fah­rer beschäf­tigt. Die Beklag­te betreibt ein Omni­bus­un­ter­neh­men mit Sitz in V. Sie ist Mit­glied des Ver­bands Nord­rhein-West­fä­li­scher Omni­bus­un­ter­neh­men e. V. (NWO). Der Klä­ger ist nicht tarif­ge­bun­den.

 

Tenor

Die Revi­si­on der Beklag­ten gegen das Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düs­sel­dorf vom 25. Juli 2007 — 12 Sa 944/07 — wird zurück­ge­wie­sen.

Die Beklag­te hat die Kos­ten des Revi­si­ons­ver­fah­rens zu tra­gen.

Tat­be­stand

1
Die Par­tei­en strei­ten über Urlaubs­ab­gel­tung und rest­li­che Ver­gü­tung für Okto­ber 2006.
2
Der Klä­ger war auf­grund eines befris­te­ten Arbeits­ver­trags bei der Beklag­ten in der Zeit vom 15. März 2006 bis zum 31. Okto­ber 2006 als Omni­bus­fah­rer beschäf­tigt. Die Beklag­te betreibt ein Omni­bus­un­ter­neh­men mit Sitz in V. Sie ist Mit­glied des Ver­bands Nord­rhein-West­fä­li­scher Omni­bus­un­ter­neh­men e. V. (NWO). Der Klä­ger ist nicht tarif­ge­bun­den.
3
In dem Arbeits­ver­trag der Par­tei­en vom 19. Dezem­ber 2005 heißt es ua.:
10. Urlaub
Der Urlaubs­an­spruch beträgt bei einer Sechs­ta­ge­wo­che 30 Tage im Jahr oder 2,5 Tage pro Monat.
12. Kol­lek­tiv­re­ge­lun­gen
Das Arbeits­ver­hält­nis unter­liegt im Übri­gen den für den Arbeit­ge­ber gel­ten­den Tarif­ver­trä­gen für die gewerb­li­chen Arbeit­neh­mer des pri­va­ten Omni­bus­ge­wer­bes des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in ihrer jeweils letz­ten Fas­sung. Die Tarif­ver­trä­ge kön­nen im Büro ein­ge­se­hen wer­den.
13. Beson­de­re Ver­ein­ba­run­gen
… Ein frei­er Tag pro Woche, außer­halb des Urlaubs, wird gewährt. …“
4
Der Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Arbeit­neh­mer des pri­va­ten Omni­bus­ge­wer­bes des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len vom 24. Mai 2005 (MTV) lau­tet aus­zugs­wei­se:
§ 14
Urlaub
(1) Der Arbeit­neh­mer hat im Kalen­der­jahr Anspruch auf Erho­lungs­ur­laub unter Fort­zah­lung des Ent­gel­tes. Das Urlaubs­jahr ist das Kalen­der­jahr.
(4) Im Ein- und Aus­tritts­jahr wird ohne Rück­sicht auf Erfül­lung der War­te­zeit nur Teil­ur­laub gewährt. Die Arbeit­neh­mer erhal­ten für jeden Beschäf­ti­gungs­mo­nat, in dem sie mehr als 15 Tage beschäf­tigt waren, ein Zwölf­tel des ihnen zuste­hen­den Urlaubs, jedoch min­des­tens den gesetz­li­chen Urlaub.
(8) Die Gel­tend­ma­chung des Urlaubs­an­spruchs ist 3 Mona­te nach Ablauf des Urlaubs­jah­res aus­ge­schlos­sen, es sei denn, dass er wäh­rend des Urlaubs­jah­res erfolg­los gel­tend gemacht wor­den ist.
§ 21
Aus­schluss­fris­ten für die Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen aus dem Arbeits­ver­hält­nis
(1) Der Arbeit­neh­mer ist bei Erhalt der Ver­gü­tung zur sofor­ti­gen Nach­prü­fung der Abrech­nung und des aus­ge­zahl­ten Betra­ges ver­pflich­tet. Stimmt der Geld­be­trag mit der Ent­gel­tab­rech­nung nicht über­ein, so hat der Arbeit­neh­mer dies unver­züg­lich dem Aus­zah­len­den zu mel­den.
(2) Ansprü­che aus Mehr­ar­beit sowie auf Zah­lung von Zula­gen jeder Art und auf Erstat­tung von Bar­aus­la­gen sowie alle übri­gen Ansprü­che aus dem Arbeits­ver­trag sind spä­tes­tens 2 Mona­te nach Fäl­lig­keit schrift­lich gel­tend zu machen. Dies gilt auch für Ansprü­che des Arbeit­ge­bers. Im Fal­le der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses ver­kürzt sich die vor­ste­hen­de Frist auf einen Monat nach Ver­trags­en­de.
Aus­ge­nom­men von die­sen Aus­schluss­fris­ten sind Ansprü­che aus uner­laub­ter Hand­lung.
(3) Nach Ablauf der ange­führ­ten Fris­ten ist die Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen aus dem Arbeits­ver­hält­nis aus­ge­schlos­sen, es sei denn, dass sie dem Arbeit­ge­ber oder sei­nem Beauf­trag­ten gegen­über bzw. vom Arbeit­ge­ber gegen­über dem Arbeit­neh­mer oder sei­nem Beauf­trag­ten vor­her erfolg­los schrift­lich gel­tend gemacht wor­den sind. In die­sem Fal­le tritt die gesetz­li­che Ver­jäh­rung in Kraft.“
5
Die Beklag­te bezahl­te monat­lich den ver­ein­bar­ten Pau­schal­lohn. An den Tagen, an denen kei­ne Fahr­ten im Rei­se­ver­kehr anfie­len, wur­de der Klä­ger nicht wie bei der Beklag­ten üblich im Schul­ver­kehr oder zu Hal­len­diens­ten her­an­ge­zo­gen. Die Beklag­te rech­ne­te für die­se Tage Urlaub und/oder den wöchent­li­chen frei­en Tag an. Das Okto­ber­ent­gelt kürz­te sie um die Ver­gü­tung für zwei Tage in Höhe von 169,23 Euro brut­to. Sie beruft sich dar­auf, der Klä­ger habe wäh­rend der Beschäf­ti­gungs­zeit mehr freie Tage und mehr Urlaub erhal­ten, als ihm zuge­stan­den habe.
6
Am 16. Novem­ber 2006 erhielt die Beklag­te eine E-Mail des Klä­gers, in wel­cher es heißt:
„…
Zu mei­ner Lohn­ab­rech­nung von Okto­ber: Es wur­den mir 169,23 Euro vom Brut­to­lohn abge­zo­gen! Wes­halb hät­te ich hier ger­ne gewusst!
Dann habe ich noch Fra­gen zu mei­nem noch nicht bean­spruch­ten Jah­res­ur­laub: Wann und wie wird die­ser ver­rech­net? Die Rege­lung, 1 frei­er Tag = 1 Tag Urlaub weni­ger, kann ja wohl nicht rich­tig sein, denn der Urlaub muss zusam­men­hän­gend gewährt wer­den. Es steht zwar im Arbeits­ver­trag, dass die 6-Tage-Woche gilt, es steht aller­dings nicht dar­in, dass ich auch 6 Tage arbei­ten muss!
…“
7
In einer wei­te­ren E-Mail des Klä­gers vom 13. Dezem­ber 2006 an die Beklag­te heißt es:
„…
Des Wei­te­ren ste­hen mir noch 19 Tage Urlaub zu inklu­si­ve Urlaubs­geld, die bis­her noch nicht ver­gü­tet wur­den!
…“
8
Der Klä­ger ver­langt die Nach­zah­lung der rest­li­chen Ver­gü­tung für Okto­ber 2006 sowie die Abgel­tung von 19 Urlaubs­ta­gen. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sein Urlaubs­an­spruch für das Jahr 2006 habe bei Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses noch bestan­den und sei abzu­gel­ten. Er hat bestrit­ten, dass eine Ver­ein­ba­rung dahin­ge­hend bestan­den habe, für sei­ne frei­en Tage teil­wei­se Urlaub zu berech­nen. Im Übri­gen stel­le eine sol­che Vor­ga­be, die ihm ledig­lich durch den Dis­po­nen­ten der Beklag­ten mit­ge­teilt wor­den sei, kei­ne zusätz­li­che ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung dar. Sein Urlaubs­ab­gel­tungs­an­spruch sei auch nicht nach § 21 Abs. 3 MTV ver­fal­len.
9
Der Klä­ger hat erst­in­stanz­lich bean­tragt,
die Beklag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.910,92 Euro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz ab dem 29. Dezem­ber 2006 zu bezah­len.
10
Die Beklag­te hat bean­tragt, die Kla­ge abzu­wei­sen. Sie hat behaup­tet, der Klä­ger sei auf sei­nen aus­drück­li­chen Wunsch hin nicht zu den Schul­fahr­ten oder den Hal­len­ar­bei­ten her­an­ge­zo­gen wor­den, da er wegen des hohen Kraft­stoff­ver­brauchs sei­ner Cor­vet­te an den Tagen ohne Rei­se­ver­kehr nicht habe zur Arbeits­stel­le fah­ren wol­len. Der ihm an die­sen Tagen gewähr­te Urlaub sei von dem Klä­ger auch genom­men wor­den. Die­se Ver­ein­ba­rung stel­le auch kei­ne Umge­hung des § 615 BGB dar. Unab­hän­gig davon sei­en die gel­tend gemach­ten Ansprü­che mit Ablauf des 30. Novem­ber 2006 ver­fal­len.
11
Das Arbeits­ge­richt hat der Kla­ge in Höhe von 1.776,85 Euro statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen abge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Beru­fung der Beklag­ten unter Abän­de­rung der erst­in­stanz­li­chen Kos­ten­ent­schei­dung zurück­ge­wie­sen. Mit der Revi­si­on ver­folgt die Beklag­te ihren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter. Der Klä­ger bean­tragt, die Revi­si­on zurück­zu­wei­sen.

Ent­schei­dungs­grün­de

12
A. Die Revi­si­on der Beklag­ten hat kei­nen Erfolg. Soweit sie sich gegen ihre Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung des rest­li­chen Ent­gelts für Okto­ber 2006 in Höhe von 169,23 Euro brut­to rich­tet, war die Revi­si­on als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen. Im Übri­gen ist sie unbe­grün­det.
13
I. Die Revi­si­on der Beklag­ten ist zum Teil unzu­läs­sig.
14
1. Nach § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO gehört zum not­wen­di­gen Inhalt der Revi­si­ons­be­grün­dung die Anga­be der Revi­si­ons­grün­de. Bei einer Sach­rü­ge muss die Revi­si­ons­be­grün­dung gemäß § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a ZPO den Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts so auf­zei­gen, dass Gegen­stand und Rich­tung des Revi­si­ons­an­griffs erkenn­bar sind. Daher muss die Revi­si­ons­be­grün­dung eine Aus­ein­an­der­set­zung mit den Urteils­grün­den des ange­foch­te­nen Urteils ent­hal­ten (BAG 23. Novem­ber 2006 — 6 AZR 317/06 — Rn. 13, BAGE 120, 239; Senat 6. Janu­ar 2004 — 9 AZR 680/02 — zu II 2 a der Grün­de, BAGE 109, 145) . Bei meh­re­ren, unter­schied­li­chen Streit­ge­gen­stän­den muss für jeden eine sol­che Begrün­dung gege­ben wer­den. Fehlt sie zu einem Streit­ge­gen­stand, ist das Rechts­mit­tel inso­weit unzu­läs­sig (BAG 8. Mai 2008 — 6 AZR 517/07 — Rn. 28, AP BGB § 620 Auf­he­bungs­ver­trag Nr. 40 = EzA ZPO 2002 § 520 Nr. 6) .
15
2. Die­sen Anfor­de­run­gen wird die Revi­si­on im Hin­blick auf den Antrag, die Beklag­te zur Zah­lung der rest­li­chen Ver­gü­tung für Okto­ber 2006 zu ver­ur­tei­len, nicht gerecht. Die Revi­si­ons­klä­ge­rin hat inso­weit gegen die Zurück­wei­sung der Beru­fung weder eine Sach- noch eine Ver­fah­rens­rüge erho­ben. Da es sich bei der Ver­gü­tungs­for­de­rung und der im Wege der Kla­ge­häu­fung ver­folg­ten Urlaubs­ab­gel­tung um unter­schied­li­che Ansprü­che han­delt, denen unter­schied­li­che Lebens­sach­ver­hal­te zugrun­de lie­gen, hät­te es einer geson­der­ten Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Beru­fungs­ur­teil bedurft.
16
II. Im Übri­gen ist die Revi­si­on unbe­grün­det. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Beklag­te im Ergeb­nis zu Recht ver­ur­teilt, den Rest­ur­laubs­an­spruch des Klä­gers für das Jahr 2006 in Höhe von 19 Urlaubs­ta­gen abzu­gel­ten. Das folgt aus § 7 Abs. 4, § 3 Abs. 1, §§ 4, 5 Abs. 1 BUr­lG.
17
1. Nach § 7 Abs. 4 BUr­lG ist der zum Zeit­punkt der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses bestehen­de Urlaubs­an­spruch abzu­gel­ten, wenn er wegen der Been­di­gung nicht mehr gewährt wer­den kann. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt.
18
a) Das Arbeits­ver­hält­nis ende­te auf­grund sei­ner Befris­tung am 31. Okto­ber 2006.
19
b) Zum Zeit­punkt der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses stand dem Klä­ger der vol­le gesetz­li­che Min­dest­ur­laub nach § 3 Abs. 1 BUr­lG in Höhe von 24 Werk­ta­gen zu. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten in Ziff. 10 des Arbeits­ver­trags eine Sechs­ta­ge­wo­che. Hier­von macht der Klä­ger nur 19 Tage gel­tend.
20
aa) Der vol­le gesetz­li­che Min­dest­ur­laub war ent­stan­den. Der Klä­ger hat­te die sechs­mo­na­ti­ge War­te­zeit des § 4 BUr­lG erfüllt. Das Arbeits­ver­hält­nis bestand vom 15. März 2006 bis zum 31. Okto­ber 2006. Da der Klä­ger nach erfüll­ter War­te­zeit in der zwei­ten Hälf­te des Kalen­der­jah­res aus dem Arbeits­ver­hält­nis aus­schied, fand kei­ne Zwölf­te­lung des Urlaubs­an­spruchs nach § 5 BUr­lG statt (Umkehr­schluss aus § 5 Abs. 1 Buchst. c BUr­lG) .
21
(1) Eine Kür­zung kommt auch nicht nach dem auf­grund ein­zel­ver­trag­li­cher Bezug­nah­me anzu­wen­den­den MTV in Betracht. § 14 Abs. 4 MTV nimmt den gesetz­li­chen Min­dest­ur­laub aus­drück­lich aus der Zwölf­te­lungs­re­ge­lung aus. Nach § 14 Abs. 4 Satz 2 MTV erhal­ten die Arbeit­neh­mer für jeden Beschäf­ti­gungs­mo­nat, in dem sie mehr als 15 Tage beschäf­tigt waren, zwar nur ein Zwölf­tel des ihnen zuste­hen­den Urlaubs, jedoch min­des­tens den gesetz­li­chen Urlaub. Im Übri­gen könn­te der gesetz­li­che Urlaubs­an­spruch eines Arbeit­neh­mers, der nach erfüll­ter War­te­zeit in der zwei­ten Hälf­te eines Kalen­der­jah­res aus dem Arbeits­ver­hält­nis aus­schei­det, auch nicht aus­ge­schlos­sen oder gemin­dert wer­den. Eine Zwölf­te­lung des Urlaubs­an­spruchs wäre nach § 13 Abs. 1 Satz 1 iVm. § 3 Abs. 1 BUr­lG unzu­läs­sig (Senat 24. Okto­ber 2000 — 9 AZR 610/99 — zu I 1 der Grün­de, AP BUr­lG § 5 Nr. 19) . Die gesetz­li­che Unab­ding­bar­keit erstreckt sich auch auf den hier ein­ge­klag­ten Urlaubs­ab­gel­tungs­an­spruch iSv. § 7 Abs. 4 BUr­lG (vgl. Senat 9. Juni 1998 — 9 AZR 43/97 — zu I 3 b der Grün­de, BAGE 89, 91; 5. Dezem­ber 1995 — 9 AZR 871/94 — zu II 2 der Grün­de, BAGE 81, 339) .
22
(2) Noch weni­ger kön­nen die Arbeits­ver­trags­par­tei­en zulas­ten des Arbeit­neh­mers vom gesetz­li­chen Min­dest­ur­laub abwei­chen. Es kann des­halb dahin­ste­hen, ob mit der Rege­lung in Ziff. 10 des Arbeits­ver­trags, nach der der Urlaubs­an­spruch „bei einer Sechs­ta­ge­wo­che 30 Tage im Jahr oder 2,5 Tage pro Monat“ beträgt, nur die Gesamt­dau­er des Urlaubs bestimmt oder eine Kür­zung bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den ver­ein­bart wer­den soll­te. Nach § 13 Abs. 1 Satz 3 BUr­lG kann, mit Aus­nah­me von § 7 Abs. 2 Satz 2 BUr­lG, von den Bestim­mun­gen des BUr­lG nicht zuun­guns­ten des Arbeit­neh­mers abge­wi­chen wer­den.
23
bb) Der Urlaubs­an­spruch ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beklag­ten auch nicht auf­grund Erfül­lung erlo­schen, § 362 Abs. 1 BGB. Die Beklag­te beruft sich ohne Erfolg dar­auf, der Klä­ger habe zuge­stimmt, für Tage ohne Ein­satz im Rei­se­ver­kehr und ohne aus­rei­chend freie Tage Urlaub zu erhal­ten. Des­halb sei sein Urlaubs­an­spruch durch Erfül­lung erlo­schen.
24
(1) Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Senats rich­tet sich der Urlaubs­an­spruch des Arbeit­neh­mers auf Befrei­ung von sei­nen arbeits­ver­trag­lich geschul­de­ten Pflich­ten. Die Ver­gü­tungs­pflicht des Arbeit­ge­bers wird nicht berührt. Zur Erfül­lung des Urlaubs­an­spruchs hat der Arbeit­ge­ber den Arbeit­neh­mer von der Arbeits­pflicht frei­zu­stel­len. Die Frei­stel­lung erfolgt durch ein­sei­ti­ge emp­fangs­be­dürf­ti­ge Wil­lens­er­klä­rung, wobei der Arbeit­ge­ber die Urlaubs­wün­sche des Arbeit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen hat ( § 7 Abs. 1 Satz 1 BUr­lG ) . Beginn und Ende des Urlaubs sind vor­ab fest­zu­le­gen. Die erklär­te Arbeits­be­frei­ung muss hin­rei­chend deut­lich erken­nen las­sen, dass eine Befrei­ung von der Arbeits­pflicht zur Erfül­lung des Anspruchs auf Urlaub gewährt wird; sonst kann nicht fest­ge­stellt wer­den, ob der Arbeit­ge­ber als Schuld­ner des Urlaubs­an­spruchs die geschul­de­te Leis­tung bewir­ken will ( § 362 Abs. 1 BGB ) , als Gläu­bi­ger der Arbeits­leis­tung auf deren Annah­me ver­zich­tet ( § 615 Satz 1 BGB ) oder er dem Arbeit­neh­mer nach § 397 Abs. 1 BGB anbie­tet, die Arbeits­pflicht ver­trag­lich zu erlas­sen (vgl. Senat 14. August 2007 — 9 AZR 934/06 - Rn. 10 , EzA BUr­lG § 7 Nr. 119; 14. März 2006 — AZR 11/05 — Rn. 11, AP BUr­lG § 7 Nr. 32 = EzA BUr­lG § 7 Nr. 117 ) . Urlaubs­ge­wäh­rung ist nach § 7 Abs. 1 BUr­lG die Befrei­ung von der Arbeits­pflicht für einen bestimm­ten zukünf­ti­gen Zeit­raum (Senat 11. Juli 2006 — 9 AZR 535/05 — Rn. 20, AuA 2007 , 52; 25. Okto­ber 1994 — AZR 339/93 - zu 2 der Grün­de, BAGE 78, 153 ) .
25
(2) Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht erfüllt. Das folgt schon aus der von der Beklag­ten vor­ge­leg­ten Auf­stel­lung der frei­en Tage und der Urlaubs­ta­ge. So ist am 3. April 2006 ein hal­ber Urlaubs­tag und ein hal­ber frei­er Tag ein­ge­tra­gen. Da dem Klä­ger nach Ziff. 13 des Arbeits­ver­trags je Woche ein frei­er Tag zustand, wäre der 3. April 2006 ins­ge­samt ein frei­er Tag gewe­sen. Die Woche dau­er­te von Mon­tag, den 3. April 2006, bis Sonn­tag, den 9. April 2006. Ein Urlaubs­tag wur­de des­halb nicht gewährt. In der Woche vom 10. April bis 16. April sind für die Zeit vom 10. April 2006 bis 12. April 2006 drei Urlaubs­ta­ge ein­ge­tra­gen, freie Tage über­haupt nicht. Hier­aus folgt, dass die Beklag­te tou­ren­freie Zei­ten nach­träg­lich ent­we­der mit frei­en Tagen oder mit Urlaub ver­buch­te. Sie behaup­tet selbst nicht, den Klä­ger vor­ab für jeden Urlaubs­tag frei­ge­stellt zu haben, oder dass der Klä­ger ent­spre­chen­de Urlaubs­wün­sche geäu­ßert hat­te. Es fehl­te des­halb bereits in allen Fäl­len an einer Befrei­ung von der Arbeits­pflicht durch die gegen­über dem Klä­ger abge­ge­be­ne Erklä­rung, dass die vor­ab zeit­lich kon­kre­ti­sier­te Befrei­ung zur Erfül­lung des Anspruchs auf Urlaub gewährt wur­de.
26
cc) Der Urlaubs­ab­gel­tungs­an­spruch ist nicht nach § 7 Abs. 3 BUr­lG mit Ablauf des Urlaubs­jah­res 2006 unter­ge­gan­gen. Auf die vom Beru­fungs­ge­richt ange­stell­ten Erwä­gun­gen zur Aus­le­gung der Arbeits­zeit-Richt­li­nie kommt es nicht an. Nach § 14 Abs. 8 MTV sind Urlaub und Urlaubs­ab­gel­tung nicht auf das Urlaubs­jahr befris­tet. Die Gel­tend­ma­chung des Urlaubs­an­spruchs ist bis zu drei Mona­te nach Ablauf des Urlaubs­jah­res zuläs­sig. Ist er wäh­rend des Urlaubs­jah­res erfolg­los gel­tend gemacht wor­den, wird er auf unbe­stimm­te Zeit über­tra­gen. Die Bestim­mun­gen gel­ten ent­spre­chend für den Abgel­tungs­an­spruch. Da der Klä­ger die Abgel­tung mit E-Mail vom 13. Dezem­ber 2006 ver­lang­te, ist von einer Über­tra­gung aus­zu­ge­hen.
27
dd) Die Urlaubs­ab­gel­tungs­an­sprü­che des Klä­gers sind auch nicht gemäß § 21 MTV ver­fal­len. Tarif­li­che Aus­schluss­fris­ten sind auf den gesetz­li­chen Urlaub wegen des­sen eige­nen Zeit­re­gimes nicht anzu­wen­den (Senat 21. Juni 2005 — 9 AZR 200/04 — zu II 4 d aa der Grün­de, AP InsO § 55 Nr. 11 = EzA BUr­lG § 7 Nr. 114) .
28
2. Der Klä­ger hat Anspruch auf Abgel­tung der gel­tend gemach­ten 19 Urlaubs­ta­ge in der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zuge­spro­che­nen Höhe von 1.607,59 Euro brut­to.
29
B. Die Beklag­te hat nach § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten des Revi­si­ons­ver­fah­rens zu tra­gen.
Düwell Gall­ner Krass­hö­fer
D. Wege Kran­zusch