Eine Ver­wei­sungs­klau­sel in einem Arbeits­ver­trag für ein Arbeits­ver­hält­nis bei einem Arbeit­ge­ber, der Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Wer­kes in Hes­sen und Nas­sau (DWHN) ist, nimmt jeden­falls dann das gesam­te Arbeits­ver­trags­recht des DWHN (ins­be­son­de­re die Arbeits­ver­trags­ord­nung für Ange­stell­te — AngAVO/DW) hin­rei­chend trans­pa­rent in Bezug, wenn als Bezug­nah­me­ob­jekt der „BAT in der jewei­li­gen Fas­sung des DWHN“ genannt wird.

Damit wer­den die nach Maß­ga­be des Arbeits­recht­li­chen Rege­lungs­ge­set­zes (ARRG) des DWHN durch die gemein­sa­me, pari­tä­tisch besetz­te Arbeits­recht­li­che Kom­mis­si­on der Evan­ge­li­schen Kir­che in Hes­sen und Nas­sau und des DWHN gefass­ten Beschlüs­se zur Ände­rung die­ses Arbeits­ver­trags­rechts Inhalt des Arbeits­ver­trags. Des­halb ist auch die im Juli 2005 beschlos­se­ne Neu­fas­sung der AngAVO/DW von der arbeits­ver­trag­li­chen Bezug­nah­me erfasst. Die zu Grun­de lie­gen­den Arbeits­recht­li­chen Rege­lun­gen ent­spre­chen der Bestim­mung einer ver­trag­li­chen Leis­tungs­pflicht durch einen Drit­ten im Sin­ne von § 317 Abs. 1 BGB. Sie ist nicht grob unbil­lig im Sin­ne von § 319 Abs. 1 BGB. In der Fol­ge beträgt des­halb die neu gere­gel­te regel­mä­ßi­ge Arbeits­zeit seit dem 1. Okto­ber 2005 somit 40,0 statt bis­her 38,5 Wochen­stun­den. Auch der bereits im Mai 2005 beschlos­se­ne Weg­fall eines Urlaubs­gel­des ist wirk­sam.

Eine Kin­der­kran­ken­schwes­ter, die seit 1981 in einem Kran­ken­haus ange­stellt ist, des­sen Trä­ger-GmbH Mit­glied im DWHN ist, hat­te auf­grund der Ände­rung der AngAVO/DW seit dem 1. Okto­ber 2005 zwar 40 Wochen­stun­den gear­bei­tet. Sie war jedoch der Auf­fas­sung, dass sie nur zu einer Leis­tung von 38,5 Wochen­stun­den ver­pflich­tet gewe­sen sei und klag­te für die dar­über hin­aus geleis­te­te Arbeit Über­stun­den­ver­gü­tung ein. Die Ände­rung der AngAVO/DW sei durch die arbeits­ver­trag­li­che Ver­wei­sungs­klau­sel nicht mehr gedeckt, da der BAT in der Neu­fas­sung der AngAVO/DW nicht mehr aus­drück­lich in Bezug genom­men wer­de. Aus dem glei­chen Grund ver­lang­te sie auch für das Jahr 2005 ein Urlaubs­geld in der bis­her gezahl­ten Höhe.

Die Revi­si­on der Beklag­ten gegen das kla­ge­statt­ge­ben­de Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat­te vor dem Vier­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts Erfolg. Die AngAVO/DW ist in ihrer jewei­li­gen Fas­sung von den Arbeits­ver­trags­par­tei­en als Inhalt des Arbeits­ver­hält­nis­ses ver­ein­bart wor­den. Die for­mell ord­nungs­ge­mäß zustan­de gekom­me­nen Beschlüs­se der Arbeits­recht­li­chen Kom­mis­si­on haben die AngAVO/DW wirk­sam geän­dert, so dass die Klä­ge­rin für ihre Ansprü­che kei­ne recht­li­che Grund­la­ge hat.

In drei wei­te­ren Fäl­len des­sel­ben und eines ande­ren Mit­glie­des des DWHN, die die Arbeits­zeit sowie Ansprü­che auf ein Urlaubs­geld und eine Zuwen­dung betra­fen, hat der Vier­te Senat die Kla­gen eben­falls abge­wie­sen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 10. Dezem­ber 2008 — 4 AZR 801/07 -
Vor­in­stanz: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 27. Juli 2007 — 3 Sa 680/07 -