(Stutt­gart) Schlie­ßen ein Insol­venz­ver­wal­ter und die Gewerk­schaft einen Sanie­rungs­ta­rif­ver­trag kann die­ser nach einem Betriebs­über­gang auf eine nicht tarif­ge­bun­de­ne Erwer­be­rin nicht durch Kün­di­gungs­er­klä­rung ihr gegen­über been­det wer­den. Eine Teil­kün­di­gung des Arbeit­neh­mers bezo­gen auf die nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB trans­for­mier­ten Rech­te und Pflich­ten des Tarif­ver­tra­ges ist nicht mög­lich.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 26.08.2009, Az.: 4 AZR 280/08.

Der Klä­ger war bei der Insol­venz­schuld­ne­rin beschäf­tigt. Für sein Arbeits­ver­hält­nis gal­ten kraft bei­der­sei­ti­ger Tarif­bin­dung die Ver­bands­ta­rif­ver­trä­ge. Der Insol­venz­ver­wal­ter schloss mit der IG Metall einen befris­te­ten und jeweils zum Monats­en­de künd­ba­ren Sanie­rungs­ta­rif­ver­trag, der u.a. eine gegen­über den Ver­bands­ta­rif­ver­trä­gen län­ge­re Arbeits­zeit ohne Lohn­aus­gleich und eine Lohn­kür­zung regel­te. Zum 1. Juli 2006 erwarb die nicht tarif­ge­bun­de­ne Beklag­te den Betrieb. Ihr gegen­über kün­dig­te die IG Metall im Juli 2006 den Sanie­rungs­ta­rif­ver­trag. Der Klä­ger „geneh­mig­te” die­se Kün­di­gung und erklär­te hilfs­wei­se die Kün­di­gung sämt­li­cher “kol­lek­ti­ven und indi­vi­du­el­len Ver­ein­ba­run­gen, die … anläss­lich des Sanie­rungs­ta­rif­ver­trags getrof­fen wor­den waren, erneut frist­ge­recht”. Der Klä­ger ver­langt von der Beklag­ten die Zah­lung von Dif­fe­renz­be­trä­gen für die Mona­te Juli bis Okto­ber 2006, die sich bei Anwen­dung der Ver­bands­ta­rif­ver­trä­ge anstel­le des Sanie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges erge­ben wür­den.

Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on des Klä­gers blieb vor dem Vier­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts erfolg­los, betont Henn.

Für sein Arbeits­ver­hält­nis waren die Bestim­mun­gen des Sanie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges maß­ge­bend. Ob der Betriebs­über­gang zu einem Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge für den Sanie­rungs­ta­rif­ver­trag führt, war nicht erheb­lich. Geschäfts­grund­la­ge einer Trans­for­ma­ti­on der arbeits­ver­trag­li­chen Rech­te und Pflich­ten nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB ist allein die nor­ma­ti­ve Gel­tung der Tarif­re­ge­lun­gen im Arbeits­ver­hält­nis vor dem Betriebs­über­gang. Der Betriebs­über­gang führ­te nicht dazu, dass die Beklag­te Par­tei des Sanie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges wur­de. Die Kün­di­gung der IG Metall konn­te daher nicht gegen­über der Erwer­be­rin erfol­gen. Dem Klä­ger stand ein auf die Rege­lun­gen des Sanie­rungs­ta­rif­ver­trags bezo­ge­nes Kün­di­gungs­recht nicht zu.

Henn emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.    

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Micha­el Henn 
Rechts­an­walt
Fach­an­walt für Erbrecht
Fach­an­walt für Arbeits­recht      
VdAA — Prä­si­dent          
Rechts­an­wäl­te Dr. Gaupp & Coll       
Theo­dor-Heuss-Str. 11        
70174 Stutt­gart          
Tel.: 0711/30 58 93–0
Fax: 0711/30 58 93–11          
stuttgart@drgaupp.de      
www.drgaupp.de