Anru­fe bei kos­ten­pflich­ti­gen Gewinn­spiel-Hot­lines über das Dienst­te­le­fon in den Arbeits­pau­sen recht­fer­ti­gen kei­ne frist­lo­se Kün­di­gung, wenn die Pri­vat­nut­zung grund­sätz­lich erlaubt und nur der Umfang der Pri­vat­nut­zung nicht betrieb­lich gere­gelt ist.

Dar­auf ver­weist der Bre­mer Fach­an­walt für Arbeits­recht und Gewerb­li­chen Rechts­schutz Klaus-Die­ter Fran­zen, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Bre­men“ des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V., unter Hin­weis auf eine Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts  Düs­sel­dorf mit Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2015 (Az.: 12 Sa 630/15).

Die Klä­ge­rin war seit dem 1. Febru­ar 2014 bei der Beklag­ten, einem Klein­be­trieb, als Büro­kauf­frau tätig. Den Mit­ar­bei­tern der Beklag­ten war es gestat­tet, über die Tele­fon­an­la­ge des Arbeit­ge­bers kos­ten­los pri­va­te Anru­fe zu täti­gen. Eine Rege­lung über Anru­fe bei kos­ten­pflich­ti­gen Son­der­ruf­num­mern bestand nicht.

Im Janu­ar 2015 hat­te die Klä­ge­rin in den Arbeits­pau­sen mehr­mals die Hot­line eines Radio­sen­ders ange­ru­fen, um an einem Gewinn­spiel teil­zu­neh­men. Jeder Anruf kos­te­te 0,50 €. Die Tele­fon­rech­nung für Janu­ar 2015 mit 37 Ein­hei­ten für Son­der­ruf­num­mern scann­te die Klä­ge­rin ein. Sie wies nicht auf die von ihr geführ­ten Anru­fe bei dem Gewinn­spiel hin. Nach­dem der Geschäfts­füh­rer der Beklag­ten die 37 Ein­hei­ten auf­ge­fal­len waren, sprach er die Klä­ge­rin dar­auf an. Am nächs­ten Mor­gen räum­te die Klä­ge­rin die Anru­fe bei der Gewinn­spiel­hot­line ein und bot an, einen Betrag von 18,50 € zu erstat­ten. Drei Tage spä­ter kün­dig­te die Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis der Klä­ge­rin frist­los und hilfs­wei­se frist­ge­recht.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf hat eben­so wie zuvor schon das Arbeits­ge­richt Wesel die frist­lo­se Kün­di­gung als unwirk­sam ange­se­hen.

Das Gericht wer­te­te zwar das Ver­hal­ten der Klä­ge­rin als Pflicht­ver­let­zung. Denn die Erlaub­nis pri­va­te Tele­fo­na­te zu füh­ren berech­tig­te nach Auf­fas­sung der Düs­sel­dor­fer Rich­ter nicht auch dazu, bei kos­ten­pflich­ti­gen Gewinn­spiel­hot­lines anzu­ru­fen. Aller­dings sei die Pflicht­ver­let­zung nicht so gewich­tig, um eine frist­lo­se Kün­di­gung zu recht­fer­ti­gen. Zur Begrün­dung führ­te das Gericht an, dass bei der Beklag­ten der Umfang der Pri­vat­nut­zung betrieb­lich nicht gere­gelt sei. Dies min­de­re den Ver­schul­dens­vor­wurf gegen­über der Klä­ge­rin. Fer­ner habe die Klä­ge­rin in den Pau­sen tele­fo­niert. Schließ­lich habe die Beklag­te trotz des Bestrei­tens der Klä­ge­rin die genaue Anzahl der ihr zuzu­rech­nen­den Anru­fe nicht aus­rei­chend dar­ge­legt. Wegen der Tätig­keit im Klein­be­trieb stand die ordent­li­che Kün­di­gung nicht im Streit.

Für die Nut­zung des dienst­li­chen Tele­fons zu pri­va­ten Zwe­cken gel­ten grund­sätz­lich die glei­chen Rege­lun­gen wie für die pri­va­te Nut­zung des Inter­nets. Der Fall zeigt sehr deut­lich, wel­che Pro­ble­me auf­tre­ten kön­nen, wenn kei­ne kla­ren Rege­lun­gen über den erlaub­ten Umfang der pri­va­ten Nut­zung von Tele­fo­nie und Inter­net durch die Mit­ar­bei­ter bestehen. Unter­neh­men und Betriebs­rä­ten ist des­halb drin­gend zu emp­feh­len, so kon­kret wie mög­lich Rege­lun­gen über die Zuläs­sig­keit, den Umfang, die zeit­li­che Lage und die Kon­trol­le der pri­va­ten Nut­zung fest­zu­le­gen bzw. zu ver­ein­ba­ren.

Fran­zen emp­fahl, dies zu beach­ten und riet, bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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