(Stutt­gart) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat ent­schie­den, dass kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung wegen einer Schwer­be­hin­de­rung bei unter­las­se­ner Durch­füh­rung des Prä­ven­ti­ons­ver­fah­rens nach § 84 Abs. 1 SGB IX in den ers­ten sechs Mona­ten des Arbeits­ver­hält­nis­ses vor­liegt.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 21.04.2016 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 8 AZR 402/14.

Die mit einem Grad von 50 schwer­be­hin­der­te Klä­ge­rin war seit dem 1. Okto­ber 2012 beim beklag­ten Land als Lei­te­rin der Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit Qualitätsmanagement/Controlling des Lan­des­kri­mi­nal­amts (LKA) beschäf­tigt. Die Par­tei­en hat­ten im Arbeits­ver­trag eine Pro­be­zeit von sechs Mona­ten ver­ein­bart. In einem Per­so­nal­ge­spräch am 11. Febru­ar 2013 teil­te der Prä­si­dent des LKA der Klä­ge­rin mit, dass er beab­sich­ti­ge, das Arbeits­ver­hält­nis mit Ablauf der Pro­be­zeit zu been­den. Mit Schrei­ben vom 8. März 2013 kün­dig­te das beklag­te Land das Arbeits­ver­hält­nis zum 31. März 2013. Die Klä­ge­rin hat die­se Kün­di­gung nicht mit einer Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ange­grif­fen. Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren macht sie einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG gel­tend. Sie meint, das beklag­te Land habe sie dadurch, dass es das Prä­ven­ti­ons­ver­fah­ren nach § 84 Abs. 1 SGB IX nicht durch­ge­führt habe, wegen ihrer Schwer­be­hin­de­rung dis­kri­mi­niert. Das Prä­ven­ti­ons­ver­fah­ren sei eine beson­de­re Schutz­maß­nah­me zur Ver­mei­dung von Nach­tei­len für Schwer­be­hin­der­te sowie eine „ange­mes­se­ne Vor­keh­rung“ iSv. Art. 2 der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on (UN-BRK) und des Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG. Wer­de eine sol­che Vor­keh­rung nicht getrof­fen, sei dies als Dis­kri­mi­nie­rung zu wer­ten. Dadurch, dass das beklag­te Land das Prä­ven­ti­ons­ver­fah­ren nicht durch­ge­führt habe, sei ihr die Mög­lich­keit genom­men wor­den, etwai­ge behin­de­rungs­be­ding­te Fehl­leis­tun­gen zu behe­ben.

Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te vor dem Ach­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­nen Erfolg. Das Prä­ven­ti­ons­ver­fah­ren nach § 84 Abs. 1 SGB IX selbst ist kei­ne “ange­mes­se­ne Vor­keh­rung” iSv. Art. 2 UN-BRK und des Art. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG. Zudem ist der Arbeit­ge­ber nicht ver­pflich­tet, inner­halb der ers­ten sechs Mona­te des Arbeits­ver­hält­nis­ses (War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG) ein Prä­ven­ti­ons­ver­fah­ren nach § 84 Abs. 1 SGB IX durch­zu­füh­ren.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeits­recht
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