(Stutt­gart) In lebens­mit­tel­ver­ar­bei­ten­den Betrie­ben hat der Arbeit­ge­ber dafür zu sor­gen, dass sei­ne Arbeit­neh­mer sau­be­re und geeig­ne­te Hygi­e­neklei­dung tra­gen. Zu sei­nen Pflich­ten gehört auch die Rei­ni­gung die­ser Klei­dung auf eige­ne Kos­ten.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.06.2016 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 9 AZR 181/15.

Der Klä­ger ist im Schlacht­hof der Beklag­ten im Bereich der Schlach­tung beschäf­tigt. Die Beklag­te stellt dem Klä­ger für sei­ne Tätig­keit wei­ße Hygi­e­neklei­dung zur Ver­fü­gung. Für die Rei­ni­gung die­ser Klei­dung zieht sie ihm monat­lich 10,23 Euro vom Net­to­lohn ab.

Der Klä­ger begehrt die Fest­stel­lung, dass die­se Abzü­ge unbe­rech­tigt sind, und ver­langt für die Mona­te Janu­ar 2011 bis Febru­ar 2014 wegen der bereits vor­ge­nom­me­nen Abzü­ge eine Lohn­nach­zah­lung in Höhe von 388,74 Euro net­to. Das Arbeits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Revi­si­on der Beklag­ten hat­te vor dem Neun­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­nen Erfolg. Der Klä­ger ist nicht ver­pflich­tet, die Kos­ten der Rei­ni­gung der Hygi­e­neklei­dung zu tra­gen und die­se der Beklag­ten gemäß § 670 BGB zu erstat­ten. Die Vor­schrift beruht auf dem all­ge­mei­nen Grund­satz, dass die Kos­ten von dem­je­ni­gen zu tra­gen sind, in des­sen Inter­es­se das Geschäft oder die Hand­lung vor­ge­nom­men wur­de. Die Beklag­te hat die Rei­ni­gungs­kos­ten nicht im Inter­es­se des Klä­gers, son­dern im Eigen­in­ter­es­se auf­ge­wen­det. Nach Anhang II Kapi­tel VIII Nr. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 852/2004 vom 29. April 2004 über Lebens­mit­tel­hy­gie­ne und gemäß Nr. 3 Buchst. b der Anla­ge 2 zu § 5 Abs. 1 Satz 1 der natio­na­len Lebens­mit­tel­hy­gie­ne-Ver­ord­nung müs­sen Per­so­nen, die in einem Bereich arbei­ten, in dem mit Lebens­mit­teln umge­gan­gen wird, geeig­ne­te und sau­be­re Arbeits­klei­dung tra­gen. Nach Nr. 5.1 der Anla­ge 1.1 der AVV Lebens­mit­tel­hy­gie­ne ist die Arbeits­klei­dung geeig­net, wenn sie hell, leicht wasch­bar und sau­ber ist und die per­sön­li­che Klei­dung voll­stän­dig bedeckt.

Der Senat muss­te nicht ent­schei­den, ob der Arbeit­ge­ber mit dem Arbeit­neh­mer wirk­sam ver­ein­ba­ren kann, dass der Arbeit­neh­mer die Kos­ten der Rei­ni­gung zu tra­gen hat. Eine sol­che Ver­ein­ba­rung wur­de hier weder aus­drück­lich noch kon­klu­dent getrof­fen.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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Micha­el Henn
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