(Stutt­gart) Allein die Ein­füh­rung eines neu­en tak­ti­schen Kon­zepts durch einen neu­en Trai­ner und der damit ver­bun­de­ne Ein­satz der Spie­ler auf neue Posi­tio­nen recht­fer­tigt nicht den Aus­spruch einer betriebs­be­ding­ten Kün­di­gung. Außer­dem sind im Rah­men der erfor­der­li­chen Sozi­al­aus­wahl sämt­li­che Feld­spie­ler einer Fuß­ball­mann­schaft als ver­gleich­bar anzu­se­hen, hat das Arbeits­ge­richt Rosen­heim (Az.: 1 Ca 621/13) in einem jüngst ver­öf­fent­lich­ten Urteil ent­schie­den.

Der Klä­ger ist bei der Beklag­ten seit Juli 2012 als Feld­spie­ler in der 3. Liga mit einem monat­li­chen Grund­ge­halt von 9.500,00 € brut­to zzgl. Prä­mi­en beschäf­tigt. Der Ver­trag sah zunächst eine Befris­tung bis zum 30. Juni 2014 vor, es sei denn, dass der Arbeit­ge­ber den Ver­trag bis zum 30.04. des jewei­li­gen Jah­res für das kom­men­de Jahr kün­digt. Mit Schrei­ben vom 29. April 2013 kün­dig­te die Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis nach ihrer Berech­nung zum 30. Juni 2013.

Die Beklag­te recht­fer­tig­te die Kün­di­gung mit betriebs­be­ding­ten Grün­den.

Die Spon­so­ren­mit­tel hät­ten sich fast hal­biert. Der Anteil des Klä­gers am Gesamt­per­so­nal­auf­wand habe 10 % betra­gen. Eine Gehalts­re­du­zie­rung habe der Klä­ger abge­lehnt, was aller­dings von dem Klä­ger bestrit­ten wur­de. Die Beklag­te habe die unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung gefasst, zur Kos­ten­er­spar­nis eine Umor­ga­ni­sa­ti­on der Mann­schaft vor­zu­neh­men, weil ansons­ten die Lizenz für die 3. Liga und damit der Fort­be­stand der Beklag­ten mas­siv gefähr­det sei­en. Der Klä­ger als „über­ra­gen­der” Spiel­ma­cher sei für das Mann­schafts­ge­fü­ge nicht mehr erfor­der­lich. Viel­mehr wol­le die Beklag­te die Punkt­spie­le in Zukunft mit einer „grund­so­li­den” Mann­schaft bestrei­ten. Die anfal­len­den „Arbei­ten” könn­ten von der ver­blie­be­nen Mann­schaft ent­spre­chend der Auf­stel­lung des Trai­ners erbracht wer­den. Eine Sozi­al­aus­wahl sei nicht erfor­der­lich, da die ande­ren Fuß­bal­ler nicht mit dem Klä­ger ver­gleich­bar sei­en.

Das Gericht gab der gegen die Kün­di­gung gerich­te­ten Kla­ge statt.

Nach Auf­fas­sung des Gerichts hat die Beklag­te schon nicht aus­rei­chend kon­kret zu einem Ange­bot auf Redu­zie­rung des Gehal­tes vor­ge­tra­gen. Außer­dem habe es die Beklag­te ver­säumt dar­zu­le­gen, war­um anstel­le der Been­di­gungs­kün­di­gung als mil­de­res Mit­tel kei­ne Ände­rungs­kün­di­gung mög­lich gewe­sen sein soll.

Schließ­lich sei die Beklag­te aber auch ver­pflich­tet gewe­sen, eine Sozi­al­aus­wahl durch­zu­füh­ren. Der Klä­ger war als (Mittel-)Feldspieler beschäf­tigt. Er sei des­halb mit sämt­li­chen Feld­spie­lern der Beklag­ten ver­gleich­bar. Auch wenn der Klä­ger ein über­ra­gen­der Spiel­ma­cher sei, so lie­ge es an den Anwei­sun­gen des Trai­ners der Beklag­ten gegen­über dem Klä­ger, wie er sich in das Mann­schafts­ge­fü­ge bei der Beklag­ten ein­zu­ord­nen habe. Dazu habe der Trai­ner der Beklag­ten dem Klä­ger durch kon­kre­te Spiel­an­wei­sun­gen zu ver­deut­li­chen, dass er „Glei­cher unter Glei­chen” sei und mann­schafts­dien­lich spie­len sol­le und müs­se. Für die Kam­mer war nicht nach­voll­zieh­bar, war­um das beim gro­ßem FC Bay­ern Mün­chen mög­lich ist, nicht aber bei der Beklag­ten.

Das Urteil ist rechts­kräf­tig.

Fran­zen emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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