(Stutt­gart) Arbeit­ge­ber und Betriebs­rat kön­nen Aus­wahl­richt­li­ni­en im Sinn von § 1 Abs. 4 KSchG spä­ter oder zeit­gleich — etwa bei Abschluss eines Inter­es­sen­aus­gleichs
mit Namens­lis­te — ändern. Set­zen sich die Betriebs­par­tei­en in einem bestimm­ten Punkt gemein­sam über die Aus­wahl­richt­li­nie hin­weg, gilt die Namens­lis­te.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter
Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 24.10.2013 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 6 AZR 854/11.

Der 1970 gebo­re­ne, unver­hei­ra­te­te Klä­ger war seit 1998 als Werk­zeug­ma­cher bei der Insol­venz­schuld­ne­rin, einem Unter­neh­men der
Auto­mo­bil­zu­lie­fer­indus­trie, beschäf­tigt. Im Dezem­ber 2009 wur­de über das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und der Beklag­te zum
Insol­venz­ver­wal­ter bestellt. Der Beklag­te und der Betriebs­rat schlos­sen am 10. Febru­ar 2010 einen Inter­es­sen­aus­gleich, der eine Aus­wahl­richt­li­nie und
eine Namens­lis­te ent­hielt. Der Klä­ger wies nach dem Punk­te­sche­ma der Aus­wahl­richt­li­nie zwei Sozi­al­punk­te mehr als der Arbeit­neh­mer Y auf, der
der Ver­gleichs- und Alters­grup­pe des Klä­gers zuge­ord­net war. Die Namens­lis­te nann­te den­noch den Namen des Klä­gers. Von den sie­ben Arbeits­ver­hält­nis­sen der
Ver­gleichs- und Alters­grup­pe des Klä­gers wur­de nur sein Arbeits­ver­hält­nis mit Schrei­ben vom 12. Febru­ar 2010 ordent­lich zum 31. Mai 2010 gekün­digt.
Mit der Kla­ge wen­det sich der Klä­ger gegen die Kün­di­gung. Er meint, die sozia­le Aus­wahl sei grob feh­ler­haft, weil der Beklag­te sein Arbeits­ver­hält­nis und nicht
das des Arbeit­neh­mers Y gekün­digt habe. Die Aus­wahl­richt­li­nie räu­me dem Arbeit­ge­ber kei­nen Beur­tei­lungs­spiel­raum ein.

Die Vor­in­stan­zen haben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Sie haben ange­nom­men, die Kün­di­gung ver­sto­ße gegen die Aus­wahl­richt­li­nie. Die Sozi­al­aus­wahl sei des­halb
grob feh­ler­haft. Die Revi­si­on des Beklag­ten hat­te vor dem Sechs­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts Erfolg, so Henn.

Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt gege­be­nen Begrün­dung kann der Kla­ge nicht statt­ge­ge­ben wer­den. Die Betriebs­par­tei­en wichen in der Namens­lis­te über­ein­stim­mend und wirk­sam von der Aus­wahl­richt­li­nie ab. Der Senat hat die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Auf der Grund­la­ge des bis­her fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts steht noch nicht fest, ob die Kün­di­gung wirk­sam ist.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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