(Stutt­gart) Auf Eil­an­trag der Stadt Kiel unter­sag­te das Arbeits­ge­richt Kiel mit Urteil vom 18.05.2009 der Gewerk­schaft ver.di, die Kita-Mit­ar­bei­ter für den 19.05.2009 zum Streik auf­zu­ru­fen. Der Streik sei rechts­wid­rig.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf eine am 05.06.2009 ver­öf­fent­lich­tes Mit­tei­lung des Arbeits­ge­richts Kiel zum Urteil vom 18.05.2009, Az.: öD 4 Ga 23 b/09.

Am 20.01.2009 nah­men die Tarif­ver­trags­par­tei­en (Gewerk­schaft ver.di und die Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Arbeit­ge­ber­ver­bän­de VKA) Tarif­ver­hand­lun­gen für die Ein­grup­pie­rungs­re­ge­lun­gen der Beschäf­tig­ten im Sozi­al- und Erzie­hungs­dienst auf. Die Ver­tre­ter von ver.di for­der­ten zu dem Zeit­punkt bereits, die Ver­hand­lun­gen auf tarif­li­che Rege­lun­gen zur Gesund­heits­för­de­rung und zum Gesund­heits­schutz aus­zu­deh­nen.

Am 09.04.2009 for­der­te ver.di die VKA zur Auf­nah­me von Tarif­ver­hand­lun­gen für die Gesund­heits­för­de­rung am 29.04.2009 in Ber­lin auf. Am 17.04.2009 wies die VKA die nicht abge­stimm­te Ein­la­dung zu die­sen Tarif­ver­hand­lun­gen zurück und ver­wies dar­auf, dass sie nach ihrer Prä­si­di­ums­sit­zung am 26.05.2009 auf den gefor­der­ten Tarif­ver­trag zur Gesund­heits­för­de­rung reagie­ren wer­de. Nach einer Urab­stim­mung teil­te der Bun­des­vor­stand von ver.di am 14.05.2009 mit, dass die Kita-Beschäf­tig­ten ab dem 15.05.2009 zu unbe­fris­te­ten Streiks auf­ge­ru­fen sei­en. Ver.di kün­dig­te der Stadt Kiel am 14.05.2009 für Frei­tag, den 15.05.2009, und für Diens­tag, den 19.05.2009, Streiks in den städ­ti­schen Kitas an.

Auf Eil­an­trag der Stadt Kiel unter­sag­te das Arbeits­ge­richt Kiel mit Urteil vom 18.05.2009 der Gewerk­schaft ver.di, die Kita-Mit­ar­bei­ter für den 19.05.2009 zum Streik auf­zu­ru­fen, betont Klar­mann. Der Streik sei rechts­wid­rig.

Zum einen ver­sto­ße der ange­kün­dig­te Streik gegen das ulti­ma-ratio-Prin­zip. Danach sei ein Arbeits­kampf erst nach Aus­schöp­fung aller Ver­hand­lungs­mög­lich­kei­ten zuläs­sig. Tarif­ver­hand­lun­gen hät­ten vor­lie­gend indes­sen noch gar nicht statt­ge­fun­den. Die VKA habe die Auf­nah­me von Tarif­ver­hand­lun­gen auch nicht von vorn­her­ein abge­lehnt, son­dern sich einen ange­mes­se­nen Zeit­raum bis Ende Mai 2009 für die Mei­nungs­bil­dung und Her­bei­füh­rung eines Ver­hand­lungs­man­dats erbe­ten. Es drän­ge sich der Ein­druck auf, dass ent­ge­gen der bekun­de­ten Äuße­rung ver.di das Ziel ver­fol­ge, durch das The­ma Gesund­heits­schutz Druck auf die Ein­grup­pie­rungs­ver­hand­lun­gen aus­zu­üben, für die indes­sen unstrei­tig die Frie­dens­pflicht gel­te.

Zum ande­ren wer­de der Arbeits­kampf vor­lie­gend nicht zur Durch­set­zung von recht­mä­ßi­gen Tarif­for­de­run­gen benutzt. Der gefor­der­te Tarif­ver­trag zur Gesund­heits­för­de­rung mit der Sta­tu­ie­rung einer betrieb­li­chen Kom­mis­si­on ver­sto­ße gegen das Mit­be­stim­mungs­recht Schles­wig-Hol­stein. Der Per­so­nal­rat habe bei Maß­nah­men zur Ver­hü­tung von Dienst- und Arbeits­un­fäl­len nach dem Mit­be­stim­mungs­recht Schles­wig-Hol­stein (MBG) ein Mit­be­stim­mungs­recht. Sofern es dies­be­züg­lich nicht zu einer Eini­gung zwi­schen Arbeit­ge­ber und Per­so­nal­rat kom­me, habe hier­über nach dem MBG zwin­gend die Eini­gungs­stel­le zu ent­schei­den (§§ 51 Abs. 1, 54 Abs. 4 Nr. 4 MBG). Von dem nach dem MBG vor­ge­se­he­nen Eini­gungs­stel­len­ver­fah­ren kön­ne nicht auf­grund abwei­chen­der tarif­li­cher Rege­lun­gen abge­wi­chen wer­den, § 90 MBG.

Durch den gefor­der­ten Tarif­ver­trag wür­den die Befug­nis­se der Eini­gungs­stel­le in unzu­läs­si­ger Wei­se auf die betrieb­li­che Kom­mis­si­on über­tra­gen. Da nach dem Tarif­ver­trag die Letzt­ent­schei­dun­gen der betrieb­li­chen Kom­mis­si­on ohne Rück­sicht auf die Vor­ga­ben des Haus­halts­rechts zu erfül­len sei­en, ver­sto­ße der Tarif­ver­trag zudem gegen das Demo­kra­tie­prin­zip des Art. 28 GG — Grund­ge­setz, d.h. — das heißt die ver­fas­sungs­mä­ßig geschütz­te Gewähr­leis­tung der Selbst­ver­wal­tung und die damit ver­bun­de­ne finan­zi­el­le Eigen­ver­ant­wor­tung der Kom­mu­nen.

Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil  zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.   

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