(Stutt­gart) Das Wup­per­ta­ler Arbeits­ge­richt hat dem Euro­päi­schen Gerichts­hof gemäß Art. 234 EGV eine Fra­ge zu Urlaubs­ab­gel­tungs­an­sprü­chen eines lang­jäh­rig erkrank­ten Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt.

Dar­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Fach­an­walt für Arbeits­recht Kars­ten Haa­se, Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „EU — Arbeits­recht” des VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf den Beschluss des Arbeits­ge­richts Wup­per­tal vom 19.11.2009, Az.: 7 Ca 2453/09.

Damit hat das Gericht dem Euro­päi­schen Gerichts­hof gemäß Art. 234 EGV fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

  • Umfasst der Begriff des Arbeit­neh­mers im Sin­ne des Arti­kel 7 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 2003/88/EG (= Arti­kel 7 der Richt­li­nie 93/104/EG) (Juris: EGRL 88/2003 und EGRL 104/93) auch einen Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts, deren auf Grund bun­des­ge­setz­li­cher Ermäch­ti­gung (§ 351 RVO) erlas­se­nes auto­no­mes Sat­zungs­recht für die Urlaubs­an­sprü­che des Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten auf die für Beam­te gel­ten­den Vor­schrif­ten (hier: § 101 Lan­des­be­am­ten­ge­setz NW i.V.m. der Ver­ord­nung über den Erho­lungs­ur­laub der Beam­tin­nen und Beam­ten und Rich­te­rin­nen und Rich­ter im Lan­de Nord­rhein West­fa­len) ver­weist?

Dem Ver­fah­ren liegt fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de, so Haa­se:

Der Klä­ger war bis zum 31.3.2009 bei einer gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung in Wup­per­tal als Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ter beschäf­tigt. Da er sei­nen Urlaub auf­grund län­ge­rer Erkran­kung nicht voll­stän­dig bis zur Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses in natu­ra neh­men konn­te, macht er gegen­über der Beklag­ten unter Beru­fung auf das Urteil des EuGH vom 20.01.2009 (C‑350/06 — Schultz-Hoff, NZA 2009, 135) Urlaubs­ab­gel­tungs­an­sprü­che gel­tend.

Die Beklag­te ist hin­ge­gen der Auf­fas­sung, dass sich das Rechts­ver­hält­nis eines Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten nach beam­ten­recht­li­chen Grund­sät­zen rich­te. Sie lehnt eine Zah­lung mit der Begrün­dung ab, dass es an einer Anspruchs­grund­la­ge feh­le, da das nord­rhein-west­fä­li­sche Beam­ten­recht kei­ne Urlaubs­ab­gel­tungs­an­sprü­che bei Beam­ten vor­se­he.

Nach Auf­fas­sung des Gerichts kommt es dar­auf an, ob der Klä­ger sich unmit­tel­bar auf Art. 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG als Anspruchs­grund­la­ge beru­fen kann.

Damit so Haa­se, hat der EuGH erneut Gele­gen­heit, zu einer Fra­ge des natio­na­len Urlaubs­rechts und des­sen Über­ein­stim­mung mit euro­päi­schem Recht Stel­lung zu neh­men, wie bereits in der — mitt­ler­wei­le — sagen­um­wo­be­nen Ent­schei­dung Schultz-Hoff (EuGH C — 350/06).

Haa­se emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und bei auf­kom­men­den Fra­gen dazu Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.

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Kars­ten Haa­se
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