Das sog. Fahr­per­so­nal­recht legt ua. fest, wie lan­ge Fah­rer im Stra­ßen­ver­kehr unun­ter­bro­chen ein Fahr­zeug len­ken dür­fen und wel­che Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen zwin­gend ein­zu­le­gen sind. Kenn­zeich­nend ist das Inein­an­der­grei­fen von EG-Recht und natio­na­lem Recht.

Die Vor­schrif­ten bezwe­cken die Sicher­heit im Stra­ßen­ver­kehr, den Gesund­heits­schutz der abhän­gig beschäf­tig­ten Fah­rer, das EG-Recht zusätz­lich die Gewähr­leis­tung des Wett­be­werbs im grenz­über­schrei­ten­den Stra­ßen­ver­kehrs­ge­wer­be. Der­zeit gel­ten ua. die Ver­ord­nung Nr. 561/2006/EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates (VO), gül­tig seit 11. April 2007, das Fahr­per­so­nal­ge­setz (FPersG) vom 6. Juli 2007 und die Fahr­per­so­nal­ver­ord­nung (FPersV) vom 22. Janu­ar 2008.

Die Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be (BVG) wen­den auf die bei ihnen beschäf­tig­ten Stra­ßen­bahn­fah­rer den ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­trag an. Der Tarif­ver­trag gestat­tet, die nach dem Arbeits­zeit­ge­setz oder nach der FPersV zu gewäh­ren­de Pau­se durch Lenk­zeit­un­ter­bre­chun­gen abzu­gel­ten, wenn deren Gesamt­dau­er min­des­tens ein Sechs­tel der im Dienst- und Fahr­plan vor­ge­se­he­nen Lenk­zeit beträgt.

Der Neun­te Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat die­se Hand­ha­bung der BVG nicht bean­stan­det. Stra­ßen­bahn­ver­kehr mit einer Lini­en­stre­cke bis zu 50 Kilo­me­tern unter­liegt nicht der VO Nr. 561/2006/EG. Den Fah­rern von Stra­ßen­bah­nen ist des­halb nicht, wie in Art. 7 VO vor­ge­schrie­ben, nach einer unun­ter­bro­che­nen Lenk­zeit von 4 ½ Stun­den eine Lenk­zeit­un­ter­bre­chung von 45 Minu­ten zu gewäh­ren. Eine sol­che Ver­pflich­tung des Arbeit­ge­bers ergibt sich auch nicht aus der FPersV. Eben­so wie die Vor­in­stan­zen hat der Neun­te Senat des­halb die auf die Gewäh­rung der Lenk­zeit­un­ter­bre­chung gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Novem­ber 2008 — 9 AZR 737/07 — mit einer Par­al­lel­sa­che
Vor­in­stanz: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 18. Juli 2007 — 21 Sa 656/07 -