(Stutt­gart) Nach § 9 Abs. 2 der Leis­tungs­ord­nung „A” des Esse­ner Ver­ban­des hat der Esse­ner Ver­band die von sei­nen Mit­glieds­un­ter­neh­men gewähr­ten Betriebs­ren­ten regel­mä­ßig zu über­prü­fen und ggf. den ver­än­der­ten Ver­hält­nis­sen anzu­pas­sen. Dabei muss sei­ne Ent­schei­dung bil­li­gem Ermes­sen (§ 315 Abs. 1 BGB) ent­spre­chen.

 

Dies ist nicht der Fall, wenn der Esse­ner Ver­band den von ihm ermit­tel­ten Anpas­sungs­be­darf der Betriebs­rent­ner um einen sog. bio­me­tri­schen Fak­tor min­dert, mit dem die höhe­ren Belas­tun­gen der Mit­glieds­un­ter­neh­men aus­ge­gli­chen wer­den sol­len, die dadurch ent­ste­hen, dass die Betriebs­rent­ner des Esse­ner Ver­ban­des län­ger leben als die Bezie­her von Ren­ten aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 30.09.2014 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 3 AZR 402/12.

Der Klä­ger erhält seit dem 1. Juli 1998 von sei­ner ehe­ma­li­gen Arbeit­ge­be­rin ein Ruhe­geld nach der Leis­tungs­ord­nung „A” des Esse­ner Ver­ban­des. Das Ruhe­geld wur­de auf­grund von Anpas­sungs­be­schlüs­sen des Esse­ner Ver­ban­des regel­mä­ßig, zuletzt jeweils zum 1. Janu­ar eines jeden Kalen­der­jah­res ange­ho­ben. Zum 1. Janu­ar 2008 erfol­ge eine Anhe­bung um 1,4 %, zum 1. Janu­ar 2009 um 2,5 %. Zu bei­den Anpas­sungs­stich­ta­gen brach­te der Esse­ner Ver­band einen bio­me­tri­schen Fak­tor in Höhe von 0,765 % min­dernd in Ansatz. Der Klä­ger hat mit sei­ner Kla­ge eine Anhe­bung sei­nes monat­li­chen Ruhe­gel­des zum 1. Janu­ar 2008 und 1. Janu­ar 2009 um jeweils 0,765 % begehrt.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge über­wie­gend statt­ge­ge­ben. Die hier­ge­gen von der Beklag­ten ein­ge­leg­te Revi­si­on blieb vor dem Drit­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts erfolg­los; der Klä­ger hat­te mit sei­ner Anschluss­re­vi­si­on Erfolg. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt gab der Kla­ge in vol­lem Umfang statt. Die zum 1. Janu­ar 2008 und 1. Janu­ar 2009 vom Esse­ner Ver­band getrof­fe­nen Anpas­sungs­be­schlüs­se ent­spra­chen wegen der Berück­sich­ti­gung des bio­me­tri­schen Fak­tors nicht bil­li­gem Ermes­sen. Daher war das monat­li­che Ruhe­geld des Klä­gers zu bei­den Anpas­sungs­stich­ta­gen um jeweils wei­te­re 0,765 % anzu­he­ben.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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