(Stutt­gart) Bei der Ent­schei­dung über die Bewer­bung auch von schwer­be­hin­der­ten Men­schen ist die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung selbst dann zu betei­li­gen, wenn die Ver­trau­ens­per­son der Schwer­be­hin­der­ten eben­falls zu den Bewer­bern gehört.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 22.08.2013 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 8 AZR 574/12.

Die Par­tei­en strei­ten um eine Ent­schä­di­gung nach dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG), weil sich der Klä­ger als schwer­be­hin­der­ter Mensch bei der Ent­schei­dung über sei­ne Bewer­bung dis­kri­mi­niert sieht. Bei der Beklag­ten, einer Spiel­bank, waren zwei Beför­de­rungs­stel­len als „Tisch­chef” aus­ge­schrie­ben. Dar­auf bewar­ben sich auch der bei der Beklag­ten gewähl­te Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­ter und der Klä­ger, der stell­ver­tre­ten­des Mit­glied der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ist. Die Beklag­te teil­te dem Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­ter mit, dass sie wegen der aus ihrer Sicht bestehen­den Inter­es­sen­kol­li­si­on weder ihn noch den Klä­ger als sei­nen Stell­ver­tre­ter an der Aus­wahl­ent­schei­dung betei­li­gen wer­de. Sie ent­schied sich schließ­lich für zwei ande­re Kan­di­da­ten. Bei der Aus­wahl­ent­schei­dung sieht sich der Klä­ger als schwer­be­hin­der­ter Mensch dis­kri­mi­niert, wor­auf die unter­las­se­ne Betei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung hin­wei­se.

Die Vor­in­stan­zen haben die Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on des Klä­gers hat vor dem Ach­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts Erfolg, so Henn

Bei der Ent­schei­dung über die Bewer­bung des Klä­gers hät­te die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nach § 81 SGB IX betei­ligt wer­den müs­sen. Dem stand nicht ent­ge­gen, dass sich die Ver­trau­ens­per­son der schwer­be­hin­der­ten Men­schen selbst und der Stell­ver­tre­ter auf eine der zu beset­zen­den Stel­len bewor­ben hat­ten. Einen mög­li­chen Inter­es­sen­kon­flikt zwi­schen Bewer­bern hät­te der Klä­ger ver­hin­dern kön­nen, indem er nach § 81 Abs. 1 Satz 10 SGB IX die Betei­li­gung des Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­ters als sei­nes direk­ten Kon­kur­ren­ten um die zu beset­zen­de Stel­le aus­drück­lich hät­te ableh­nen kön­nen. Dage­gen oblag es nicht dem Arbeit­ge­ber, von der gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Betei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung Abstand zu neh­men.

Der Senat hat die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Die­ses wird zu klä­ren haben, ob die Ver­let­zung der Pflich­ten zur För­de­rung schwer­be­hin­der­ter Men­schen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch IX vor­lie­gend eine Benach­tei­li­gung des Klä­gers wegen sei­ner Behin­de­rung indi­ziert und ob ggf. die Beklag­te ihre Vor­ge­hens­wei­se so zu recht­fer­ti­gen ver­mag, dass ein Ent­schä­di­gungs­an­spruch des Klä­gers nach AGG aus­schei­det.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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