(Stutt­gart) Der für Gesell­schafts­recht zustän­di­ge 2. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts  Dres­den hat ent­schie­den, dass bei der Elb­land­kli­ni­ken Mei­ßen Betei­li­gungs GmbH (Antrags­geg­ne­rin) ein Auf­sichts­rat nach den Vor­schrif­ten des Mit­be­stim­mungs­ge­set­zes (Mit­bestG) — also hälf­tig besetzt mit Arbeit­neh­mer­ver­tre­tern — zu bil­den ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VdAA  — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf den Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts  (OLG) Dres­den vom 15.04.2010 — 2 W 1174/09.

Die Antrags­geg­ne­rin ist allei­ni­ge per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­te­rin der Elb­land­kli­ni­ken Mei­ßen GmbH & Co. KG (Elb­land­kli­ni­ken KG). Deren Kom­man­di­tist und zugleich allei­ni­ger Gesell­schaf­ter der Antrags­geg­ne­rin ist der Land­kreis Mei­ßen. Die Elb­land­kli­ni­ken KG beschäf­tigt 1015 Mit­ar­bei­ter, hier­von 1005 im Geschäfts­be­reich der Kran­ken­häu­ser Meißen/Radebeul. Sie hat zudem drei Toch­ter­ge­sell­schaf­ten und hält mehr als 90 % des Stamm­ka­pi­tals der Elb­land­kli­ni­ken Rie­sa-Gro­ßen­hain gemein­nüt­zi­ge GmbH (Elb­land­kli­ni­ken gGmbH), in der z. Zt. 877 Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt sind.

Der Betriebs­rat der Elb­land­kli­ni­ken KG ver­langt im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren die Ein­rich­tung eines Auf­sichts­ra­tes nach dem Mit­bestG. Die Antrags­geg­ne­rin beruft sich dage­gen auf die Aus­nah­me­be­stim­mung des § 1 Abs. 4 Nr. 1 Mit­bestG, wonach Unter­neh­men, die über­wie­gend poli­ti­schen, kon­fes­sio­nel­len, kari­ta­ti­ven u. ä. Zwe­cken die­nen (sog. »ten­denz­ge­schütz­te Unter­neh­men«), von die­sem Gesetz nicht erfasst wer­den. Das Land­ge­richt hat dem Antrag des Betriebs­ra­tes statt­ge­ge­ben und die Beklag­te zur Bil­dung und Zusam­men­set­zung eines Auf­sichts­ra­tes nach dem Mit­bestG ver­pflich­tet.

Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beschwer­de der Antrags­geg­ne­rin blieb ohne Erfolg, betont Klar­mann.

Die Unter­neh­mens­grup­pe der Elb­land­kli­ni­ken bil­de einen Kon­zern, bei dem die maß­geb­li­che Min­dest­be­schäf­tig­ten­zahl von 2000 Arbeit­neh­mern bei gebo­te­ner Mit­be­rück­sich­ti­gung der übri­gen Kon­zern­un­ter­neh­men erreicht sei. Auf  die Pri­vi­le­gie­rung nach § 1 Abs. 4 Nr. 1 Mit­bestG kön­ne sich die Antrags­geg­ne­rin nicht beru­fen, da sich deren Lei­tungs­macht (unge­ach­tet einer vom Senat unter­stell­ten, kari­ta­ti­ven Zwe­cken die­nen­den Tätig­keit der Elb­land­kli­ni­ken gGmbH) ins­ge­samt über­wie­gend auf nicht ten­denz­ge­schütz­te Unter­neh­men bezie­he. Der Geschäfts­be­reich Meißen/Radebeul ver­fol­ge kei­ne ide­ell-geis­ti­gen Auf­ga­ben. Eine über die vol­le Kos­ten­de­ckung hin­aus­ge­hen­de Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht schlie­ße eine kari­ta­ti­ve Tätig­keit von vorn­her­ein aus. Ein Ver­zicht auf Gewinn­erzie­lung müs­se aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit in der Sat­zung nie­der­ge­legt sein. Hier­an feh­le es. Sowohl nach den Umsatz- als auch den Mit­ar­bei­ter­zah­len über­wie­ge damit im Kon­zern der nicht ten­denz­ge­schütz­te Bereich.

Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten sowie in Zwei­fels­fäl­len um Rechts­rat nach­zu­su­chen, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.    

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jens Klar­mann
Rechts­an­walt  
Fach­an­walt für Arbeits­recht  
VdAA – Vize­prä­si­dent   
c/o  Pas­sau, Nie­mey­er & Kol­le­gen  
Walk­er­damm 1      
24103 Kiel      
Tel.: 0431 – 974 300
Fax: 0431 – 974 3099 
j.klarmann@pani-c.de
www.pani-c.de