(Stutt­gart) Die Anhö­rung des Betriebs­ra­tes ist bei einer Kün­di­gung in der War­te­zeit schon dann ord­nungs­ge­mäß, wenn dem Betriebs­rat ledig­lich ein sub­jek­ti­ves Wert­ur­teil mit­ge­teilt wird, auf das die Kün­di­gung gestützt wird.

Das, so der Bre­mer Fach­an­walt für Arbeits­recht und Gewerb­li­chen Rechts­schutz Klaus-Die­ter Fran­zen, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Bre­men” des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V., ent­schied das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in einer jüngst ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dung (Az.: 6 AZR 121/12).

Das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz fin­det erst nach Ablauf einer sechs­mo­na­ti­gen War­te­zeit Anwen­dung. Die War­te­zeit dient der bei­der­sei­ti­gen Über­prü­fung der Arbeits­ver­trags­par­tei­en, ob sie das Arbeits­ver­hält­nis über die War­te­zeit hin­aus fort­set­zen wol­len. Da die Arbeits­ver­trags­par­tei­en oft auch eine Pro­be­zeit von sechs Mona­ten ver­ein­ba­ren, wer­den in der Pra­xis War­te­zeit und Pro­be­zeit syn­onym ver­wen­det. In der War­te­zeit besteht Kün­di­gungs­frei­heit auch des Arbeit­ge­bers. Gleich­wohl ist der Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet, vor dem Aus­spruch einer Kün­di­gung in der War­te­zeit den Betriebs­rat anzu­hö­ren.

Das BAG hat­te in sei­ner Ent­schei­dung zu klä­ren, wel­che Anfor­de­run­gen an den Inhalt der Anhö­rung zu stel­len sind, so Fran­zen.

Das beklag­te Unter­neh­men hör­te den Betriebs­rat zur beab­sich­ti­gen ordent­li­chen Kün­di­gung der Klä­ge­rin in der War­te­zeit an. Es teil­te dem Betriebs­rat die Sozi­al­da­ten der Klä­ge­rin, ihr Ein­tritts­da­tum, den Beschäf­ti­gungs­ort und die Kün­di­gungs­frist mit. Wei­ter hieß es:

Auf das Arbeits­ver­hält­nis fin­det das KSchG noch kei­ne Anwen­dung, es wur­de zudem eine 6‑monatige Pro­be­zeit ver­ein­bart. Eine Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses ist nicht in unse­rem Inter­es­se.”

Ent­ge­gen der Ent­schei­dung in der Vor­in­stanz wies das BAG die Kla­ge ab. Nach Auf­fas­sung des 6. Sena­tes war die Betriebs­rats­an­hö­rung nicht zu bean­stan­den.

Bei einer Kün­di­gung nach Ablauf der gesetz­li­chen War­te­frist muss der Arbeit­ge­ber sämt­li­che objek­ti­ven Merk­ma­le dar­le­gen, die ihm zu dem Kün­di­gungs­ent­schluss geführt haben. Die­ser Maß­stab gel­te indes nicht für eine Kün­di­gung in der gesetz­li­chen War­te­zeit. Viel­mehr genü­ge es, wenn der Arbeit­ge­ber in die­sen Fäl­len dem Betriebs­rat die Umstän­de mit­teilt, aus denen er sub­jek­tiv sei­nen Kün­di­gungs­ent­schluss her­lei­te.

Dem­entspre­chend sei dem Betriebs­rat bei einer auf einem sub­jek­ti­ven Wert­ur­teil beru­hen­den Kün­di­gung in der War­te­zeit nur die­ses Wert­ur­teil als der eigent­li­che Kün­di­gungs­grund mit­zu­tei­len. Die dem Urteil zu Grun­de lie­gen­den Erwä­gun­gen bzw. Ansatz­punk­te müs­sen auch dann nicht mit­ge­teilt wer­den, wenn sie einen sub­stan­zi­ier­ba­ren Tat­sa­chen­kern haben.

Danach genü­gen fol­gen­de Mit­tei­lun­gen den Anfor­de­run­gen an einer ord­nungs­ge­mä­ßen Betriebs­rats­an­hö­rung bei einer Kün­di­gung in der War­te­zeit:

• die Arbeit­neh­me­rin „habe sich wäh­rend der Pro­be­zeit nicht bewährt” und „sei nicht geeig­net, die ihr über­tra­ge­nen Auf­ga­ben ord­nungs­ge­mäß zu erfül­len” (BAG, NZA 2010, 1199);

• „nach unse­rer all­ge­mei­nen, sub­jek­ti­ven Ein­schät­zung genügt die Arbeit­neh­me­rin unse­ren Anfor­de­run­gen nicht” (BAG, NZA 1999, 477);

• der Arbeit­neh­mer habe „die in ihn gesetz­ten Erwar­tun­gen nicht erfüllt” (BAG, NZA 1995, 24);

• „Auf das Arbeits­ver­hält­nis fin­det das KSchG noch kei­ne Anwen­dung, es wur­de zudem eine sechs­mo­na­ti­ge Pro­be­zeit ver­ein­bart. Eine Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses ist nicht in unse­rem Inter­es­se” (BAG, NZA 2013, 1412).

Eine nähe­re Begrün­dung oder Dar­le­gung der Umstän­de, aus denen der Arbeit­ge­ber sein Wert­ur­teil her­ge­lei­tet hat, ist nicht erfor­der­lich und auch nicht zu emp­feh­len.

Fran­zen emp­fahl, dies zu beach­ten und riet er bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Klaus-Die­ter Fran­zen
Rechts­an­walt
Fach­an­walt für Arbeits­recht
Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz
—————————————————————-
Schwach­hau­ser Heer­str. 122
28209 Bre­men
Tele­fon: +49 421 20 53 99 44
Tele­fax: +49 421 20 53 99 66
franzen@franzen-legal.de