(Stutt­gart) Der Aus­spruch einer außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung gegen einen Mit­ar­bei­ter, der bewusst Tele­fon­kos­ten in Höhe von min­des­tens 123,12 € falsch abge­rech­net hat, ist wirk­sam.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Fach­an­walt für Arbeits­recht Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Kün­di­gungs­schutz­recht” des VdAA-Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf das soeben ver­öf­fent­lich­te Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg vom 18.11.2009 — 15 Sa 1588/09.

In dem Fall strit­ten die  Par­tei­en über die Wirk­sam­keit einer außer­or­dent­li­chen, hilfs­wei­se ordent­li­chen Kün­di­gung. Der Klä­ger ist seit dem 1. Janu­ar 1992 bei dem beklag­ten Land­kreis beschäf­tigt. Als dem Klä­ger erst­mals 1998 ein Dienst­han­dy über­ge­ben wur­de, wies ihn der Vor­ge­setz­te dar­auf hin, dass Pri­vat­ge­sprä­che zwar erlaubt sei­en, dies aber nicht über­trie­ben wer­den sol­le. Ab dem 1. Janu­ar 2007 galt bei dem Beklag­ten eine neue Dienst­ver­ein­ba­rung.  Danach ist bei Han­dys die Ein­rich­tung von Mail­bo­xen nicht gestat­tet. Die Nut­zung von ande­ren Diens­ten, aus­ge­nom­men SMS, ist eben­falls nicht erlaubt. SMS dür­fen nur in not­wen­di­gen Ein­zel­fäl­len ver­schickt wer­den und eine pri­va­te Nut­zung der Han­dys ist nur „in drin­gen­den Fäl­len” gestat­tet. Am 2. Janu­ar 2007 fand eine inter­ne Dienst­be­spre­chung statt, an der der Klä­ger auch teil­nahm. Auf die neue Dienst­ver­ein­ba­rung wur­de hin­ge­wie­sen.

Erst­mals für den Monat Janu­ar 2009 erhielt der Klä­ger zusätz­lich das Deck­blatt der Rech­nung für die ver­ur­sach­ten Han­dy­kos­ten. Aus die­sem war ersicht­lich, dass für den Monat 01/2009 447 SMS zum Net­to­preis von 75,99 € zu ver­gü­ten waren. Dar­über hin­aus waren 4 MMS zu einem Net­to­preis von 1,31 € auf­ge­führt. Ein Ein­zel­nach­weis über die SMS-Ver­bin­dun­gen erhielt der Klä­ger nie. Der Klä­ger frag­te die Sekre­tä­rin, wie die Gebüh­ren zu berech­nen sei­en, da nun­mehr auch SMS-Gesprä­che auf­ge­führt sei­en. Die Sekre­tä­rin ver­wies ihn auf den Hin­weis auf dem Infor­ma­ti­ons­blatt, wonach die­se Über­sicht kei­ne Zah­lungs­auf­for­de­rung sei, son­dern aus­schließ­lich der Infor­ma­ti­on die­ne. Er sol­le wie immer abrech­nen. Dar­auf­hin über­gab der Klä­ger sei­ne Abrech­nung. In dem Käst­chen „Sum­me der pri­va­ten Gesprächs- und SMS-Kos­ten” hat­te der Klä­ger 2,79 € ein­ge­tra­gen. Der Klä­ger erkun­dig­te sich einen Tag spä­ter auch bei Herrn B., dem Lei­ter der TUIV, wegen des zusätz­lich über­ge­be­nen Infor­ma­ti­ons­blat­tes. Die­ser ent­geg­ne­te, dass auch die pri­va­ten SMS abzu­rech­nen sei­en.

Im wei­te­ren Ver­lauf wur­de sodann anläss­lich der Über­prü­fun­gen der Abrech­nung des Dienst­han­dys fest­ge­stellt, dass der Klä­ger in den Mona­ten 09/08 bis 02/09 rd. 1.400 pri­va­te SMS ver­sandt hat­te, die Kos­ten von mehr als 220.– € ver­ur­sacht hat­te, er jedoch ins­ge­samt in den Mona­ten nur rd. 12,50 € für pri­va­te Zwe­cke ange­ge­ben hat­te. Dar­auf­hin zur Rede gestellt, behaup­te­te der Klä­ger fälsch­li­cher­wei­se, dass die SMS dienst­lich ver­ur­sacht gewe­sen sei­en. Tele­fon­kos­ten in Höhe von min­des­tens 123,12 € konn­ten ihm jedoch sodann als pri­vat ver­an­lasst nach­ge­wie­sen wer­den. Hier­auf wur­de dem Klä­ger die außer­or­dent­lich, frist­los gekün­digt, hilfs­wei­se ordent­lich, woge­gen er vor Gericht zog.

Jedoch ohne Erfolg, wie Kroll betont. Sowohl das Arbeits­ge­richt Neu­rup­pin in ers­ter Instanz als auch nun das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg wie­sen die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ab.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann ein erwie­se­ner Spe­sen­be­trug einen wich­ti­gen Grund zur frist­lo­sen Kün­di­gung nach § 626 BGB bil­den. Der Arbeit­neh­mer habe die ange­fal­le­nen Spe­sen grund­sätz­lich kor­rekt abzu­rech­nen. Unkor­rekt­hei­ten berech­ti­gen regel­mä­ßig zu einer frist­lo­sen Kün­di­gung und dies gel­te auch dann, wenn es sich um einen ein­ma­li­gen Vor­fall und um einen gerin­gen Betrag han­de­le.  Durch umfang­rei­che und nicht abge­rech­ne­te Pri­vat­ge­sprä­che ver­let­ze der Arbeit­neh­mer sei­ne arbeits­ver­trag­li­chen Pflich­ten und die Ver­mö­gens­in­ter­es­sen des Arbeit­ge­bers erheb­lich, was eben­falls Grund für eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung sein kön­ne.

Der Recht­spre­chung des BAG sei hier zu fol­gen, wobei hier offen blei­ben kön­ne, ob auch schon eine fal­sche Abrech­nung durch den Arbeit­neh­mer mit einem gering­fü­gi­gen Betrag eine frist­lo­se Kün­di­gung recht­fer­ti­gen kann. Das Ver­trau­en in die Red­lich­keit des Klä­gers sei hier schon des­we­gen end­gül­tig zer­stört, weil der Klä­ger in hohem Maße das dienst­lich gestell­te Han­dy pri­vat genutzt habe, er spä­tes­tens ab Über­ga­be der Tele­fon­rech­nung für Janu­ar 2009 ein­schließ­lich des Deck­blat­tes aber annä­hernd genau wuss­te, wel­che Kos­ten er hier­durch ver­ur­sach­te. Trotz die­ser Kennt­nis habe der Klä­ger wie­der­holt ver­sucht, das Aus­maß der pri­vat ver­an­lass­ten Kos­ten unter Hin­weis auf angeb­li­che dienst­li­che Inter­es­sen zu sei­nen Guns­ten zu ver­schlei­ern oder klein­zu­rech­nen. Er habe auch nur einen Bruch­teil der Kos­ten abge­rech­net.

Kroll emp­fahl, die­se Regeln zu beach­ten und bei auf­kom­men­den Fra­gen dazu sowohl auf Arbeit­ge­ber, als auch Arbeit­neh­mer­sei­te unver­züg­lich Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VdAA-Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeitsrecht/
Mas­ter of Insuran­ce Law
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