(Stutt­gart) Ein Arbeit­neh­mer, der von einem Betriebs­er­wer­ber die Fort­set­zung sei­nes Arbeits­ver­hält­nis­ses ver­langt, weil die­ser infol­ge des Betriebs­über­gangs sein neu­er Arbeit­ge­ber ist, hat die Fris­ten zu beach­ten, die er für einen Wider­spruch gegen den Über­gang sei­nes Arbeits­ver­hält­nis­ses ein­zu­hal­ten hät­te.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Fach­an­walt für Arbeits­recht Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Kün­di­gungs­schutz­recht“ des VdAA-Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG)  vom 27. Janu­ar 2011 — 8 AZR 326/09. 

Die Klä­ge­rin hat­te seit knapp zehn Jah­ren ein Arbeits­ver­hält­nis bei der V GmbH in Mag­de­burg. Die V GmbH führ­te in einem der Beklag­ten gehö­ren­den Druck­zen­trum die „Klein­pa­ket­fer­ti­gung“ durch, in der die Klä­ge­rin als Arbei­te­rin beschäf­tigt war. Die Beklag­te kün­dig­te die Ver­trä­ge mit der V GmbH zum 31. März 2007 und über­nahm ab 1. April 2007 die Klein­pa­ket­fer­ti­gung in ihrem Druck­zen­trum „in Eigen­re­gie“. Ab die­sem Zeit­punkt setz­te die Beklag­te Mit­ar­bei­ter eines Leih­ar­beits­un­ter­neh­mens bei der Klein­pa­ket­fer­ti­gung ein; bei der V GmbH ver­blie­be­ne Mit­ar­bei­ter erhiel­ten zum Druck­zen­trum kei­nen Zutritt mehr. Nach Frei­stel­lung kün­dig­te die V GmbH am 31. Juli 2007 das Arbeits­ver­hält­nis mit der Klä­ge­rin frist­ge­recht. Dage­gen erhob die Klä­ge­rin drei Wochen spä­ter Kün­di­gungs­schutz­kla­ge und mach­te gegen die Beklag­te gel­tend, wegen eines Betriebs­über­gangs am 1. April 2007 sei ihr Arbeits­ver­hält­nis zu die­sem Zeit­punkt auf die Beklag­te über­ge­gan­gen und von die­ser fort­zu­set­zen.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat­te dem Fort­set­zungs­ver­lan­gen der Klä­ge­rin ent­spro­chen. Die Revi­si­on der Beklag­ten blieb ohne Erfolg, betont Kroll. 

Da zu Recht ein Betriebs­teil­über­gang auf die Beklag­te fest­ge­stellt wur­de, muss die­se das auf sie über­ge­gan­ge­ne Arbeits­ver­hält­nis mit der Klä­ge­rin fort­set­zen. Der ent­spre­chen­de Antrag der Klä­ge­rin war weder ver­fris­tet noch ver­wirkt. Über einen Betriebs­über­gang müs­sen Betriebs­ver­äu­ße­rer bzw. Betriebs­er­wer­ber die betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer unter­rich­ten, § 613a Abs. 5 BGB. Erfolgt eine sol­che Unter­rich­tung wie vor­lie­gend über­haupt nicht, so beginnt weder die Monats­frist des § 613a BGB Abs. 6 für den Wider­spruch gegen den Über­gang des Arbeits­ver­hält­nis­ses zu lau­fen, noch eine Frist, bin­nen derer der Anspruch auf Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses gegen den Betriebs­er­wer­ber gerich­tet wer­den muss. Aller­dings kön­nen die ent­spre­chen­den Erklä­run­gen unter Umstän­den ver­wirkt sein, wofür aber vor­lie­gend kei­ne Anhalts­punk­te vor­ge­tra­gen wor­den waren. 

Kroll emp­fahl, dies zu beach­ten und bei allen arbeits­recht­li­chen Fra­gen unver­züg­lich Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VdAA-Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies. 

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeitsrecht/
Mas­ter of Insuran­ce Law
Lei­ter des Fach­aus­schus­ses II „Kün­di­gungs­schutz­recht“
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