(Stutt­gart) Eine Gemein­de darf bei der Beset­zung der Stel­le der kom­mu­na­len Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten die Bewer­ber­aus­wahl auf Frau­en beschrän­ken, wenn ein Schwer­punkt der Tätig­kei­ten in Pro­jekt- und Bera­tungs­an­ge­bo­ten liegt, deren Erfolg bei Beset­zung der Stel­le mit einem Mann gefähr­det wäre.

Ein sol­cher Fall liegt vor, wenn sich die Ange­bo­te an Frau­en in Pro­blem­la­gen rich­ten, in denen die Betrof­fe­ne typi­scher­wei­se zu einer weib­li­chen Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten leich­ter Kon­takt auf­neh­men kann und sich ihr bes­ser offen­ba­ren kann oder aus­rei­chen­de Lösungs­kom­pe­ten­zen nur einer Frau zutraut.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 18. März 2010, Az.: 8 AZR 77/09. 

Die beklag­te Stadt hat­te in ihrer Stel­len­an­zei­ge eine kom­mu­na­le Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te gesucht. Der Anzei­ge zufol­ge soll­ten Schwer­punk­te der Tätig­keit ua. in der Inte­gra­ti­ons­ar­beit mit zuge­wan­der­ten Frau­en und deren Bera­tung lie­gen. Die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te soll­te Maß­nah­men zu frau­en- und mäd­chen­spe­zi­fi­schen The­men initi­ie­ren, mit allen rele­van­ten Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­ar­bei­ten und Opfer von Frau­en­dis­kri­mi­nie­rung unter­stüt­zen. Die Bewer­be­rin soll­te über ein abge­schlos­se­nes Fach­hoch­schul­stu­di­um oder eine ver­gleich­ba­re Aus­bil­dung in einer päd­ago­gi­schen bzw. geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fach­rich­tung ver­fü­gen. Der Klä­ger, Diplom­kauf­mann und Diploms­volks­wirt, der zuvor über 2 Jah­re im Rah­men einer Betriebs­rats­tä­tig­keit als stell­ver­tre­ten­der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ter tätig war, bewarb sich auf die Stel­le. Er wur­de mit Hin­weis dar­auf abge­lehnt, dass nach § 5a der Nie­der­säch­si­schen Gemein­de­ord­nung die Stel­le mit einer Frau zu beset­zen sei und er im Übri­gen die Anfor­de­run­gen der Stel­len­an­zei­ge nicht erfül­le.

Mit sei­ner Kla­ge begehrt der Klä­ger eine Ent­schä­di­gungs­zah­lung nach § 15 Abs. 2 AGG. Die Kla­ge blieb in allen drei Instan­zen ohne Erfolg, betont Henn.

Der Ach­te Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richt hat ent­schie­den, es ste­he der objek­ti­ven Eig­nung des Klä­gers nicht ent­ge­gen, dass die­ser als Diplom­volks­wirt uU nicht über eine geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Aus­bil­dung ver­fü­ge. Das weib­li­che Geschlecht der Stel­len­in­ha­be­rin stel­le aber wegen der kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung der Stel­le eine wesent­li­che und ent­schei­den­de Anfor­de­rung iSd. § 8 Abs. 1 AGG für die Zuläs­sig­keit einer unter­schied­li­chen Behand­lung dar.

Henn emp­fahl, die­se Grund­sät­ze zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.    

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