(Stutt­gart)  Will ein Arbeit­neh­mer Ansprü­che auf Ent­schä­di­gung oder Scha­dens­er­satz nach dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) gel­tend machen, so muss er dafür die Zwei­mo­nats­frist des § 15 Abs. 4 AGG ein­hal­ten. Die Frist ist wirk­sam und begeg­net nach euro­päi­schem Recht kei­nen Beden­ken. Bei Ableh­nung einer Bewer­bung beginnt die Frist in dem Moment zu lau­fen, in dem der Bewer­ber von der Benach­tei­li­gung Kennt­nis erlangt.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 15.03.2012 zu sei­nem Urteil vom sle­ben Tage, AZ.:  AZR 160/11.

Das beklag­te Land schrieb zur Jah­res­mit­te 2008 drei Stel­len für Lehr­kräf­te an einer Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt aus. Der Klä­ger bewarb sich dafür, wobei er auf sei­ne aner­kann­te Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft hin­wies. Mit Schrei­ben vom 29. August 2008 lehn­te das beklag­te Land die Bewer­bung des Klä­gers ab. Die­ses Schrei­ben erhielt der Klä­ger am 2. Sep­tem­ber 2008. Mit einem beim beklag­ten Land am 4. Novem­ber 2008 ein­ge­gan­ge­nen Schrei­ben mel­de­te der Klä­ger Scha­dens­er­satz- und Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che an, weil er nicht zu einem Vor­stel­lungs­ge­spräch ein­ge­la­den wor­den war.

Die Kla­ge blieb in allen drei Instan­zen ohne Erfolg, so Henn.

Der Ach­te Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat die Auf­fas­sung der Vor­in­stan­zen bestä­tigt, wonach der Klä­ger die Fris­ten­re­ge­lung des § 15 Abs. 4 AGG zu beach­ten hat­te. Mit Erhalt des Ableh­nungs­schrei­bens hat­te der Klä­ger Kennt­nis von den Indi­zi­en sei­ner Benach­tei­li­gung, da er bei der Bewer­bung auf sei­ne Schwer­be­hin­de­rung hin­ge­wie­sen hat­te und er abge­lehnt wor­den war, ohne nach § 82 SGB IX von dem öffent­li­chen Arbeit­ge­ber zu einem Vor­stel­lungs­ge­spräch ein­ge­la­den wor­den zu sein. Damit war der Klä­ger mit Erhalt des Ableh­nungs­schrei­bens am 2. Sep­tem­ber 2008 in der Lage, sei­ne Benach­tei­li­gung gel­tend zu machen. Sein dazu gefer­tig­tes Schrei­ben erreich­te das beklag­te Land jedoch erst am 4. Novem­ber 2008, also zu spät.  

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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