(Stutt­gart) Ein ange­stell­ter Pres­se­fo­to­graf einer Nach­rich­ten­agen­tur ist zu einem ange­mes­se­nen Auf­tre­ten in der Öffent­lich­keit ver­pflich­tet. Er darf den Ruf und die Bezie­hun­gen des Arbeit­ge­bers zu Kun­den und Infor­man­ten nicht durch unkor­rek­tes Ver­hal­ten beschä­di­gen.

Eine ordent­li­che Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses wegen Ver­let­zung die­ser ver­trag­li­chen Pflicht , so der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 23. Juni 2009, Az.: 2 AZR 283/08, kommt jedoch in der Regel nur in Betracht, wenn dem Arbeit­neh­mer durch eine ver­geb­li­che Abmah­nung deut­lich gemacht wor­den ist, wel­ches Ver­hal­ten der Arbeit­ge­ber vom Arbeit­neh­mer kon­kret erwar­tet und dass bei erneu­ter Pflicht­ver­let­zung der Bestand des Arbeits­ver­hält­nis­ses gefähr­det ist (sog. Warn­funk­ti­on).

Der Klä­ger in dem ent­schie­de­nen Fall ist bei der Beklag­ten seit 1965 als Pres­se­fo­to­graf beschäf­tigt. In den Jah­ren 2004 und 2005 strit­ten die Par­tei­en über zwei Abmah­nun­gen, deren Unwirk­sam­keit rechts­kräf­tig fest­ge­stellt wur­de. Im Novem­ber 2005 such­te der Klä­ger als Pres­se­fo­to­graf den Ort eines Eisen­bahn­un­glücks auf. Er gab sich auf Fra­gen der Poli­zei zwar als Pres­se­fo­to­graf zu erken­nen, zeig­te aber sei­nen Pres­se­aus­weis nicht vor. Da der Klä­ger den Unfall­ort zunächst nicht auf­for­de­rungs­ge­mäß ver­ließ, sprach die Poli­zei einen Platz­ver­weis aus, dem der Klä­ger Fol­ge leis­te­te. Die zuvor von ihm gefer­tig­ten Auf­nah­men wur­den von der Beklag­ten ver­öf­fent­licht. Die Poli­zei infor­mier­te die Beklag­te über den Vor­fall. Die Beklag­te sprach im Hin­blick hier­auf eine ordent­li­che Kün­di­gung zum 31. Okto­ber 2006 aus.

Die gegen die Kün­di­gung gerich­te­te Kla­ge hat­te vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt — wie schon in den Vor­in­stan­zen — Erfolg, betont Henn.

Der Klä­ger hat zwar gegen sei­ne Ver­pflich­tung ver­sto­ßen, bei Erle­di­gung sei­ner Arbeit ange­mes­se­ne Umgangs­for­men zu wah­ren. Ins­be­son­de­re hät­te er sich aus­wei­sen müs­sen. In den vor­aus­ge­gan­ge­nen Abmah­nun­gen hat­te die Beklag­te dem Klä­ger jedoch kei­ne hin­rei­chend kla­ren und ein­deu­ti­gen Ver­hal­tens­maß­re­geln vor­ge­ge­ben, wes­halb die Beklag­te bereits rechts­kräf­tig zur Her­aus­nah­me der Abmah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te ver­ur­teilt wor­den war. Ob in Aus­nah­me­fäl­len auch sach­lich nicht berech­tig­te Abmah­nun­gen die kün­di­gungs­recht­li­che Warn­funk­ti­on erfül­len kön­nen, brauch­te der Senat nicht zu ent­schei­den.

Henn emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.   

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