(Stutt­gart) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te am 16.12.2010 in einem wei­te­ren Fall über die Stu­fen­zu­ord­nung eines Ober­arz­tes in einem Kran­ken­haus zu ent­schei­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VdAA  — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) 16. Dezem­ber 2010 — 6 AZR 357/09.

Ober­arzt im Sin­ne des am 1. August 2006 in Kraft getre­te­nen Tarif­ver­trags für Ärz­tin­nen und Ärz­te an kom­mu­na­len Kran­ken­häu­sern im Bereich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Arbeit­ge­ber­ver­bän­de (TV-Ärz­te/V­KA) ist der­je­ni­ge Arzt, dem die medi­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für selb­stän­di­ge Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik bzw. Abtei­lung vom Arbeit­ge­ber aus­drück­lich über­tra­gen ist. Ein­grup­piert ist ein Ober­arzt nach § 16 Buchst. c TV-Ärz­te/V­KA in die Ent­gelt­grup­pe III, die zwei Stu­fen umfasst. Gemäß § 19 Abs. 1 Buchst. c TV-Ärz­te/V­KA wird die Stu­fe 2 nach drei­jäh­ri­ger ober­ärzt­li­cher Tätig­keit erreicht.
Der im Arbeits­ver­trag als Ober­arzt bezeich­ne­te Klä­ger ist seit Febru­ar 1986 im beklag­ten städ­ti­schen Kli­ni­kum beschäf­tigt. Die­ses über­trug ihm mit einem Schrei­ben vom 13. Juni 2007 rück­wir­kend zum 1. August 2006 die medi­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für den selb­stän­di­gen Funk­ti­ons-/Teil­be­reich Neu­ro­ra­dio­lo­gie in der Abtei­lung Insti­tut für Dia­gnos­ti­sche und Inter­ven­tio­nel­le Radio­lo­gie und Nukle­ar­me­di­zin und zahl­te ihm ab die­sem Zeit­punkt Ver­gü­tung der Ent­gelt­grup­pe III, Stu­fe 1, TV-Ärz­te/V­KA. Mit sei­ner Kla­ge ver­lang­te der Klä­ger sei­ne Zuord­nung zur Stu­fe 2 ab dem 1. August 2006 mit der Begrün­dung, er habe bereits seit sei­ner Ein­stel­lung eine ober­ärzt­li­che Tätig­keit im Tarif­sin­ne aus­ge­übt. Das beklag­te Kli­ni­kum hat dies bestrit­ten und gemeint, die Berech­ti­gung des Klä­gers zur Füh­rung der Bezeich­nung „Ober­arzt“ sei unter der Gel­tung des Bun­des-Ange­stell­ten­ta­rif­ver­trags nicht ver­gü­tungs­re­le­vant gewe­sen.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on des Klä­gers hat­te vor dem Sechs­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts eben­falls kei­nen Erfolg, so Klar­mann.

Die erfor­der­li­che Zeit für das Errei­chen der nächs­ten Stu­fe inner­halb der­sel­ben Ent­gelt­grup­pe beginnt nach § 19 Abs. 1 TV-Ärz­te/V­KA grund­sätz­lich nicht vor der Ein­grup­pie­rung in die­se Ent­gelt­grup­pe zu lau­fen. Aller­dings haben die Tarif­ver­trags­par­tei­en bei einer ärzt­li­chen Tätig­keit in der Ent­gelt­grup­pe I und einer fach­ärzt­li­chen Tätig­keit in der Ent­gelt­grup­pe II in § 19 Abs. 2 TV-Ärz­te/V­KA die Anrech­nung einer Vor­be­schäf­ti­gung als Arzt bzw. Fach­arzt auf die Stu­fen­lauf­zei­ten der Ent­gelt­grup­pe I und II gere­gelt. Von der Anrech­nung einer Vor­be­schäf­ti­gung als Arzt, Fach­arzt oder Ober­arzt auf die Stu­fen­lauf­zeit der Ent­gelt­grup­pe III haben sie jedoch abge­se­hen. Damit stand dem Klä­ger unge­ach­tet der Fra­ge, ob und gege­be­nen­falls wel­che Ver­ant­wor­tung ihm bereits vor dem Inkraft­tre­ten des TV-Ärz­te/V­KA über­tra­gen war, Ver­gü­tung der Ent­gelt­grup­pe III, Stu­fe 2, TV-Ärz­te/V­KA nicht bereits ab dem 1. August 2006, son­dern erst nach drei­jäh­ri­ger ober­ärzt­li­cher Tätig­keit in der Ent­gelt­grup­pe III TV-Ärz­te/V­KA zu.

Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten sowie in Zwei­fels­fäl­len um Rechts­rat nach­zu­su­chen, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.    

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