Ein Steu­er­be­ra­ter darf nicht neben sei­ner Berufs­be­zeich­nung “Steu­er­be­ra­ter” den slo­wa­ki­schen Titel “dok­tor filo­zo­fie” in der abge­kürz­ten Form “Dr.” füh­ren. In einer wett­be­werbs­recht­li­chen Strei­tig­keit zwi­schen der Steu­er­be­ra­ter­kam­mer und einem Steu­er­be­ra­ter…

(vdaa)  Ein Steu­er­be­ra­ter darf nicht neben sei­ner Berufs­be­zeich­nung “Steu­er­be­ra­ter” den slo­wa­ki­schen Titel “dok­tor filo­zo­fie” in der abge­kürz­ten Form “Dr.” füh­ren. In einer wett­be­werbs­recht­li­chen Strei­tig­keit zwi­schen der Steu­er­be­ra­ter­kam­mer und einem Steu­er­be­ra­ter hat dies der 6. Zivil­se­nat des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richts in einem vor kur­zem ver­öf­fent­lich­ten Urteil ent­schie­den.

Zum Sach­ver­halt: Der beklag­te Steu­er­be­ra­ter ist Mit­glied der Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Steu­er­be­ra­ter­kam­mer. Er erwarb im Jahr 2004 an der Uni­ver­si­tät in Bratislava/Slowakei den aka­de­mi­schen Grad “dok­tor filo­zo­fie” mit der zuge­las­se­nen Abkür­zung “PhDr.”. Er nutz­te anschlie­ßend den Titel “Dr.” auf eige­nen Brief­bö­gen und in dem Brief­kopf der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft, für die er tätig ist. Die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer sah hier­in eine irre­füh­ren­de Wer­bung und ver­lang­te von dem Steu­er­be­ra­ter, den Titel nur in der ver­lie­he­nen Form unter zusätz­li­cher Anga­be der slo­wa­ki­schen Hoch­schu­le zu füh­ren. Sie begrün­de­te das Vor­lie­gen einer irre­füh­ren­den Wer­bung unter ande­rem damit, dass es sich bei dem “dok­tor filo­zo­fie” um einen so genann­ten “klei­nen Dok­tor­grad” han­de­le, der anders als in Deutsch­land kein abge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um vor­aus­set­ze. Als der Steu­er­be­ra­ter sich wei­ger­te, die Titel­füh­rung zu ändern, zog die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer vor Gericht und ver­lang­te Unter­las­sung der Titel­füh­rung in allen Bun­des­län­dern mit Aus­nah­me von Bay­ern und Ber­lin. In Bay­ern und Ber­lin sehen die Lan­des­ge­set­ze im Rah­men einer Über­gangs­re­ge­lung vor, dass der Steu­er­be­ra­ter sei­nen Titel ohne Her­kunfts­zu­satz in der deut­schen Form “Dr.” füh­ren darf, weil er sei­nen Titel vor Sep­tem­ber 2007 erwor­ben hat­te.

In der Ent­schei­dung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt dem Steu­er­be­ra­ter unter­sagt, zu Wett­be­werbs­zwe­cken neben sei­ner Berufs­be­zeich­nung “Steu­er­be­ra­ter” den slo­wa­ki­schen Titel “dok­tor filo­zo­fie” in der abge­kürz­ten Form “Dr.” zu füh­ren. Das Ober­lan­des­ge­richt sah in dem Ver­hal­ten des Steu­er­be­ra­ters einen Wett­be­werbs­ver­stoß. Poten­ti­el­le Kun­den sol­len aus der Berufs­be­zeich­nung und gege­be­nen­falls den zusätz­li­chen aka­de­mi­schen Gra­den erse­hen kön­nen, dass eine bestimm­te Qua­li­fi­ka­ti­on des Steu­er­be­ra­ters gege­ben ist. Führt der Steu­er­be­ra­ter den “Dr.”- Titel ohne Befug­nis, so liegt eine unlau­te­re geschäft­li­che Hand­lung vor. Wel­che aus­län­di­schen aka­de­mi­schen Titel in Deutsch­land geführt wer­den dür­fen, bestim­men die Hoch­schul­ge­set­ze der ein­zel­nen Bun­des­län­der. Die­se sehen (mit Aus­nah­me von Bay­ern und Ber­lin für Alt­fäl­le) vor, dass der slo­wa­ki­sche Titel “dok­tor filo­zo­fie” nur in der Ori­gi­nal­form oder in der Ori­gi­nal­ab­kür­zung “PhDr.” geführt wer­den darf. Denn der slo­wa­ki­sche Abschluss steht ledig­lich einem Auf­bau­stu­di­en­gang gleich, beinhal­tet nicht aber eine eigen­stän­di­ge wis­sen­schaft­li­che For­schungs­leis­tung wie bei einer wis­sen­schaft­li­chen Pro­mo­ti­on (soge­nann­te 3. Stu­fe der Bolo­gna-Klas­si­fi­ka­ti­on).

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