(Stutt­gart) Ren­di­te­er­wä­gun­gen kön­nen eine Befrei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der gesetz­li­chen Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung nicht begrün­den.

Dies, so der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, ent­schied das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) am 10.12.2009, Az.: L 8 KR 304/07.

Im kon­kre­ten Fall ging es um einen Bank­an­ge­stell­ten aus Frank­furt am Main. Wegen der Höhe sei­nes Arbeits­ein­kom­mens ist der 35-jäh­ri­ge Mann nicht gesetz­lich kran­ken- und pfle­ge­ver­si­chert. Im Jahr 2004 bean­trag­te er, auch von der Pflicht zur Bei­trags­zah­lung in die gesetz­li­che Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung befreit zu wer­den. Er begrün­de­te dies damit, dass sei­nen Bei­trä­gen kei­ne ent­spre­chen­den Gegen­leis­tun­gen gegen­über stün­den. Dies gel­te ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung in Deutsch­land. Durch die Anhe­bung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters auf 67 Jah­re ergä­be sich zudem eine Nega­tiv­ren­di­te.

Die Rich­ter bei­der Instan­zen bestä­tig­ten jedoch sei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht, betont Henn.

In der Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung sei­en Arbeit­neh­mer unab­hän­gig von der Höhe ihres Arbeits­ein­kom­mens ver­si­che­rungs­pflich­tig. Dies ver­sto­ße — wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in stän­di­ger Recht­spre­chung ent­schie­den habe — auch nicht gegen das Grund­ge­setz. Denn der Gesetz­ge­ber ver­fol­ge mit der gesetz­li­chen Rege­lung einen legi­ti­men Zweck. So die­ne die Ver­si­che­rungs­pflicht neben dem Schutz der Betrof­fe­nen auch der All­ge­mein­heit, indem sie der Sozi­al­hil­fe­be­dürf­tig­keit im Alter und bei Arbeits­lo­sig­keit ent­ge­gen wir­ke.

Die vom Klä­ger auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge­stel­lung nach Äqui­va­lenz von Bei­trag und Leis­tung grei­fe dem­ge­gen­über zu kurz, so die Darm­städ­ter Rich­ter. Die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung kön­ne gesell­schaft­li­che Soli­da­ri­tät bes­ser rea­li­sie­ren als eine rein pri­va­te Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rung. So leis­te sie einen sozia­len Risi­ko­aus­gleich zwi­schen Ver­si­cher­ten mit unter­schied­li­cher Lebens­er­war­tung und unter­schied­li­chem Erwerbs­min­de­rungs­ri­si­ko sowie zwi­schen Ver­si­cher­ten mit und ohne Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen. Fer­ner erbrin­ge sie Leis­tun­gen bei Erwerbs­min­de­rung, zur Reha­bi­li­ta­ti­on sowie an Hin­ter­blie­be­ne und zah­le den hal­ben Bei­trag zur Kran­ken­ver­si­che­rung. Auch die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung erbrin­ge neben dem Arbeits­lo­sen­geld wei­te­re Leis­tun­gen zum Bei­spiel zur Umschu­lung und Reha­bi­li­ta­ti­on.

Hin­sicht­lich der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sei zudem nach Modell­be­re­chun­gen bei einem Durch­schnitts­ver­die­ner kei­nes­wegs von einer Nega­tiv­ren­di­te aus­zu­ge­hen. Auch wir­ke sich der demo­gra­fi­sche Wan­del glei­cher­ma­ßen auf die pri­va­ten Ver­si­che­rungs­sys­te­me aus.

Als durch­aus berech­tigt bezeich­ne­ten die Rich­ter hin­ge­gen die Fra­ge, ob die erfolg­te Absen­kung der Leis­tun­gen der Ren­ten­ver­si­che­rung für Ver­si­cher­te mit nied­ri­gen Ein­kom­men und unste­ten Erwerbs­bio­gra­fi­en — und damit ins­be­son­de­re für allein erzie­hen­de Frau­en — zu Alters­ar­mut füh­re. Ange­sichts der Erwerbs­bio­gra­fie des Klä­gers habe — so das Gericht — jedoch kein Anlass bestan­den, die­ser Pro­ble­ma­tik nach­zu­ge­hen.

Henn emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.    

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