(Stutt­gart) Die umfang­rei­che ver­trags­wid­ri­ge Ver­wen­dung einer Fir­men­kre­dit­kar­te zu pri­va­ten Zwe­cken kann eine frist­lo­se Kün­di­gung recht­fer­ti­gen.

Das, so der Bre­mer Fach­an­walt für Arbeits­recht und Gewerb­li­chen Rechts­schutz Klaus-Die­ter Fran­zen, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Bre­men” des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V., ent­schied das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm in einer jüngst ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dung (Az.: 10 Sa 1732/12).

Der Klä­ger war seit März 2005 als Ver­triebs- und Mar­ke­ting­lei­ter bei der Beklag­ten tätig. Er ver­füg­te über eine Fir­men­kre­dit­kar­te zur dienst­li­chen Ver­wen­dung, die über sein Kon­to abge­rech­net wer­den soll­te und deren pri­va­te Ver­wen­dung nur in Aus­nah­me­fäl­len in Abstim­mung mit der Beklag­ten erlaubt war. Gegen Vor­la­ge von Nach­wei­sen soll­ten dem Klä­ger sei­ne Auf­wen­dun­gen erstat­tet wer­den. In der Zeit vom 5. bis zum 9. Dezem­ber 2011 hielt sich der Klä­ger in Riga (Lett­land) auf. Am 5., 7. und 8. Dezem­ber 2011 tätig­te er dort in einem Nacht­club pri­va­te Umsät­ze mit der Fir­men­kre­dit­kar­te in einer Gesamt­hö­he von 4.311,83 €.

Die Kre­dit­kar­ten­ab­rech­nung für die Zeit vom 1. Dezem­ber 2011 bis zum 2. Janu­ar 2012 ende­te mit einem Schluss­sal­do von 4.996,63 €. Die kar­ten­aus­ge­ben­de Bank belas­te­te das Kon­to der Beklag­ten. Der Klä­ger schlug vor, die Beklag­te sol­le der Belas­tung wider­spre­chen. Deren Geschäfts­füh­rer bestand auf einer „inter­nen Abrech­nung” und ver­lang­te Nach­wei­se für die Berech­ti­gung der Belas­tung als Rei­se­kos­ten und Spe­sen. Um zu ver­hin­dern, dass die Beklag­te von der pri­va­ten Ver­wen­dung der Fir­men­kre­dit­kar­te erfährt, über­mit­tel­te der Klä­ger am 23. Janu­ar 2012 eine gefälsch­te, in der Addi­ti­on der auf­ge­führ­ten Posi­tio­nen dem Belas­tungs­be­trag ent­spre­chen­de Kre­dit­kar­ten­ab­rech­nung, die die pri­va­ten Aus­ga­ben nicht aus­wies. Die Beklag­te kün­dig­te das Arbeits­ver­hält­nis mit Schrei­ben vom 9. März 2012 „außer­or­dent­lich und frist­los aus wich­ti­gem Grund”.

Die gegen die­se Kün­di­gung gerich­te­te Kla­ge wies das LAG Hamm ab, betont Fran­zen.

Nach Auf­fas­sung des Gerichts war bereits die umfang­rei­che ver­trags­wid­ri­ge Ver­wen­dung der Fir­men­kre­dit­kar­te zu pri­va­ten Zwe­cken geeig­net, einen wich­ti­gen Grund abzu­ge­ben. Denn der ver­trags­wid­ri­ge Ein­satz einer Fir­men­kre­dit­kar­te für pri­va­te Zwe­cke in beträcht­li­chem Umfang zulas­ten des Ver­mö­gens des Arbeit­ge­bers stel­le in jedem Fall eine schwe­re Ver­let­zung der Pflicht zur Rück­sicht­nah­me und damit einen schwe­ren Ver­trau­ens­miss­brauch dar. Zudem habe der Klä­ger die pri­va­te Ver­an­las­sung nicht offen gelegt, son­dern die­se durch die Vor­la­ge einer gefälsch­ten Kre­dit­kar­ten­ab­rech­nung aktiv ver­schlei­ert und damit die Beklag­te gezielt über das Bestehen eines Ersatz­an­spruchs getäuscht. Damit habe der Klä­ger die Tat­be­stän­de der Urkun­den­fäl­schung und des ver­such­ten Betru­ges erfüllt.

Die Beklag­te sei nicht ver­pflich­tet gewe­sen, den Klä­ger zunächst abzu­mah­nen. Denn es sei für den Klä­ger erkenn­bar gewe­sen, dass die Hin­nah­me die­ses Fehl­ver­hal­tens durch die Beklag­te aus­ge­schlos­sen war. Die für eine Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses erfor­der­li­che Ver­trau­ens­grund­la­ge sei auch nach Aus­spruch einer Abmah­nung nicht mehr wie­der­her­stell­bar.

Fran­zen emp­fahl, dies zu beach­ten und riet er bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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