(Stutt­gart) In einem soeben ver­öf­fent­lich­ten Urteil hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Mün­chen die arbeits­ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung einer, mit einer Monats­grund­ver­gü­tung von 750,– € brut­to bei einer Wochen­ar­beits­zeit von 42 Stun­den ein­ge­stell­ten, Alten­pfle­ge­rin mit staat­li­cher Aner­ken­nung als sit­ten­wid­rig ein­ge­stuft und den Heim­trä­ger zur Nach­zah­lung einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung ver­ur­teilt.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf den Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Mün­chen vom 03.12.2009, Az.: 4 Sa 602/09.

In dem Fall  mach­te die Klä­ge­rin gegen­über der Beklag­ten, die ein Senio­ren­heim mit 51 Bewoh­ner­plät­zen betreibt,  als ihrer ehe­ma­li­gen Arbeit­ge­be­rin Ver­gü­tungs­nach­zah­lungs­an­sprü­che wegen ange­nom­me­ner Nich­tig­keit der arbeits­ver­trag­li­chen Ent­gelt­ver­ein­ba­rung auf­grund deren Sit­ten­wid­rig­keit gel­tend.

Die Klä­ge­rin war in Schicht­ar­beit im Früh- und Spät­dienst (von 6.30 Uhr bis ins­ge­samt 21.00 Uhr) — nicht im Nacht­dienst -, regel­mä­ßig auch an Wochen­en­den und an Fei­er­ta­gen, tätig. Nach den Gehalts­ab­rech­nun­gen erhielt sie neben der ver­ein­bar­ten Brut­to­mo­nats­ver­gü­tung von 750,– € jeweils eine „Nacht­zu­la­ge” von 50,– € monat­lich sowie einen „Sonn-Fei­er­tag-Zuschlag” von eben­falls 50,– € monat­lich — bei­de Beträ­ge dort offen­sicht­lich jeweils als steu­er­freie Bezü­ge ange­setzt -. Das Arbeits­ver­hält­nis ende­te zum 31.12.2006.

In dem Rechts­streit mach­te sie Ent­gelt­nach­zah­lungs­an­sprü­che für den gesam­ten Beschäf­ti­gungs­zeit­raum vom 04.04.2005 bis 31.12.2006 mit der Begrün­dung gel­tend, dass die arbeits­ver­trag­li­che Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung im Hin­blick auf die tarif­ver­trag­li­che als hier — bei maß­geb­li­che übli­che Ver­gü­tung von ca. 2.000,– € brutto/Monat — bei einer jeweils gerin­ge­ren Arbeitsstundenzahl/Woche — wegen Sit­ten­wid­rig­keit nich­tig und die Beklag­te des­halb zur Nach­zah­lung ent­spre­chen­der Gehalts­dif­fe­renz­an­sprü­che ver­pflich­tet sei.

So sah es nun auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt Mün­chen in der Beru­fungs­in­stanz und ver­ur­teil­te den Heim­trä­ger zu Nach­zah­lung von ins­ge­samt 25.686 € Gehalt — rd. 1.229 € für jeden Monat ihrer Dienst­zeit -, so betont Henn.

Eine arbeits­ver­trag­li­che Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung mit einer Alten­pfle­ge­rin mit staat­li­cher Aner­ken­nung  mit einer Monats­grund­ver­gü­tung von 750,– € brut­to bei einer Wochen­ar­beits­zeit von 42 Stun­den sei sit­ten­wid­rig, da bei einer als übli­che Ver­gü­tung im Sin­ne der Grund­sät­ze der ein­schlä­gi­gen Recht­spre­chung des BAG anzu­set­zen­den tarif­li­chen Ver­gü­tung bzw. ent­spre­chen­den Ver­gü­tung bei Trä­gern der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge von, hoch­ge­rech­net auf eine sol­che Wochen­ar­beits­zeit, nor­ma­ler­wei­se etwa  2.100,– € brut­to monat­lich gezahlt wür­den.

Die im Arbeits­ver­trag der Par­tei­en vom 04.04.2005 getrof­fe­ne Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung ver­sto­ße gegen die guten Sit­ten und sei des­halb nach § 138 BGB nich­tig.

Die Sit­ten­wid­rig­keit der arbeits­ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung kön­ne sich aus dem Vor­lie­gen von Wucher im Sin­ne des § 138 Abs. 2 BGB bzw. eines wucher­ähn­li­chen Tat­be­stan­des im Rah­men der Gene­ral­klau­sel des § 138 Abs. 1 BGB erge­ben. Ein der­ar­ti­ges auf­fäl­li­ges Miss­ver­hält­nis zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung, wie es sowohl der spe­zi­el­le Wucher­tat­be­stand des § 138 Abs. 2 BGB als auch der wucher­ähn­li­che Tat­be­stand im Rah­men der Gene­ral­klau­sel des § 138 Abs. 1 BGB vor­aus­set­zen, sei gege­ben, wenn die Arbeits­ver­gü­tung nicht ein­mal zwei Drit­tel eines in der betref­fen­den Bran­che und Wirt­schafts­re­gi­on übli­cher­wei­se gezahl­ten regel­mä­ßi­gen Tarif­lohns, des übli­chen Tari­fent­gel­tes des betref­fen­den Wirt­schafts­zwei­ges im betref­fen­den Wirt­schafts­ge­biet — hilfs­wei­se das all­ge­mei­ne Lohn­ni­veau im Wirt­schafts­ge­biet -, als Ver­gleichs­maß­stab für die übli­che und ange­mes­se­ne Ver­gü­tungs­hö­he errei­che. Maß­ge­bend sei dabei als Refe­renz­wert die tarif­li­che Regel­ver­gü­tung, ohne beson­de­re Zuschlä­ge, Zula­gen o. ä.

Henn emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.    

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