(Stutt­gart) Wer grob fahr­läs­sig in sei­nem Betrieb einen Scha­den ver­ur­sacht, ist zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) vom 17.05.2013 zu sei­nem Urteil vom 2. April 2013, Az: 13 Sa 857/12.

Der damals 46 Jah­re alte Beklag­te ist gelern­ter Schlos­ser und war seit vie­len Jah­ren prak­tisch aus­schließ­lich und regel­mä­ßig wei­sungs­un­ter­wor­fen in einem Milch­werk in Hes­sen tätig. Das Milch­werk pro­du­zier­te u.a. Milch- und Kaf­fee­pul­ver in meh­re­ren Trock­nungs­an­la­gen. Am 13. August 2008 hat­te der beklag­te Hand­wer­ker den Auf­trag, ver­schie­de­ne Metall­tei­le an einem der Tro­cken­tür­me anzu­brin­gen. Bei lau­fen­dem Betrieb schnitt er mit Schweiß­ge­rät und Trenn­schlei­fer Schlit­ze in die Außen­wand des Tro­cken­turms. Es ent­stan­den Fun­ken und glü­hen­de Metall­trop­fen, die in den Tro­cken­turm tropf­ten. 17 t Milch­pul­ver ent­zün­de­ten sich explo­si­ons­ar­tig. Der Scha­den belief sich auf rund 220.000 €. Er wur­de von den Ver­si­che­run­gen des Milch­werks begli­chen.

Mit der vor­lie­gen­den Kla­ge ver­lang­te die feder­füh­ren­de Ver­si­che­rung von dem Hand­wer­ker Scha­dens­er­satz in Höhe von 142.000 €.

Das Arbeits­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Urteil abge­än­dert, den Hand­wer­ker zur Zah­lung von 17.000 € ver­ur­teilt und die Revi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt zuge­las­sen, so Henn.

Nach Ansicht des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts hat der beklag­te Hand­wer­ker den Scha­den grob fahr­läs­sig ver­ur­sacht. Es läge auf der Hand, dass bei Schweiß- und Flex­ar­bei­ten Fun­ken­flug und hei­ße Metall­trop­fen ent­ste­hen, die erhitz­tes Milch­pul­ver zur Ent­zün­dung brin­gen. Der Hand­wer­ker kön­ne von Glück sagen, das er zum Zeit­punkt der Explo­si­on gera­de selbst kurz abwe­send war. Für den ent­stan­de­nen Scha­den haf­te er grund­sätz­lich in vol­lem Umfang.

Für Arbeit­neh­mer im Rechts­sin­ne gilt die­se Haf­tung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts aller­dings nur unter Berück­sich­ti­gung der per­sön­li­chen Situa­ti­on und der Umstän­den des Ein­zel­falls. Die Haf­tung soll den Arbeit­neh­mer nicht in den Ruin trei­ben. Die­se Grund­sät­ze hat das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt hier auf den Beklag­ten ange­wandt, der zwar kein Arbeit­neh­mer aber als Hand­wer­ker prak­tisch wie ein Arbeit­neh­mer in den Betrieb des Milch­werks ein­ge­glie­dert war. Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt hat des­halb die Haf­tungs­sum­me auf 17.000 € beschränkt, was etwa 3 Monats­ver­diens­ten des Hand­wer­kers ent­sprach.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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