(Stutt­gart) Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat in einem Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ent­schie­den, dass die beam­ten­recht­li­chen Rege­lun­gen in Hes­sen zur Alters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ruhe­stand mit euro­päi­schem Gemein­schafts­recht ver­ein­bar und des­halb wirk­sam sind. Ein gegen­tei­li­ger Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Frank­furt am Main vom 6. August 2009 wur­de auf­ge­ho­ben.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Beson­de­re Arten von Arbeits­ver­hält­nis­sen” des VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf einen Beschluss des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs (VGH Hes­sen) vom 29.09.2009 — Az.: 1 B 2487/09.

Gericht­li­chen Rechts­schutz bean­tragt hat­te ein Ober­staats­an­walt, der auf­grund der Voll­endung sei­nes 65. Lebens­jah­res im August 2009 mit Ablauf des Monats kraft Geset­zes hät­te in den Ruhe­stand tre­ten müs­sen. Bereits im April 2009 hat­te er beim Hes­si­schen Minis­te­ri­um der Jus­tiz, für Inte­gra­ti­on und Euro­pa bean­tragt, den Ein­tritt in den Ruhe­stand für ein Jahr auf­zu­schie­ben. Nach­dem das Minis­te­ri­um die­sen Antrag abge­lehnt hat­te, erwirk­te der Beam­te beim Ver­wal­tungs­ge­richt eine einst­wei­li­ge Anord­nung, nach der er über die Voll­endung des 65. Lebens­jah­res hin­aus vor­läu­fig bis zu einer Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che, längs­tens bis Juli 2010 wei­ter im akti­ven Dienst­ver­hält­nis zu belas­sen sei. Gegen die­se Ent­schei­dung hat das Land Hes­sen Beschwer­de beim Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ein­ge­legt, der mit dem heu­ti­gen Beschluss statt­ge­ge­ben wur­de.

Der 1. Senat des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs hat die euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben aus der Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­richt­li­nie (RL 2000/78/EG) und aus dem natio­na­len All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz umfas­send über­prüft und ist zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass der gesetz­li­che Ruhe­stand für Beam­te in Hes­sen nach Voll­endung des 65. Lebens­jah­res nicht zu bean­stan­den sei, betont von Bre­dow.

Die­se Ruhe­stands­re­ge­lung knüp­fe zwar allein an das Alter und damit an ein Dis­kri­mi­nie­rungs­merk­mal im Sin­ne der Richt­li­nie und des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes an. Die Alters­gren­ze sei aber durch ein legi­ti­mes Ziel gerecht­fer­tigt, näm­lich den Wunsch nach einer durch­misch­ten Alters­struk­tur inner­halb der Beam­ten­schaft. Sie grei­fe die her­kömm­li­che Alters­gren­ze im Öffent­li­chen Dienst sowie für sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Arbeit­neh­mer auf, sei also nicht will­kür­lich aus­ge­wählt. Gleich­zei­tig tra­ge sie dem gesell­schaft­li­chen Kon­sens Rech­nung, wonach ab einem bestimm­ten Zeit­punkt die älte­ren Beschäf­tig­ten zurück­tre­ten müss­ten (und dürf­ten) um für jün­ge­re Kol­le­gen und nach­fol­gen­de Berufs­an­fän­ger Arbeits­plät­ze frei­zu­ma­chen. Hin­zu kom­me, dass mit fort­schrei­ten­dem Alter die kör­per­li­che und geis­ti­ge Leis­tungs­fä­hig­keit erfah­rungs­ge­mäß nach­las­se und des­halb zuneh­mend zu befürch­ten sei, dass die kon­kre­ten Auf­ga­ben nicht mehr opti­mal wahr­ge­nom­men wer­den könn­ten. In einer gene­ra­li­sie­ren­den Betrach­tungs­wei­se, bei der dem Dienst­herrn bzw. dem Gesetz­ge­ber ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum zuste­he, dür­fe ein für alle gel­ten­des Ruhe­stand­s­al­ter fest­legt wer­den, ohne in jedem Ein­zel­fall prü­fen zu müs­sen, ob der betref­fen­de Beam­te noch dienst­fä­hig sei. Mit dem Stre­ben nach einer güns­ti­gen Alters­schich­tung inner­halb der Beam­ten­schaft ver­fol­ge der Dienst­herr auch ein im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­des Ziel, das den im Gemein­schafts­recht aus­drück­lich genann­ten Zie­len der Beschäf­ti­gungs­po­li­tik, des Arbeits­mark­tes oder der beruf­li­chen Bil­dung gleich­wer­tig sei. Denn sei­ne Vor­stel­lung, durch das zwangs­wei­se Aus­schei­den ab einem bestimm­ten Alter die Alters­struk­tur in den Behör­den — ähn­lich wie in ande­ren tarif­ver­trag­lich gere­gel­ten Beschäf­ti­gungs­be­rei­chen auch — posi­tiv beein­flus­sen zu kön­nen und damit letzt­lich der jün­ge­ren Genera­ti­on den Zugang zum Berufs­be­am­ten­tum zu erleich­tern, ent­sprin­ge jeden­falls nicht erst­ran­gig den finan­zi­el­len Inter­es­sen des Staa­tes. Zudem wer­de auch der ein­zel­ne aus­schei­den­de Beam­te nicht über­mä­ßig belas­tet, da er anstel­le sei­ner bis­he­ri­gen Bezü­ge Anspruch auf Ruhe­ge­halt habe.

Das so gene­rell fest­ge­leg­te Ruhe­stand­s­al­ter gel­te auch im zu ent­schei­den­den Ein­zel­fall. Beson­de­re Grün­de, die aus­nahms­wei­se eine im dienst­li­chen Inter­es­se lie­gen­de Ver­län­ge­rung der Dienst­zeit des Antrag­stel­lers erfor­dern wür­den, konn­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof nicht erken­nen.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei auf­kom­men­den Fra­gen dazu Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.

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