(Stutt­gart) Nach einer Eil­ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts ist es einem Arbeit­ge­ber unter­sagt, eine Mut­ter in Eltern­zeit aus Frank­furt am Main anzu­wei­sen, zwei Tage pro Woche in der Kon­zern­zen­tra­le des Arbeit­ge­bers in Lon­don zu arbei­ten.

Dar­auf ver­weist der Neu-Isen­bur­ger Fach­an­walt für Arbeits­recht Dr. Micha­el Mey­er, Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Betriebsverfassungsrecht/Mitbestimmung” des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf das am 14.03.2011 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (Hess. LAG) vom vom 15. Febru­ar 2011 — 13 SaGa 1934/10.

Die 39-jäh­ri­ge Klä­ge­rin des Eil­ver­fah­rens ist Lei­te­rin der Rechts­ab­tei­lung und Mut­ter einer 13-mona­ti­gen Toch­ter. Vor ihrer Eltern­zeit hat­te sie mit ihrem Arbeit­ge­ber ver­ein­bart, dass sie wäh­rend der Eltern­zeit 30 Stunden/Woche wei­ter­ar­bei­ten wer­de, und zwar drei Tage von zuhau­se aus und zwei Tage “im Büro”. Die­ses Büro lag sei­ner­zeit ca. 30 km vom Wohn­ort der Klä­ge­rin ent­fernt. Eini­ge Mona­te spä­ter erhielt die Klä­ge­rin die Mit­tei­lung, dass ihr bis­he­ri­ges Büro geschlos­sen wor­den sei und sie nun­mehr zwei Tage/Woche in der Kon­zern­zen­tra­le in Lon­don arbei­ten sol­le. Die Kos­ten für Anrei­se und Über­nach­tung soll­te die Klä­ge­rin im wesent­li­chen selbst tra­gen. Den Antrag der Klä­ge­rin auf Unter­las­sung die­ser Wei­sung und Wei­ter­be­schäf­ti­gung von zuhau­se oder dem bis­he­ri­gen Büro aus hat das Arbeits­ge­richt abge­wie­sen.

Die gegen die­se Ent­schei­dung gerich­te­te Beru­fung der Klä­ge­rin hat­te jedoch Erfolg, so betont Dr. Mey­er.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt unter­sag­te dem Arbeit­ge­ber die Wei­sung, die Klä­ge­rin an zwei Tagen/ Woche in Lon­don arbei­ten zu las­sen und ver­pflich­te­te den Arbeit­ge­ber, die Klä­ge­rin wei­ter von zuhau­se oder dem bis­he­ri­gen Büro aus arbei­ten zu las­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hielt es schon für nicht erwie­sen, dass die bis­he­ri­ge Nie­der­las­sung des Arbeit­ge­bers nahe dem Wohn­ort der Klä­ge­rin tat­säch­lich geschlos­sen wor­den war. Jeden­falls kom­me die Wei­sung einer unzu­läs­si­gen “Straf­ver­set­zung” gleich. Die wöchent­li­che Rei­se von Frank­furt am Main nach Lon­don zur Arbeits­leis­tung an zwei Tagen neh­me allein deut­lich mehr als einen Arbeits­tag in Anspruch. Den ver­ein­bar­ten 30 Arbeits­stun­den pro Woche stün­de ein Rei­se­auf­wand und Abwe­sen­heits­zei­ten von min­des­tens glei­cher Zeit gegen­über. Dies sei unzu­mut­bar und spren­ge das ver­ein­bar­te Modell zur Ver­ein­ba­rung von Kin­der­be­treu­ung und Beruf voll­ends. Das Inter­es­se des Arbeit­ge­bers, die Klä­ge­rin als Lei­te­rin der Rechts­ab­tei­lung regel­mä­ßig am Sitz des Arbeit­ge­bers in Lon­don zu sehen, müs­se dem­ge­gen­über und ange­sichts der bis­he­ri­gen Pra­xis der betrieb­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on zurück­ste­hen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hielt es auch für gebo­ten, dies im einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren zu ent­schei­den. Zwar wer­de es regel­mä­ßig als zumut­bar ange­se­hen, in ähn­li­chen Fäl­len eine Klä­rung im übli­chen Kla­ge­ver­fah­ren her­bei­zu­füh­ren und die Wei­sung so lan­ge zu befol­gen. Anders sei dies nur, wenn Wei­sun­gen offen­kun­dig rechts­wid­rig sind und den betref­fen­den Arbeit­neh­mer in sei­nem Per­sön­lich­keits­recht beschrän­ken oder ande­re erheb­li­che Beein­träch­ti­gun­gen in der Lebens­füh­rung des Arbeit­neh­mers dro­hen. Dies hat das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall ange­nom­men.

Dr. Mey­er emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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