(Stutt­gart) Ein Tarif­ver­trag kann selbst bei bei­der­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit eine Ver­ein­ba­rung in einem Arbeits­ver­trag nicht ablö­sen. Das gilt auch für nur auf­grund arbeits­ver­trag­li­cher Bezug­nah­me anwend­ba­re Richt­li­ni­en für Arbeits­ver­trä­ge in den Ein­rich­tun­gen des Deut­schen Cari­tas­ver­ban­des (AVR Cari­tas). Das Ver­hält­nis der ein­zel­ver­trag­li­chen und tarif­ver­trag­li­chen Ansprü­che zuein­an­der ist nach dem Güns­tig­keits­prin­zip des § 4 Abs. 3 TVG zu klä­ren.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 22.02.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: 4 AZR 24/10. 

Die Klä­ge­rin­nen und Klä­ger sind lang­jäh­rig in einem Kran­ken­haus im nicht­ärzt­li­chen Dienst beschäf­tigt und Mit­glie­der der Gewerk­schaft ver.di. In den Arbeits­ver­trä­gen mit dem ursprüng­li­chen Trä­ger des Kran­ken­hau­ses ist die Anwend­bar­keit der AVR in der jeweils gül­ti­gen Fas­sung ver­ein­bart wor­den. Die­se sind auch nach Betriebs­über­gang auf eine GmbH jah­re­lang wei­ter­hin dyna­misch auf die Arbeits­ver­hält­nis­se der kla­gen­den Par­tei­en ange­wen­det wor­den. Mit Wir­kung zum 1. Mai 2007 hat die H-GmbH die Gesell­schafts­an­tei­le an der Beklag­ten über­nom­men.

Die H-GmbH als Kon­zern­mut­ter hat­te zuvor am 16. Janu­ar 2007 mit Gewerk­schaft ver.di ver­schie­de­ne Tarif­ver­trä­ge für die Unter­neh­men des Kon­zerns abge­schlos­sen. Außer­dem schloss sie am 1. Novem­ber 2007 mit der Gewerk­schaft ver.di einen Nach­trags­ta­rif­ver­trag ab, der für die Beklag­te gel­ten soll­te und nach des­sen Maß­ga­be die Tarif­ver­trä­ge für die Unter­neh­men des Kon­zerns bei ihr zur Anwen­dung kom­men soll­ten.

Die Vor­in­stan­zen haben den auf Neu­re­ge­lun­gen der AVR Cari­tas nach Abschluss des Haus­ta­rif­ver­tra­ges gestütz­ten Kla­ge­an­trä­gen statt­ge­ge­ben. Streit­punkt war dabei allein, ob nach dem Abschluss des Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges die bis­her auf die Arbeits­ver­hält­nis­se „anzu­wen­den­den … AVR … in der jeweils gül­ti­gen Fas­sung“ noch anzu­wen­den sind. 

Dies hat der Senat mit den Vor­in­stan­zen bejaht, so von Bre­dow. 

Ein Haus­ta­rif­ver­trag kann die ein­zel­ver­trag­lich begrün­de­te Anwend­bar­keit der AVR Cari­tas nicht ablö­sen. Im Übri­gen schei­det hier eine Ablö­sung bereits aus einem wei­te­ren Grund aus: Der für die Beklag­te abge­schlos­se­ne Nach­trags­ta­rif­ver­trag gilt bei der Beklag­ten nicht. Sie ist weder durch ihre Kon­zern­mut­ter ord­nungs­ge­mäß ver­tre­te­ne Tarif­ver­trags­par­tei gewe­sen, noch hat ein tarif­fä­hi­ger Ver­band für sie gehan­delt (§ 2 TVG). 

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

 

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Frhr. Fenimo­re von Bre­dow
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeits­recht
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