(Stutt­gart)  Begeht der Arbeit­ge­ber bei der Erstat­tung einer nach § 17 KSchG erfor­der­li­chen Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge Feh­ler, wer­den die­se durch einen bestands­kräf­ti­gen Bescheid der Agen­tur für Arbeit nach §§ 18, 20 KSchG nicht geheilt. Die Arbeits­ge­rich­te sind durch einen sol­chen Bescheid nicht gehin­dert, die Unwirk­sam­keit der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge fest­zu­stel­len.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 28. Juni 2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 6 AZR 780/10.

Der Klä­ger war seit 1990 bei der Schuld­ne­rin beschäf­tigt. Am 1. März 2009 wur­de über das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und der Beklag­te zum Insol­venz­ver­wal­ter bestellt. Auf der Grund­la­ge eines noch wäh­rend des vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­fah­rens mit sei­ner Zustim­mung geschlos­se­nen Inter­es­sen­aus­gleichs mit Namens­lis­te vom 24. Febru­ar 2009 kün­dig­te der Beklag­te am 11. März 2009 das Arbeits­ver­hält­nis zum 30. Juni 2009. Am 26. Febru­ar 2009 hat­te die Schuld­ne­rin Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge bei der Agen­tur für Arbeit erstat­tet, ohne den Inter­es­sen­aus­gleich bei­zu­fü­gen. Der Anzei­ge war ent­ge­gen der gesetz­li­chen Anord­nung in § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG auch kei­ne Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats bei­gefügt. Der Betriebs­rat der Schuld­ne­rin erklär­te am 26. Febru­ar 2009 aller­dings schrift­lich gegen­über der Agen­tur für Arbeit, er sei dar­über infor­miert, dass eine Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge abge­sandt wor­den sei. Noch am 26. Febru­ar 2006 bestä­tig­te die Agen­tur für Arbeit den Ein­gang der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge. Spä­ter ver­kürz­te sie die Sperr­frist. Der Klä­ger greift die Kün­di­gung an, weil der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge kei­ne Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats bei­gefügt gewe­sen sei. Die Vor­in­stan­zen sind dem gefolgt.

Die Revi­si­on des Beklag­ten hat­te vor dem Sechs­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts kei­nen Erfolg, so Henn.

Die Bei­fü­gung der Stel­lung­nah­me des Betriebs­rats, ersatz­wei­se des Inter­es­sen­aus­gleichs mit Namens­lis­te, ist Vor­aus­set­zung für eine wirk­sa­me Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge. Das Schrei­ben des Betriebs­rats vom 26. Febru­ar 2009 an die Agen­tur für Arbeit ent­hielt kei­ne ein­deu­ti­ge, abschlie­ßen­de Mei­nungs­äu­ße­rung zu den ange­zeig­ten Kün­di­gun­gen und war des­halb kei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Stel­lung­nah­me iSv. § 17 Abs. 3 Satz 2 KSchG. Der Bescheid der Agen­tur für Arbeit über die Ver­kür­zung der Sperr­frist hat den Form­feh­ler nicht geheilt. Die Wirk­sam­keit der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ist von der Bin­dungs­wir­kung eines sol­chen Bescheids nicht umfasst.

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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