(Stutt­gart) All­jähr­lich ver­un­glü­cken tau­sen­de von Berufs­pend­lern auf dem Wege zu ihrer Arbeits­stel­le. Nicht sel­ten ist der Auto­un­fall dabei auch selbst ver­ur­sacht, z. B. durch Rase­rei.

Das dies aber auch zusätz­lich zu den Ver­let­zun­gen noch ande­re Fol­gen haben kann, so der Kie­ler Fach­an­walt für Arbeits­recht Jens Klar­mann, Vize­prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, zei­ge ein Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) vom 18.03.2008, — Az. B 2 U 1/07 R -.

In dem Fall hat­te der Betrof­fe­ne wäh­rend der Fahrt mor­gens auf dem Weg zu sei­ner Prak­ti­kums­stel­le mit sei­nem Auto in einer Kur­ve eine Fahr­zeug­ko­lon­ne über­holt und war dabei mit einem ent­gegenkommenden Pkw zusam­men­ge­sto­ßen. Dies führ­te zu einer rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lung des Klä­gers wegen vor­sätz­li­cher Stra­ßen­ver­kehrs­ge­fähr­dung in Tat­ein­heit mit fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung.

Der Unfall wur­de von der zustän­di­gen Berufs­genossenschaft zwar als Wege­un­fall aner­kannt. Die Gewäh­rung einer Ver­letz­ten­ren­te lehn­te sie jedoch unter Hin­weis auf  § 101 Abs. 2 S. 1 SGB VII. ab.

Dies, so Klar­mann, sah auch das Bun­des­so­zi­al­ge­richt so.

Gemäß § 101 Abs. 2 Satz 1 SGB VII könn­ten Leis­tun­gen ganz oder teil­wei­se ver­sagt oder ent­zo­gen wer­den, wenn der Ver­si­che­rungs­fall bei einer vom Ver­si­cher­ten began­ge­nen Hand­lung ein­ge­tre­ten ist, die nach rechts­kräf­ti­gem straf­ge­richt­li­chen Urteil ein Ver­bre­chen oder vor­sätz­li­ches Ver­ge­hen ist. Die­sen Vor­aus­set­zun­gen wer­de der ange­foch­te­ne Bescheid der  Berufs­ge­nos­sen­schaft in der Gestalt des Wider­spruchs­be­schei­des gerecht, weil der Arbeits­un­fall des Klä­gers bei einer von ihm began­ge­nen Hand­lung ein­ge­tre­ten sei, die nach rechts­kräf­ti­gem straf­ge­richt­li­chen Urteil des Amts­ge­richts H. ein vor­sätz­li­ches Ver­ge­hen sei und die teil­wei­se Ver­sa­gung der Leis­tun­gen, ein­schließ­lich der Ver­letz­ten­ren­te, durch die  Berufs­ge­nos­sen­schaft recht­lich, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Ermes­sens­aus­übung, dabei nicht zu bean­stan­den sei­en.

Die Vor­schrift zie­le ähn­lich wie die ver­gleich­ba­ren Vor­schrif­ten zur gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung auf die Ver­sa­gung von sozia­lem Schutz bzw. sozia­ler Sicher­heit ab, weil der Betref­fen­de durch sein straf­recht­lich als Ver­bre­chen oder vor­sätz­li­ches Ver­ge­hen zu bewer­ten­des Ver­hal­ten sozi­al­ethi­sche Min­dest­stan­dards ver­letzt habe. Dies sei auch die zutref­fen­de recht­li­che Grund­hal­tung der Berufs­ge­nos­sen­schaft, wie sie von ihr in ihrem Wider­spruchs­be­scheid wie­der­ge­ge­ben wur­de.

Klar­mann emp­fahl allen Arbeit­neh­mern drin­gend, die­ses Urteil  zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. — www.vdaa.de — ver­wies.   

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