(Stutt­gart) Eine vor dem 1. Janu­ar 2002 arbeits­ver­trag­lich ver­ein­bar­te dyna­mi­sche Ver­wei­sung auf einen Tarif­ver­trag („Alt­ver­trag“) ist gewöhn­lich dann als Gleich­stel­lungs­ab­re­de aus­zu­le­gen, wenn sie auf den ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­trag ver­weist, an den der Arbeit­ge­ber zu die­sem Zeit­punkt selbst gebun­den ist.

Endet sei­ne Tarif­ge­bun­den­heit zu einem spä­te­ren Zeit­punkt, ent­fällt die Dyna­mik der Ver­wei­sung. Der Tarif­ver­trag bleibt dann sta­tisch in der zur Zeit des Weg­falls der Tarif­ge­bun­den­heit gel­ten­den Fas­sung Inhalt des Arbeits­ver­tra­ges. Zwar hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die­se Recht­spre­chung inzwi­schen auf­ge­ge­ben. Es gewährt hin­sicht­lich sog. „Alt­ver­trä­ge“ jedoch Ver­trau­ens­schutz, zu des­sen zeit­li­cher Begren­zung kein Anlass besteht.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VDAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom 14.12.2011 zu sei­nem Urteil vom glei­chen Tage, Az.: 4 AZR 79/10. 

Die Par­tei­en hat­ten im Jahr 1992 einen for­mu­lar­mä­ßi­gen Arbeits­ver­trag unter­zeich­net, in dem die Ver­gü­tung nach einer bestimm­ten Tarif­grup­pe des damals gel­ten­den Tarif­ver­tra­ges für den Ein­zel­han­del Bran­den­burg ver­ein­bart wor­den war. Im übri­gen soll­te sich das Arbeits­ver­hält­nis „nach den jeweils gel­ten­den Tarif­ver­trä­gen der infra­ge kom­men­den Spar­te“ rich­ten. Die beklag­te Arbeit­ge­be­rin trat 1997 aus dem Arbeit­ge­ber­ver­band aus. Im März 2008 begehr­te die Klä­ge­rin von der Beklag­ten die Zah­lung ent­spre­chend des aktu­el­len Tarif­ver­tra­ges des Ein­zel­han­dels Bran­den­burg. Die Beklag­te ver­wei­ger­te dies, weil aus ihrer Sicht in der arbeits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel eine Gleich­stel­lungs­ab­re­de zu sehen sei. Die Klä­ge­rin macht mit ihrer Kla­ge Ver­gü­tungs­dif­fe­ren­zen zwi­schen dem aktu­el­len Tari­fent­gelt und der an sie tat­säch­lich gezahl­ten Ver­gü­tung gel­tend. Das Arbeits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sie abge­wie­sen.

Die Revi­si­on der Klä­ge­rin blieb vor dem Vier­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts erfolg­los, so Henn. 

Die Ver­wei­sungs­klau­sel im Arbeits­ver­trag ist als Gleich­stel­lungs­ab­re­de aus­zu­le­gen. In ihrer Gesamt­heit nimmt sie hin­rei­chend klar auf den zu jener Zeit gel­ten­den Tarif­ver­trag für den Ein­zel­han­del Bran­den­burg Bezug. Der Vier­te Senat hat sei­ne Recht­spre­chung zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de inzwi­schen zwar geän­dert (vgl. BAG 18. April 2007 — 4 AZR 652/05 — BAGE 122, 75). Für Ver­wei­sungs­klau­seln, die vor dem 1. Janu­ar 2002 ver­ein­bart wor­den sind, gewährt er aber Ver­trau­ens­schutz, so dass es auch im vor­lie­gen­den Fall bei der frü­he­ren Aus­le­gungs­re­gel ver­bleibt. Die Klä­ge­rin kann des­halb kei­ne Ver­gü­tung nach dem aktu­el­len Tarif­stand ver­lan­gen. 

Henn emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies. 

 

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