(Stutt­gart) In meh­re­ren Urtei­len hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg am 26. März 2010 über ver­schie­de­ne Kla­gen der IBM-Betriebs­rent­ner posi­tiv für die­se ent­schie­den.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart unter Hin­weis auf die Urtei­le des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Baden-Würt­tem­berg vom 26.03.2010, Az.: 7 Sa 67/09, 68/09, 93/09,/94/09 und 95/09.

In meh­re­ren gegen die Fa. IBM Deutsch­land GmbH geführ­ten Kla­ge­ver­fah­ren strei­ten die Par­tei­en über die Anpas­sung ihrer Betriebs­ren­ten zum 01.07.2008. Nach § 16 BetrAVG (Betriebs­ren­ten­ge­setz) hat der Arbeit­ge­ber alle drei Jah­re eine Anpas­sung der lau­fen­den Leis­tun­gen der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung zu prü­fen und hier­über nach bil­li­gem Ermes­sen, ins­be­son­de­re unter Berück­sich­ti­gung der Belan­ge des Ver­sor­gungs­emp­fän­gers und der wirt­schaft­li­chen Lage des Arbeit­ge­bers, zu ent­schei­den. Die­se Ver­pflich­tung gilt dann als erfüllt, wenn die Anpas­sung nicht gerin­ger ist als der Anstieg der Net­to­löh­ne ver­gleich­ba­rer Arbeit­neh­mer­grup­pen des Unter­neh­mens im Prü­fungs­zeit­raum (sog. real­lohn­be­zo­ge­ne Ober­gren­ze).

Die IBM Deutsch­land GmbH hat zum 01.07.2008 eine Anpas­sung der Betriebs­ren­ten unter­halb der Preis­stei­ge­rungs­ra­te in Höhe von 1,57% mit der Begrün­dung vor­ge­nom­men, die durch­schnitt­li­chen Net­to­ver­gü­tun­gen der akti­ven Arbeit­neh­mer des IBM-Kon­zerns in Deutsch­land mit Aus­nah­me der sog. Exe­cu­ti­ves (Beschäf­tig­te der obe­ren Füh­rungs­ebe­ne mit einer ande­ren Ver­gü­tungs­struk­tur) sei­en bei einem Ver­gleich des durch­schnitt­li­chen Jah­res­ein­kom­mens im Jahr 2004 mit dem­je­ni­gen im Jahr 2007 ledig­lich um 1,57% gestie­gen. Es ent­spre­che der Bil­lig­keit, die Betriebs­ren­ten in Höhe der ermit­tel­ten durch­schnitt­li­chen Stei­ge­rung der Real­löh­ne der akti­ven Arbeit­neh­mer anzu­pas­sen.

Dem­ge­gen­über bean­spru­chen die Klä­ger eine Anpas­sung ihrer Betriebs­ren­ten in Höhe der Preis­stei­ge­rungs­ra­te. Sie kri­ti­sie­ren das der Anpas­sungs­ent­schei­dung zu Grun­de geleg­te Modell zur Ermitt­lung der Real­lohn­ent­wick­lung im IBM-Kon­zern.

Das Arbeits­ge­richt hat den Kla­gen jeden­falls inso­weit ent­spro­chen, als die Klä­ger ab dem 01.07.2008 eine dem Kauf­kraft­ver­lust ent­spre­chen­de Anpas­sung ihrer monat­li­chen Betriebs­ren­ten bean­sprucht haben. Es hat Art und Aus­ge­stal­tung des Modells der Net­to­loh­ner­he­bung ins­be­son­de­re mit der Begrün­dung bean­stan­det, es sei intrans­pa­rent und beru­he auf einem fal­schen Prü­fungs­zeit­raum.

Hier­ge­gen hat die IBM Deutsch­land GmbH (Beru­fungs­klä­ge­rin) jeweils Beru­fung beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt und hat wei­ter­hin ihre Anpas­sungs­ent­schei­dung auf der Grund­la­ge ihrer kon­zern­be­zo­ge­nen und auf einen Prü­fungs­zeit­raum von Ende 2004 bis Ende 2007 begrenz­ten Real­loh­ner­mitt­lung ver­tei­digt.

Dem ist die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht gefolgt, betont Henn.

Sie hat im Anschluss an die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. Urteil vom 30.08.2005, 3 AZR 395/04) mit Urtei­len vom 26.03.2010 die Beru­fun­gen der IBM Deutsch­land GmbH zurück­ge­wie­sen. Zutref­fend ist zunächst der Aus­gangs­punkt der Beru­fungs­klä­ge­rin. Gemäß § 16 Abs. 2 Nr. 2 BetrAVG wird der Anpas­sungs­be­darf der Ver­sor­gungs­emp­fän­ger durch die Ver­dienst­ent­wick­lung bei den akti­ven Arbeit­neh­mern begrenzt (sog. real­lohn­be­zo­ge­ne Ober­gren­ze). Dem­entspre­chend ist es an sich nicht zu bean­stan­den, wenn die Betriebs­ren­te nur bis zur durch­schnitt­li­chen Stei­ge­rung der Real­löh­ne der akti­ven Arbeit­neh­mer ange­passt wird. Soweit die akti­ven Arbeit­neh­mer kei­nen vol­len Teue­rungs­aus­gleich, son­dern gerin­ge­re Ver­dienst­er­hö­hun­gen erhal­ten, müs­sen sich auch die Betriebs­rent­ner mit einer ent­spre­chen­den Ren­ten­er­hö­hung begnü­gen. Damit wird dem Wert­si­che­rungs­zweck der Betriebs­ren­ten­an­pas­sung Rech­nung getra­gen. Da jedoch die real­lohn­be­zo­ge­ne Ober­gren­ze eben­so wie der Anpas­sungs­be­darf die Belan­ge der Ver­sor­gungs­emp­fän­ger betrifft, gilt für bei­de der­sel­be Prü­fungs­zeit­raum. Dem­entspre­chend hät­te die Beru­fungs­klä­ge­rin ihrer Ermitt­lung der Net­to­ent­gelt­ent­wick­lung eben­so wie bei der Fest­stel­lung des Anpas­sungs­be­darfs jeweils den Zeit­raum von Beginn des Ein­tritts in den Ruhe­stand des Betriebs­rent­ners bis unmit­tel­bar vor dem Anpas­sungs­stich­tag — vor­lie­gend: 01.07.2008 – ihrer Prü­fung zu Grun­de legen müs­sen. Der von der Beru­fungs­klä­ge­rin gewähl­te drei­jäh­ri­ge Prü­fungs­zeit­raum von Ende 2004 bis Ende 2007 genügt dem Erfor­der­nis des Gleich­laufs der Prü­fungs­zeit­räu­me nicht. Die Revi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt wur­de nicht zuge­las­sen.

Henn emp­fahl, die­se Grund­sät­ze zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.    

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