Bun­des­ar­beits­ge­richt Urteil vom 27.01.2011 — 2 AZR 9/10 Schlagworte/Normen: Kün­di­gung eines Hor­nis­ten wegen Ver­klei­ne­rung des Orches­ters Voll­text der BAG-PE: Kün­digt der Arbeit­ge­ber einem Orches­ter­mu­si­ker, weil er…

(vdaa)  Bun­des­ar­beits­ge­richt

Urteil vom 27.01.2011 — 2 AZR 9/10
Schlagworte/Normen:
Kün­di­gung eines Hor­nis­ten wegen Ver­klei­ne­rung des Orches­ters
Voll­text der BAG-PE:

Kün­digt der Arbeit­ge­ber einem Orches­ter­mu­si­ker, weil er das Orches­ter ver­klei­nern will, so kön­nen die Arbeits­ge­rich­te die­se Ent­schei­dung nicht auf ihre künst­le­ri­sche Zweck­mä­ßig­keit hin über­prü­fen.

Der Klä­ger ist Hor­nist. Er war seit dem Jahr 1991 als Orches­ter­mu­si­ker bei der Beklag­ten beschäf­tigt. Nach­dem der Frei­staat Thü­rin­gen mit­ge­teilt hat­te, er wol­le die bis­her gewähr­ten Zuwen­dun­gen erheb­lich kür­zen, ent­schloss sich die Beklag­te, das Orches­ter — ua. durch Strei­chung aller Hor­nis­ten­stel­len — zu ver­klei­nern und das ver­blie­be­ne Rumpfor­ches­ter bei Bedarf zu ergän­zen. Sie kün­dig­te das Arbeits­ver­hält­nis mit dem Klä­ger nach Anhö­rung des Betriebs­rats zum 31. Juli 2008. Ob, wie § 5 des ein­schlä­gi­gen Tarif­ver­trags vor­sieht, der Orches­ter­vor­stand vor der Kün­di­gung betei­ligt wur­de, ist strei­tig. Der Klä­ger hat die Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung gel­tend gemacht. Die Beset­zung eines Kam­mer­or­ches­ters ohne Horn bzw. Wald­horn sei unsin­nig und will­kür­lich, weil für zahl­rei­che Wer­ke der Orches­ter­mu­sik das Horn essen­ti­ell sei — so kön­ne das Stück “Peter und der Wolf” nur noch als “Peter ohne Wolf” auf­ge­führt wer­den.

Die Kla­ge blieb vor dem Zwei­ten Senat des Bun­des­ar­beits­ge­richts — wie schon in den Vor­in­stan­zen — ohne Erfolg. Die Ver­klei­ne­rung des Orches­ters erfolg­te aus nach­voll­zieh­ba­ren wirt­schaft­li­chen Erwä­gun­gen. Ob sie — an musi­ka­li­schen Maß­stä­ben gemes­sen — rich­tig war, hat­te der Senat nicht zu beur­tei­len. Jeden­falls war sie nicht miss­bräuch­lich und ziel­te nicht dar­auf, ein­zel­ne, etwa unlieb­sa­me, Musi­ker aus dem Arbeits­ver­hält­nis zu drän­gen. Ein Unter­blei­ben der Betei­li­gung des Orches­ter­vor­stands führt nach dem Tarif­ver­trag nicht zur Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung.

Sie­he:

http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&Art=pm&Datum=2011&nr=14938&pos=0&anz=12

Infor­ma­tio­nen:

  • Ver­öf­fent­licht: 28.01.2011