(Stutt­gart) Die 7. Kam­mer des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts hat nun die ers­ten 14 Beru­fungs­ver­fah­ren über Bonus­zah­lun­gen 2008 gegen die Com­merz­bank ver­han­delt. Nach den ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen haben die zwei Klä­ge­rin­nen und zwölf Klä­ger man­gels ver­bind­li­cher Zusa­ge kei­nen wei­te­ren Bonus­an­spruch für das Jahr 2008.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Micha­el Henn, Prä­si­dent des VdAA — Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Urtei­le des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (Hess. LAG) vom 20. Sep­tem­ber 2010 – 7 Sa 2082/09 u.a.

Hin­ter­grund der Rechts­strei­te war die Vor­ge­hens­wei­se der Dresd­ner Bank bzw. nach­fol­gend der die­se über­neh­men­den Com­merz­bank hin­sicht­lich der Bonus­an­sprü­che von Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der frü­her zur Dresd­ner Bank gehö­ren­den „Dresd­ner Klein­wort Invest­ment Bank“ (DKIB). Im August 2008 hat­te der Vor­stand der Dresd­ner Bank beschlos­sen, für die DKIB ein Bonus­vo­lu­men in Höhe von ins­ge­samt 400 Mil­lio­nen Euro vor­zu­se­hen. Dies wur­de den bonus­be­rech­tig­ten Ange­stell­ten im Okto­ber 2008 mit­ge­teilt und zugleich ange­kün­digt, dass die Fest­le­gung der indi­vi­du­el­len Bonus­hö­he am 19. Dezem­ber 2008 erfol­gen wer­de. Mit gleich­lau­ten­den Schrei­ben von die­sem Tag wur­de den Ange­stell­ten dann aller­dings ledig­lich eine aus­drück­lich als „vor­läu­fig“ bezeich­ne­te Bonus­hö­he mit­ge­teilt. Außer­dem kün­dig­te die Dresd­ner Bank an, sie wer­de im Janu­ar 2009 eine wei­te­re Prü­fung der Ergeb­nis­si­tua­ti­on vor­neh­men und die end­gül­ti­ge Bonus­hö­he im Febru­ar 2009 mit­tei­len. Anfang Febru­ar 2009 beschloss der Vor­stand der Dresd­ner Bank, die zwi­schen­zeit­lich von der Com­merz­bank über­nom­men wor­den wur­de, nur 10% der ange­kün­dig­ten Bonus­sum­me, min­des­tens aber ein Brut­to­mo­nats­ge­halt als Bonus an die bonus­be­rech­tig­ten Beschäf­tig­ten aus­zu­zah­len. Damit woll­te sich eine Viel­zahl der betrof­fe­nen Ange­stell­ten nicht abfin­den und erhob Kla­ge auf Zah­lung der rest­li­chen 90%. Das Arbeits­ge­richt Frank­furt am Main hat­te die­se Kla­gen abge­wie­sen..

Die gegen die­se Ent­schei­dun­gen ein­ge­leg­ten Beru­fun­gen der Beschäf­tig­ten hat­ten kei­nen Erfolg, betont Henn.

Auch das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt sah die „Bonus­brie­fe“ vom 19. Dezem­ber 2008 noch nicht als ver­bind­li­che Zusa­ge eines der Höhe nach bereits bestimm­ten Bonus an. Weder auf Grund des Wort­lauts des Schrei­bens selbst noch vor dem Hin­ter­grund der Vor­ge­schich­te und der münd­li­chen Erklä­run­gen im Zusam­men­hang mit der Über­ga­be hät­ten die Bonus­be­rech­tig­ten davon aus­ge­hen kön­nen, dass mit die­sen Schrei­ben das letz­te Wort über die Höhe der indi­vi­du­el­len Boni gefal­len sei und der Arbeit­ge­ber sich damit im Sin­ne einer unver­än­der­ba­ren Ermes­sens­aus­übung gebun­den habe. Des­halb habe die Dresd­ner Bank nach den in den Bonus­brie­fen ange­kün­dig­ten wei­te­ren Prü­fun­gen ihrer Ertrags­la­ge die Boni gene­rell um 90% kür­zen dür­fen.

Den Klä­ge­rin­nen und Klä­gern gelang es auch nicht, das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt davon zu über­zeu­gen, dass die­se Ermes­sens­ent­schei­dung der Bank feh­ler­haft gewe­sen sei und ihnen des­halb die in den Bonus­brie­fen vom Dezem­ber 2008 mit­ge­teil­ten Boni unge­kürzt zustün­den. Nach Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts war die vor­ge­nom­me­ne Redu­zie­rung viel­mehr auf­grund der wirt­schaft­li­chen Lage der Bank gerecht­fer­tigt.

Gegen sei­ne Ent­schei­dun­gen hat das Beru­fungs­ge­richt die Revi­si­on zuge­las­sen.

Henn emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len recht­li­chen Rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. dazu auch auf den VdAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

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