(Stutt­gart) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm hat nun soeben im Streit um Urlaubs­an­spruch und Arbeits­un­fä­hig­keit im EuGH-Fall ent­schie­den.

Dar­auf ver­weist der Köl­ner Fach­an­walt für Arbeits­recht Frhr. Fenimo­re von Bre­dow, Vize­prä­si­dent des VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Stutt­gart, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm vom 27.03.2012 zu sei­nen Urtei­len vom 12.01.2012 – 16 Sa 1352/11 — und 22.03.2012 – 16 Sa 1176/09.

Der schwer­be­hin­der­te Klä­ger war in der Zeit vom 01.04.1964 bis zum 31.08.2008 im Dort­mun­der Betrieb der Beklag­ten als Schlos­ser beschäf­tigt. Auf das Arbeits­ver­hält­nis fin­det der Ein­heit­li­che Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Metall- und Elek­tro­in­dus­trie Nord­rhein-West­fa­len vom 18. 12. 2003 (im Fol­gen­den: EMTV) Anwen­dung. Der Klä­ger war zunächst seit dem 23.01.2002 arbeits­un­fä­hig krank und bezog ab dem 01.10.2003 jeweils befris­tet eine Ren­te wegen vol­ler Erwerbs­min­de­rung. Das Arbeits­ver­hält­nis wur­de zum 31.08.2008 durch Auf­he­bungs­ver­ein­ba­rung been­det. Am 18.03.2009 hat der Klä­ger beim Arbeits­ge­richt Dort­mund Kla­ge auf Abgel­tung sei­nes Urlaubs für die Jah­re 2006, 2007 und 2008 in Höhe von jeweils 35 Arbeits­ta­gen ein­ge­reicht. Das Arbeits­ge­richt hat dem Klä­ger mit Urteil vom 28.08.2009 die Abgel­tung des gesetz­li­chen Min­dest­ur­laubs­an­spruchs von 60 Arbeits­ta­gen und des Schwer­be­hin­der­ten­ur­laubs von 15 Arbeits­ta­gen für die Jah­re 2006, 2007 und 2008 zuge­spro­chen. Im Beru­fungs­ver­fah­ren hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm mit Beschluss vom 15.04.2010 dem euro­päi­schen Gerichts­hof die Fra­ge vor­ge­legt, ob Urlaubs­an­sprü­che für lang­jäh­rig arbeits­un­fä­hi­ge Arbeit­neh­mer ange­sam­melt wer­den kön­nen oder ob sie zeit­lich befris­tet sind. Die 16. Kam­mer hat­te dar­an Zwei­fel, ob der Zweck des Urlaubs­an­spruchs die Ansamm­lung von Urlaubs­an­sprü­chen über vie­le Jah­re erfor­dert. Mit Urteil vom 22.11.2011 hat der euro­päi­sche Gerichts­hof ent­schie­den, dass Arti­kel 7 I. der Richt­li­nie 2003/88/EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates dahin­ge­hend aus­zu­le­gen ist, dass er ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten wie Tarif­ver­trä­gen, die das Ansam­meln von Ansprü­chen auf bezahl­ten Jah­res­ur­laub aus ver­gan­ge­ner Zeit auf einen Über­tra­gungs­zeit­raum von 15 Mona­ten beschrän­ken, nicht ent­ge­gen­steht.

Mit Urteil vom 22.03.2012 hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt der Ent­schei­dung des EuGH fol­gend die Beklag­te ver­ur­teilt, für 15 Mona­te den Urlaub abzu­gel­ten und im Übri­gen die Kla­ge gewie­sen. Nach dem Urteil des EuGH ist der § 11 Abs. Unter­abs. 3 des EMTV, der einen Über­tra­gungs­zeit­raum von 15 Mona­ten bei Krank­heit vor­sieht, nicht zu bean­stan­den und ver­stößt nicht gegen Euro­pa­recht.

Ent­ge­gen der Ansicht der Beklag­ten war der Klä­ger auch berech­tigt, die Ansprü­che noch gel­tend zu machen, obwohl er die im EMTV gere­gel­te 3‑Mo­nats-Frist nach Fäl­lig­keit nicht ein­ge­hal­ten hat. Denn die­ser Tarif­ver­trag hat die Beson­der­heit, dass die­se Frist nicht gilt, wenn der Arbeit­neh­mer trotz Anwen­dung der nach Lage der Umstän­de zuzu­mu­ten­den Sorg­falt gehin­dert war, die Frist ein­zu­hal­ten. Die­ser Fall war hier anzu­neh­men, weil zum Zeit­punkt der Fäl­lig­keit der Ansprü­che des Klä­gers nach der ein­schlä­gi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sol­che Aus­schluss­fris­ten für Urlaubs­an­sprü­che noch kei­ne Anwen­dung fan­den und der Klä­ger zum dama­li­gen Zeit­punkt die Frist gar nicht ein­hal­ten muss­te. (Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Urteil vom 22.03.2012 – 16 Sa 1176/09)

Das LG Hamm hat dar­auf hin­ge­wie­sen, so vn Bre­dow, dass die Beru­fungs­kam­mer die 15-Monats-Frist im des Metall­be­reichs NRW für ein­schlä­gig hält, weil sie dort aus­drück­lich gere­gelt ist. Für den Fall des MTV Ein­zel­han­dels in NRW hat die Beru­fungs­kam­mer am 12.01.2012 ent­schie­den, dass in die­sem Bereich Urlaubs­an­sprü­che lang­jäh­rig arbeits­un­fä­hi­ger Arbeit­neh­mer spä­tes­tens 18 Mona­te nach Ablauf des Urlaubs­jah­res ver­fal­len, wenn sie bis dahin nicht genom­men wer­den konn­ten. Dies folgt dar­aus, dass der MTV-Ein­zel­han­del kei­ne eigen­stän­di­gen Rege­lun­gen für den Ver­fall des über­ge­setz­li­chen Urlaubs hat und daher eine richt­li­ni­en­kon­for­me Rechts­fort­bil­dung des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes es gebie­tet, an die Stel­le des drei­mo­na­ti­gen Über­tra­gungs­zeit­raums unter Berück­sich­ti­gung von Art. 9 Abs. 1 des Über­ein­kom­mens Nr. 132 ILO einen 18-mona­ti­gen Über­tra­gungs­zeit­raum tre­ten zu las­sen. (Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm Urteil vom 12.01.2012 – 16 Sa 1352/11).

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat in bei­den Fäl­len die Revi­si­on zuge­las­sen.

Von Bre­dow emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen zum Arbeits­recht Rechts­rat in Anspruch zu neh­men, wobei er u. a. auch auf den VDAA Ver­band deut­scher Arbeits­rechts­An­wäl­te e. V. – www.vdaa.de – ver­wies.

 

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